St. Galler neuer Rektor der Uni Zürich

Die Universität Zürich wählte am Montagabend Michael Hengartner zum neuen Rektor. Der preisgekrönte Biologe ist Kanadaschweizer, lebt mit seiner Grossfamilie in Zürich – und hat seine Wurzeln in St. Gallen.

Nina Ladina Kurz
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Michael Hengartner (Bild: Justin Hession)

Michael Hengartner (Bild: Justin Hession)

ST. GALLEN. «Ich bin ein glücklicher Zufalls-St. Galler», sagt Michael Hengartner. Als seine in Zürich lebenden Eltern – beides St. Galler – im Jahr 1966 auf Verwandtschaftsbesuch waren, kam er in der Gallusstadt zur Welt. «Als ich einjährig war, zogen wir ins Ausland. Doch die Sommerferien verbrachte ich bei meinen Grosseltern im Neudorf in St. Gallen; ich lernte Segeln auf dem Bodensee und Wandern am Säntis», sagt der 47jährige schweizerisch-kanadische Doppelbürger.

Rektor ab August 2014

Seine Stelle als neuer Rektor der Universität Zürich wird er am 1. August 2014 antreten, die Amtszeit dauert bis August 2018. Bereits seit 2001 ist er an der Universität Zürich Professor für Molekularbiologie und seit 2009 Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät.

Fasziniert von Miniwürmern

Zur Molekularbiologie kam Hengartner per Zufall. Eigentlich wollte er seine Doktorarbeit beim Nobelpreisträger David Baltimore am Massachusetts Institute of Technology schreiben. Doch ein Freund schleppte ihn zum Wurmexperten Robert Horvitz. Dieser erforschte einen ein Millimeter langen Wurm namens Caenorhabditis elegans. Er war fasziniert von diesem Miniwurm, doktorierte und wurde Wurmforscher. Als Horvitz 2002 für seine Forschung den Medizinnobelpreis erhielt, dankte dieser Hengartner in seiner Rede.

Hengartner trieb seine eigene Karriere an. 2006 gewann er eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Schweiz, den mit 100 000 Franken dotierten Latsis-Preis. Er wurde Schulpfleger der Stadt Zürich und war 2011 FDP-Kandidat für den Zürcher Kantonsrat.

Offen für Sponsoringverträge

Er werde versuchen, auch als Rektor die Zeit zu finden, ein Modul zu unterrichten, sagt der preisgekrönte Biologe. «Ich schätze den direkten Kontakt mit den Studenten. Als Rektor läuft man schnell Gefahr, die Nähe zu Forschung und Lehre zu verlieren.» Es sei eine Win-win-Situation, sagt Hengartner mit einem seiner vielen Anglizismen.

Als neuer Rektor will er liberal mit Sponsoringverträgen – wie zuletzt der umstrittene 100-Millionen-Deal mit der UBS einer war – umgehen. «Ich begrüsse grundsätzlich Drittmittel in Form von Sponsoringverträgen – vorausgesetzt, sie erfüllen einige Bedingungen», sagt Hengartner. Es sei wichtig, dass die Lehre und Forschung unabhängig bleibe, die Reputation der Universität gestärkt werde und die Verträge zu 100 Prozent transparent seien.

Zeit für die Grossfamilie

Dass er als Rektor keine Zeit mehr für seine Familie findet, sei ausgeschlossen. «Ich trenne Privates und Berufliches nicht», sagt der Vater von sechs Kindern. «Es erfordert Flexibilität und eine gute Organisation.» Aber er geniesse diese Zeit, «I like it that way».