St. Galler Modell bewährt sich

Mit einem praxisnahen Modell bildet der Kanton St. Gallen seit sieben Jahren Ärzte zu Hausärzten weiter. Damit will er dem Mangel an Medizinern in der Grundversorgung entgegenwirken. Die Weiterbildung findet Anklang.

Martin Rechsteiner
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Im Kanton St. Gallen zeichnet sich ein Mangel an Hausärzten ab. Das Modell soll Abhilfe schaffen. (Bild: ky/Gaetan Bally)

Im Kanton St. Gallen zeichnet sich ein Mangel an Hausärzten ab. Das Modell soll Abhilfe schaffen. (Bild: ky/Gaetan Bally)

ST. GALLEN. Der Kanton St. Gallen hat vor gut sieben Jahren ein Modell zur Weiterbildung von Hausärztinnen und -ärzten geschaffen. Während einer sechs Monate dauernden Praxisassistenz oder eines zweijährigen Curriculums, welches einen Einblick in verschiedene ärztliche Fachbereiche erlaubt, können angehende Hausärzte praktische Erfahrungen sammeln. «Alle Teilnehmer der Weiterbildung erhalten zudem eine umfassende Laufbahnberatung», sagt Christian Häuptle. Der Leitende Arzt Hausarztmedizin und Allgemeine Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen ist im Kanton verantwortlich für die Weiterbildung zum Hausarzt.

Gegen den Ärztemangel

«Wir haben das Weiterbildungsmodell geschaffen, um im Kanton längerfristig eine ärztliche Grund- und Notfallversorgung zu gewährleisten», so Häuptle. Man möchte so dem Mangel an Hausärzten entgegenwirken, der sich in Zukunft abzeichne. Zudem soll es der Qualitätssicherung dienen.

St. Gallen war der erste Kanton, der ein solches Modell einführte. «Das St. Galler Modell hat die Hausarzt-Weiterbildung schweizweit geprägt», sagt Häuptle.

«Inzwischen gibt es in vielen Kantonen solche Weiterbildungsmodelle für Hausärzte. Aber leider gestaltet jeder Kanton seine Gesundheitspolitik anders, die Modelle sind sehr verschieden», so Häuptle. Man müsse in dieser Angelegenheit gesamtschweizerisch besser zusammenarbeiten. Deshalb fordert er kantonale Zusammenschlüsse von Spitälern, um gemeinsame Synergien im Aus- und Weiterbildungsbereich besser nutzen zu können.

Im Moment erweist sich das jedoch als schwierig: «Bildet der Kanton einen Mediziner zum Hausarzt weiter, ist auch das Interesse da, dass er hier bleibt», sagt der St. Galler Kantonsarzt Markus Betschart. Wer sich für ein zweijähriges Curriculum entschliesse, verpflichte sich gewissermassen, danach im Kanton zu arbeiten. Fasse er anderswo Fuss, müsse er einen Teil der Kosten übernehmen.

Zehn Stellen pro Jahr

Seit der Einführung des Modells stellt der Kanton jährlich rund 950 000 Franken für die Weiterbildung zum Hausarzt zur Verfügung. Mit dem Geld werden Stellen in Arztpraxen und Spitälern für eine Praxisassistenz oder ein Curriculum geschaffen. Der Betrag reicht für insgesamt zehn solcher Weiterbildungsstellen pro Jahr. Wegen Lohnerhöhungen der Beteiligten sei es aber zunehmend schwieriger, diese Anzahl Plätze anbieten zu können, so Häuptle. «Wir werden aber alles daran setzen, die zehn Stellen behalten zu können», stellt er klar.

Mehr als 40 Ärztinnen und Ärzte haben die Weiterbildung zum Hausarzt seit der Einführung des Modells im Jahr 2007 durchlaufen. «Dieses Jahr kommen weitere zehn hinzu», so Häuptle. Das Modell finde Anklang in der Ärzteschaft: «Für dieses Jahr sind bereits sämtliche Stellen für Praxisassistenzen und Curricula besetzt, für nächstes Jahr schon mehr als die Hälfte.»

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