St. Galler Lehrer entlasten sich selber

Die Lehrerinnen und Lehrer des Kantons St. Gallen haben Massnahmen beschlossen, um sich selber zu entlasten. Sie wollen unter anderem Korrekturarbeiten auf das Nötigste beschränken.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Die Arbeitsbelastung und ihre Folgen für den Unterricht: Dies war das Hauptthema an der Vollversammlung, welche der Kantonale Lehrerinnen- und Lehrerverband (KLV) gestern nachmittag in den Olma-Hallen durchführte.

Unbezahlte Arbeit

Das Präsidium mit Hansjörg Bauer, Claudia Frei und Hansruedi Vogel listete zum Auftakt eine ganze Reihe von Statements auf. Gemäss Studie leisteten St. Galler Lehrerinnen und Lehrer drei Wochen unbezahlte Arbeit pro Jahr, erklärten sie unter anderem. Der Lohnunterschied zu vergleichbaren Funktionen in anderen Berufssparten sei hoch. Integration werde immer mehr auf Kosten der Lehrpersonen durchgeführt. Das Angebot an genügend qualifizierten Arbeitskräften sei nicht mehr gewährleistet. «Eine gute Schule ist uns wichtig. Wir wollen faire Rahmenbedingungen und einen Berufsauftrag, der uns in der Arbeit spürbar entlastet», lautete die Forderung.

Auslöser für die Einberufung der Vollversammlung sei das Nichteintreten des Kantonsrates auf eine Entlastung bei der Unterrichtsverpflichtung, betonte Hansruedi Vogel. Dadurch könne kein neuer Berufsauftrag ausgearbeitet werden. Der geltende aber sei mit der zur Verfügung stehenden gesetzlichen Jahresarbeitszeit von 1906 Stunden nicht erfüllbar. «Der KLV verlangt, dass die Schulbehörden und die Schulleitungen nun dafür sorgen, dass die Arbeitszeit bei einem Vollpensum der Lehrpersonen 1906 Stunden nicht überschreitet», sagte Vogel.

Das Heft in die Hand nehmen

Nach Referaten zu Studien über Arbeitszeit und Entlöhnung sowie zu den früheren und heutigen Anforderungen an den Lehrerberuf verabschiedete die Vollversammlung die künftige Strategie des KLV. Hansruedi Vogel erinnerte daran, dass die Delegiertenversammlung Ende Oktober ein Positionspapier zur aktuellen KLV-Politik verabschiedet habe. Nun sei es aber an der Zeit, gegenüber der Bevölkerung und den Politikerinnen und Politikern im Kanton ein zusätzliches Zeichen zu setzen. «Wir nehmen das Heft selber in die Hand und entlasten uns, damit die gesetzliche Arbeitszeit nicht mehr überschritten wird.»

Hansjörg Bauer listete eine ganze Palette von Entlastungsmöglichkeiten auf, die jede Lehrperson entweder individuell oder im Team umsetzen kann. Darunter befanden sich Vorschläge wie: Korrekturarbeiten auf das Nötigste beschränken, Hausaufgaben reduzieren oder sie nicht mehr kontrollieren, Elterngespräche auf 20 Minuten beschränken, Prüfungen auf ein Minimum reduzieren, keine Teilnahme an Sportveranstaltungen und vieles mehr.

Breite Zustimmung

Seien bis zu den Sommerferien 2013 keine konkreten Verbesserungen in Sicht, behalte man sich vor, weitere Massnahmen ins Spiel zu bringen, erklärte Hansjörg Bauer weiter. Konkret nannte er die strikte Einhaltung der Anzahl der Schülerlektionen, keine Übernahme von Studierenden für Praktika und keine Durchführung von Klassencockpits. Zudem stelle man sich auf den Standpunkt, dass Erziehungsarbeit ausserhalb des Schulareals nicht Sache der Lehrperson sei.

Mit wenigen Ausnahmen stimmten die Lehrpersonen dem «Entlastungspaket» zu. Eindeutig Ja sagten sie auch zum Vorschlag, dass der KLV einen Entwurf für einen neuen Berufsauftrag ausarbeitet und ihn dem Bildungsdepartement vorlegt.