St. Gallen treibt Denkfabrik voran

Die Ostschweiz will Teil eines nationalen Innovationsparks werden. Sie hatte im März 2014 ein erstes Dossier abgeliefert, muss aber in eine zweite Qualifikationsrunde. Am 27. März gibt sie nun das Projekt beim Bund neu ein.

Christoph Zweili
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Gelände mit Potenzial: Auf dem heutigen Tagblatt-Areal soll ein Standort des nationalen Innovationszentrums entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

Gelände mit Potenzial: Auf dem heutigen Tagblatt-Areal soll ein Standort des nationalen Innovationszentrums entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Die Ostschweiz ist geprägt von Industrie mit überdurchschnittlicher Dichte und überdurchschnittlichem Wachstum, vor allem in der sogenannten MEM-Industrie. «Im Bereich des Maschinen-, Fahrzeug- und Metallbaus sind wir doppelt so stark wie die übrige Schweiz. Bei Textil und Bekleidung gar um den Faktor drei», sagt Benedikt Würth, Volkswirtschaftschef im Kanton St. Gallen. Die Vision hinter der Bewerbung für den Netzwerk-Standort im Osten als Teil eines nationalen Innovationsparks ergibt sich für Würth aus dieser Wirtschaftsstruktur und der Forschungslandschaft.

Ab 2016 soll daher auf dem mehr als 40 000 Quadratmeter grossen Gelände des St. Galler Tagblatts, das direkt neben der Empa liegt, an «intelligenten Produktionssystemen der Zukunft» in den Bereichen Mechatronik, Mikrosysteme, Polymere, Energietechnik und Management getüftelt werden. Konkret geht es um Produktionssysteme und Geschäftsmodelle, «um in Hochlohnländern kosteneffektiv hochwertige Güter zu produzieren». Das sei nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank erst recht von grösster Bedeutung: «Für die Unternehmen ist es heute wichtiger denn je, den Produktionsstandort Ostschweiz langfristig zu sichern, die Innovationsrate hoch zu halten und die Effizienz der Produktionsprozesse noch weiter voranzubringen.» Dabei solle der Innovationspark helfen.

Projekt breit abgestützt

Die Trägerschaft für den Netzwerk-Standort Ost ist breit. Neben dem Kanton St. Gallen, den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden sowie dem Fürstentum Liechtenstein sind das die Empa, die Universität St. Gallen sowie die St. Galler Fachhochschulen. «Die beiden technischen Hochschulen in Buchs und Rapperswil sowie die Empa haben heute schon einen sehr starken Technologietransfer. Darauf möchten wir aufbauen», sagt Benedikt Würth.

Die Industrie zeigt sich sehr interessiert am Netzwerk-Standort Ost. Die international tätigen Firmen, die bisher eine Absichtserklärung unterschrieben haben, stehen für über 160 000 (!) Mitarbeitende und über 30 Milliarden Umsatz. Ihren Anteil an Forschung und Entwicklung beziffern sie mit bis zu zehn Prozent. «Für diese grossen Industrieunternehmen wird der Innovationspark ein Dienstleistungszentrum sein. Derzeit verhandeln wir leistungsbezogene Unterstützungsvereinbarungen», sagt Würth.

Mittelbedarf noch offen

Der Bund stellt im Rahmen des Forschungs- und Innovationsförderungsgesetzes Darlehen von 300 Millionen Franken für den nationalen Innovationspark zur Verfügung, um Grossgeräte und Forschungsinfrastruktur zu finanzieren. «Wie hoch unser Bedarf ist, kann ich noch nicht sagen. Das hängt von den Bedürfnissen der Industrie ab.» In der Startphase werde es aber noch zusätzliche Mittel brauchen, «auch vom Staat». Mittelfristig müsse der Innovationspark als Geschäftsmodell aber selbsttragend sein.

Noch diesen Monat will der Bundesrat die Finanzierungsbotschaft verabschieden, die auch die Unterstützungsmöglichkeiten des Bundes aufzeigt. Seine Rolle ist klar als subsidiär definiert. Im April entscheidet das Expertengremium über die Bewerbungen. Einen Monat später sollen die weiteren Netzwerk-Standorte bekannt sein, bevor in der Sommersession der Erstrat das Geschäft berate.

«Unser Projekt ist reif»

Die erste Eingabe des Projekts war im Juni 2014 an den Experten des Bundes gescheitert, weil das Thema der Bewerbung zu breit gefasst war. «Jetzt ist unser Projekt reif», sagt Volkswirtschaftschef Würth. «Die technologischen Felder sind klar benannt und vertieft.» Zusätzliche Bewerbungen gibt es in der zweiten Runde keine mehr. Zugang zum Nachverfahren haben nur Projekte, die im ersten Durchgang zurückgestuft wurden.

Dass sich der Thurgau mit dem «Agro Food Innovation Park» für den Alleingang entschieden habe, gereiche der Ostschweiz nicht zum Nachteil, sagt Würth. «Die beiden Projekte konkurrenzieren sich nicht.» Man wolle inhaltlich überzeugen und nicht regionalpolitisch vorgehen. Und als wollte er sich selber Lügen strafen, sagt Würth: «Wenn wir uns wider Erwarten aber nicht qualifizieren, ergeben sich für mich dann doch regionalpolitisch ein paar Fragezeichen.»

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