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ST. GALLEN: Ein Italiener fährt nach München

Die SBB machen eine Kehrtwende: Statt mit Doppelstockzügen mit Wankkompensation wollen sie nun mit dem Pendolino-Neigezug von Zürich nach München fahren. Der «Gotthard-Pannenzug» hat aber keinen guten Ruf.
Christoph Zweili
Sorgenkind der SBB: Der ETR610-Neigezug auf der Gotthardstrecke Richtung Süden. (Bild: SBB)

Sorgenkind der SBB: Der ETR610-Neigezug auf der Gotthardstrecke Richtung Süden. (Bild: SBB)

ST. GALLEN. Nach der Einweihung des Gotthard-Basistunnels wollen die SBB ab 2021 den einstöckigen Hochgeschwindigkeitszug Pendolino ETR 610 für die Eurocity-Züge Zürich–München einsetzen. Diese EC-Verbindung mit Halt in St. Gallen und St. Margrethen stellt zusammen mit der EC-Linie Zürich–Wien mit Halt in Sargans und Buchs die direkte Anbindung des Kantons St. Gallen an das internationale Eisenbahnnetz sicher.

Der von Alstom in Italien gebaute «ElettroTreno Rapido» ist mit Neigetechnik ausgestattet – damit kann sich der Zug in Kurven neigen und erreicht so eine höhere Geschwindigkeit als konventionelles Rollmaterial. Diese sprintstarken Züge sind nötig, damit eine Fahrzeit Zürich–St. Gallen unter 60 und St. Gallen–Bregenz unter 30 Minuten eingehalten werden kann. Nur so kann die EC-Verbindung wie geplant ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 in das Knotensystem integriert werden.

Probleme mit dem ETR 610

Mit ihrem Rollmaterial-Entscheid machen die SBB nun von 2015 auf 2016 eine Kehrtwende: Im Standbericht zum Hochgeschwindigkeitsverkehr war noch von neuen Doppelstockzügen mit Wankkompensation mit Beschleunigung zwischen Winterthur und St. Gallen die Rede gewesen. Nun verzichten die SBB auf die Doppelstockzüge und setzen stattdessen auf den Neigezug, zumindest für die Einführung des «Münchners». «Es ist noch nicht entschieden, welches Rollmaterial mittelfristig auf der Strecke Zürich–München eingesetzt wird», heisst es auf Anfrage bei den SBB.

Massive Verspätungen, kaputte Toiletten und Klimaanlagen: Der ETR-Neigezug hat keinen guten Ruf, zumindest die nachbestellten Züge der zweiten Serie nicht. Ausgelegt auf den Personenverkehr der SBB zwischen der Schweiz und Italien häuften sich die Reklamationen wegen Verspätungen und verpasster Züge auf der Gotthardstrecke. Als Sofortmassnahme wollen nun die SBB 12,9 Millionen in die Pannenzüge investieren. Für sie gilt der ETR 610 grundsätzlich als «guter und komfortabler Zug», der seit 2009 zuverlässig auf der Simplonachse eingesetzt werde. Angespannt sei jedoch die Verfügbarkeit, «unter anderem wegen des Ertüchtigungsprogramms für den Gotthard-Basistunnel». Und es habe in den letzten Monaten gehäuft technische Störungen gegeben, die nun aber behoben würden. Nächstes Jahr laufe die Revision für die Züge der ersten Serie an.

Weitere Fragen beantworten die SBB nicht – weder zur Zahl der Sitzplätze noch zur künftigen Haltepolitik im Rheintal oder ob es denkbar wäre, die Eurocity stündlich bis St. Margrethen, Bregenz oder Lindau zu führen.

Umrüsten an der Grenze

Eines steht aber fest: Für den Einsatz nach Österreich und Deutschland müssen die Züge umgerüstet werden. «Auch mit voller Ausnutzung der Neigetechnik und minimaler Haltezeit in St. Gallen kann der Eurocity in St. Margrethen nur halten, wenn es dem Hersteller gelingt, die Systemumstellung an der Grenze vornehmen zu können», schreibt die St. Galler Regierung in der Antwort auf eine einfache Anfrage von Laura Bucher (SP) unter Berufung auf die SBB. Dabei geht es um Anpassungen an der Fahrzeugsoftware. Konkrete Ergebnisse von Alstom werden Anfang 2017 erwartet.

Der Kanton St. Gallen, das Bundesamt für Verkehr und die SBB erklären gemeinsam, das Ziel sei, den Halt St. Margrethen «dank technischer Anpassungen am Rollmaterial zu sichern». Laut Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr im Kanton St. Gallen, «haben die Kantone aber formell keine Befugnisse rund um den Einsatz beim Fernverkehr-Rollmaterial.»

Mit dem ETR 610 ist nun ein Entscheid gefallen. Andere Knacknüsse im Fürstenland warten noch (Ausgabe von gestern): Ab 2018 kommen sich in Wil die S1 und die Güterzüge in die Quere, ab 2020 der Eurocity und die Güterzüge.

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