Die Fassade wird rissig: Die St.Galler Firma SRI Baumanagement steht vor dem Konkurs

Neue Verstrickungen, neue Geschädigte und über 50 Gläubiger: Die SRI Baumanagement AG steht vor dem Konkurs. Und zieht eine weitere Firma mit sich. 

Noemi Heule
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Offiziell befindet sich der Hauptsitz der Firma SRI Baumanagement AG an der Unteren Kräzern in St.Gallen. Die Liegenschaften am Ufer der Sitter sind in ihrem Besitz. (Bilder: Urs Bucher)

Offiziell befindet sich der Hauptsitz der Firma SRI Baumanagement AG an der Unteren Kräzern in St.Gallen. Die Liegenschaften am Ufer der Sitter sind in ihrem Besitz. (Bilder: Urs Bucher)

  • Die Vorgeschichte: Die Gewerkschaft Unia und ehemalige Mitarbeiter richten diverse Vorwürfe gegen die Ostchweizer Firma SRI Baumanagement AG. Stichworte: Lohndumping, Lohnausstände, Scheinsanierungen, Schmiergelder und ungerechtfertigte Kündigungen. 
  • Die Gläubiger: Der Betreibungsregisterauszug der Firma zählt mittlerweile über 50 Namen, darunter staatliche Gläubiger wie Sozialversicherungen oder Steuerämter mehrerer Kantone. 
  • Die Kundschaft: Der grösste Kunde der Firma war die Pensionskasse der SBB, welche die Zusammenarbeit im Frühlings allerdings abrupt beendete. Seither befinden sich die beiden Parteien im Rechtsstreit.
  • Ein ähnlicher Fall: Die Gewerkschaft Syna deckte in Zürich einen verwandten Fall auf. Die Firma CPI Immobilien AG, deren offizieller Sitz in Schlieren liegt, ist mit der Firma SRI Baumanagement AG eng verbandelt. Auch sie hat rumänische Arbeiter geprellt. 
  • Die politischen Folgen: Bettina Surber, Co-Fraktionspräsidentin der St.Galler SP, wendet sich mit einer Interpellation an die Kontrollbehörden. 

«Bitte Sturm läuten», steht auf einem neongelben Post-it an der Bionstrasse in St. Gallen. Bei eingeschriebenen Briefen soll der Pöstler lautstark auf sich aufmerksam machen. Sturm geläutet hat es in letzter Zeit oft an der Bionstrasse, wo ein Briefkasten für zig Firmennamen herhalten muss. Eine davon war bis vor kurzem die SRI Baumanagement AG. Die Firma erlangte wegen Lohndumping, Lohnausständen und Schmiergeldern unrühmliche Bekanntheit. Der elfseitige Betreibungsregisterauszug zeugt von stürmischen Zeiten am St. Galler Stadtrand.

Nun gerät eine weitere Firma in den Fokus: die CPI Immobilien AG, die offiziell in Schlieren sitzt. Eingeschriebene Briefe, namentlich Betreibungen, hat auch sie in den vergangenen Wochen zahlreich erhalten. Auch die Machenschaften gleichen sich: Wie die SRI Baumanagement AG hat sie Arbeiter geprellt. Die Löhne zahlte sie irgendwann nicht mehr aus, die Sozialversicherungsbeiträge zog sie zwar ein, blieb sie jedoch schuldig.

Stand 12. November: An der Bionstrasse teilen sich 21 Firmen einen Briefkasten.

Stand 12. November: An der Bionstrasse teilen sich 21 Firmen einen Briefkasten. 

Der Schlieremer Hauptsitz ist verwaist

Nach der Berichterstattung über die Winkelzüge der St. Galler Baufirma SRI Baumanagement stiess die Gewerkschaft Syna auf einen verwandten Fall, wie die Gewerkschaftszeitung «Work» schreibt. Im vergangenen Sommer klopften 16 rumänische Arbeiter bei der Syna in Bülach an. Sie warteten auf ihre Löhne. Ab Juni blieben sie aus, per Ende September folgte die Kündigung.

Als die Gewerkschaft die ausstehenden Löhne bei der CPI Immobilien eintreiben wollte, fand sie in Schlieren einen verwaisten Hauptsitz vor. Kein Büro, nicht einmal ein Briefkasten. Stattdessen wurde die Post geradewegs nach St. Gallen weitergeleitet. Mehr noch: Die Arbeiter waren ursprünglich ebenfalls von der SRI Baumanagement AG angestellt; plötzlich und ohne Kündigung wurden sie laut Gewerkschaftssekretär Daniel Zoričić an die verbrüderte Firma weitergereicht.

«Vermutlich wollte die Firma ein Risiko auslagern.»

Während auf dem Arbeitsvertrag der neue Firmenname stand, erhielten sie das Gehalt weiterhin vom selben Konto.

Die Parallelen sind denn auch frappant: Gleichzeitig erhielten die Mitarbeiter beider Firmen die Kündigung, gleichzeitig blieb der Lohn aus. Die rumänischen Arbeiter wurden auf Baustellen in der ganzen Schweiz eingesetzt und schliefen in leerstehenden Wohnungen, während dieselbe Liegenschaft gleichzeitig umgebaut wurde. Etwa in der Unteren Kräzern unterhalb der Fürstenlandbrücke in St. Gallen. In einem ausgehöhlten Gebäudeskelett, umringt von einem Baugerüst, befindet sich eine Massenunterkunft der Rumänen. Während die dort Einquartierten von Dumpinglöhnen berichten, erhielten ihre Kollegen knapp den Mindestlohn – so lange, bis er ganz ausblieb.

Untrennbar und undurchschaubar verbunden

Die SRI Baumanagement AG und die CPI Immobilien AG gehören zu einem verworrenen Geflecht aus Firmen, die offiziell nichts miteinander zu tun haben wollen. Einen gemeinsamen Auftritt haben sie nur auf der Briefkastenfront. Über gemeinsame Adressen, Verwaltungsräte und Geschäfte sind sie untrenn- und doch undurchschaubar verknüpft.

Der Verwaltungsratspräsident der CPI hat denn auch ein Doppelmandat: Er steht auch der Build Totalunternehmen AG vor. Die Firma, ebenfalls an der Bionstrasse angesiedelt, hat die Geschäfte der SRI Baumanagement AG übernommen, nachdem diese «heruntergefahren wurde», wie den Mitarbeitern mitgeteilt wurde, kurz bevor sie reihum entlassen wurden.

Die Verwaltungsräte sind allerdings oft nur Strohmänner. Eine Schlüsselfigur hinter dem Firmennetz ist Daniel Bächtold, der bei der Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung aktenkundig ist. Der Rheintaler Immobilier nennt sich Hauptaktionär der SRI Baumanagement, de facto und gegenüber den Mitarbeitern trat er aber als Strippenzieher auf. Ansonsten agiert er im Hintergrund, für die papierne Fassade im Handelsregister halten andere her. Die Firma CPI Immobilien ging gar so weit, einen rumänischen Arbeiter kurzerhand in den Verwaltungsrat zu befördern. Mit bitteren Folgen für den Mann: Auch nach der Insolvenz der Firma bleibt er auf seinen Forderungen sitzen – laut Syna rund 40 000 Franken.

Ein gewundener Weg und viele Namen

Ein Konkurs ist bei beiden Firmen eine Frage der Zeit. Die Syna hat der CPI Immobilien AG im Namen der Mitarbeiter eine Konkursandrohung zugestellt; sie fordert 380000 Franken. Die SRI Baumanagement hat ebenfalls diverse Konkursandrohungen und Pfändungsbegehren erhalten. Ihr grösster Gläubiger sind die Ausserrhoder Sozialversicherungen, weil die Firma zuvor in Herisau stationiert war. Auf dem elfseitigen Betreibungsregisterauszug – gefordert werden insgesamt rund 1,7 Millionen – finden sich weitere staatliche Gläubiger, darunter die Kantone Neuenburg, St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau. Zudem sind Rechtsstreitigkeiten mit dem einst grössten Kunden, der SBB-Pensionskasse, in Gang.

Von der Baustelle aufs politische Tapet

Inn einer Recherche machte diese Zeitung Fälle von Lohndumping in einem Konstrukt mit Firmen aus der Baubranche publik. Nun hat das Thema den Kantonsrat erreicht. In einem Vorstoss nimmt SP-Kantonsrätin Bettina Surber Bezug auf den Artikel vom 13. November, in dem die Machenschaften der Ostschweizer Firma SRI Baumanagement AG ausgeführt werden. Ehemalige Mitarbeiter und die Unia St. Gallen gelangten mit diversen Vorwürfen an die Öffentlichkeit, darunter Lohndumping, Lohnausstände, Scheinsanierungen, Schmiergelder und ungerechtfertigte Kündigungen. In der Novembersession hat Bettina Surber eine Interpellation zum Thema eingereicht. Darin fragt sie die Regierung unter anderem nach der Wirksamkeit der Kontrollen des Arbeitsinspektorats. Für die Kantonsrätin stellen sich weiter Fragen an die Kontrollbehörden.

Massnahmen gegen prekäre Arbeitsbedingungen

«Gibt es Untersuchungen gegen das Unternehmen oder gegen Einzelpersonen im Zusammenhang mit dem Geschäftsgebaren der Firma?», heisst es im Vorstoss. Weiter soll die Regierung aufzeigen, mit welchen Massnahmen das Arbeitsinspektorat solch prekäre Arbeitsbedingungen zu verhindern versuche. Zudem wird gefragt, ob das Konkursamt Hinweise auf strafbares Verhalten an die Strafverfolgungsbehörden weitergebe. Es sei überdies davon auszugehen, dass die Firma staatlichen Institutionen hohe Geldbeträge schuldet. «Findet zwischen den Ämtern ein überkantonaler Informationsaustausch statt?», lautet eine weitere Frage. (sda/nh)

Die Firmen haben eine weitere Gemeinsamkeit: Sobald Probleme auftauchen, wandern sie weiter, gehen in Konkurs, ändern die Namen. Das Handelsregister zeichnet den gewundenen Weg der CPI Immobilien AG nach: Innert der letzten drei Jahre wechselte sie viermal den Sitz – von Zug nach Herisau, Neuenburg und Schlieren – und zweimal den Namen.

Stand 3. Dezember: Von zehn Firmen zeugen drei Wochen später nur noch die Reste von Klebestreifen.

Stand 3. Dezember: Von zehn Firmen zeugen drei Wochen später nur noch die Reste von Klebestreifen.  

Auch viele Firmen an der Bionstrasse sind bereits weg. Prangten vor drei Wochen noch 21 Namen auf dem Briefkasten, sind es jetzt 11. Die SRI Baumanagement AG ist verschwunden, genauso die CPI Immobilien AG. Der Sturm hat seinen Tribut gefordert.

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