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Spülen ohne Grenzen: Thurgauer Abwasser fliesst nach Konstanz

An die Konstanzer Kläranlage sind auch Schweizer Gemeinden angeschlossen. Reststoffe und der Abfall gehen den umgekehrten Weg.

Urs Brüschweiler
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Mirco Ebeling, Abteilungsleiter bei den Konstanzer Entsorgungsbetrieben. Hier im Untergrund des Pumpwerks Schänzle. (Bild: Raphael Rohner)

Mirco Ebeling, Abteilungsleiter bei den Konstanzer Entsorgungsbetrieben. Hier im Untergrund des Pumpwerks Schänzle. (Bild: Raphael Rohner)

«Von hier kommt das Abwasser aus Kreuzlingen.» Eine Erklärung des imposanten Gewirrs aus baumdicken Röhren und mannsgrossen Pumpen ist nötig. Mirco Ebeling, Abteilungsleiter bei den Konstanzer Entsorgungsbetrieben (EBK), kennt diesen selten bis nie wahrgenommenen Ort.

Hier, im Untergrund des runden Klinkersteingebäudes nahe der Autobahnbrücke, fliesst zusammen, was aus den Wasserhähnen, Duschen und Toiletten der Konstanzer Altstadt, aus Kreuzlingen und aus Tägerwilen und Gottlieben kommt. Der Weg des Schmutzwassers führt weiter unter dem Seerhein hindurch zur Kläranlage im Industriegebiet.

In der weitläufigen Beckenlandschaft reinigen Rechen, Siebe und Bakterien die Abwässer von rund 170'000 Menschen, 15 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Etwa ein Fünftel dieser Menge hat die Landesgrenze unterquert.

Geografie ist entscheidend, nicht Landesgrenzen

Des Kreuzlingers WC-Gang wird in Konstanz angespült und das seit der Gründung der Konstanzer ARA vor einem halben Jahrhundert. Eine eigene Anlage baute Kreuzlingen nie. 2017 schlossen sich auch Tägerwilen und Gottlieben beim Nachbarn an. Obschon Schweizer statistisch mehr Wasser verbrauchen als Deutsche, gebe es in Konstanz noch Kapazitätsreserven.

«Grosse Anlagen sind effizienter als kleine», erklärt Betriebsleiterin Ulrike Hertig.

«Politische Grenzen spielten hier zum Glück nie eine Rolle.»

Faule Sprüche, dass die Schweizer ihre Fäkalien ins Ausland leiten, hörten sie keine, behauptet Hertig. Ganz im Gegenteil präsentieren sich die EBK stolz auf ihre von Natur aus schmutzige und stinkende Aufgabe. «Wir sind ein Umweltschutzbetrieb.»

Gleich hinter der Grenze zwischen Kreuzlingen... (Bilder: Raphael Rohner)
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...und Konstanz wird das Abwasser unter der Grenze durch gepumpt. Die Rohre...(Bilder: Raphael Rohner)
...verlaufen über ein kompliziertes System... (Bilder: Raphael Rohner)
....zu einer Pumpstation. Von da werden die Thurgauer Abwasser... (Bilder: Raphael Rohner)
...in die Konstanzer Kläranlage geleitet. Erst werden mit einem Rechen... (Bilder: Raphael Rohner)
...Feststoffe aus dem Wasser gesiebt. Dann gelangt das Abwasser in ein erstes... (Bilder: Raphael Rohner)
...Klärbecken. Hier werden mit Bakterien und Sauerstoff... (Bilder: Raphael Rohner)
...Reststoffe aus dem Wasser gelöst. Das Wasser ist in ständiger... (Bilder: Raphael Rohner)
...Bewegung, bevor es über ein Leitungssystem... (Bilder: Raphael Rohner)
...weiter transportiert wird. Der anfallende Klärschlamm wird in einem... (Bilder: Raphael Rohner)
...sogenannten Faulturm nachbehandelt und dann in der Schweiz verbrannt. (Bilder: Raphael Rohner)
«Abwasserreinigung ist grenzenlos», sagt Betriebsleiterin Ulrike Hertig. (Bilder: Raphael Rohner)
Die Kläranlage in Konstanz ist die grösste der Bodensee-Region. (Bilder: Raphael Rohner)

Gleich hinter der Grenze zwischen Kreuzlingen... (Bilder: Raphael Rohner)

Dass der Bodensee, der in den 1970er-Jahren gar zu kippen drohte, heute wieder so sauber wie in den 1950er-Jahren sei, verdanke man dem Bau der Kläranlagen. Während das saubere Wasser bei Gottlieben zurück in den Seerhein fliesst, wird der Klärschlamm seit wenigen Wochen zurück in die Schweiz exportiert; nach Oberaach und Untervaz oder Bazenheid zur Verbrennung.

Nach einer europaweiten Ausschreibung kommt jetzt eine Ostschweizer Interessengemeinschaft zum Zug. Zuvor brachte man alles per Bahn nach Köln. Entsorgung nimmt beide Wege über die Grenze: Den Abfall der Konstanzer schicken die Entsorgungsbetriebe übrigens per Bahn nach Weinfelden zur Verbrennung.

Sie schwätzed dä Gosch no: Die Konstanzer und ihr Dialekt

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Urs Brüschweiler

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