Sport
«Sie ist mega lieb und lustig»: Die Spitzenathletin Yasmin Giger trainiert mit einer Romanshorner Primarschulklasse

Die Klasse von Mira Gazzi schreibt Briefe und Karten an Yasmin Giger. Schülerinnen und Schüler wünschen sich eine Sportlektion mit der Leichtathletin. Die 21-jährige Romanshornerin sagt sofort zu.

Theepan Ratneswaran
Drucken
Teilen
Die Romanshorner Leichtathletin Yasmin Giger wärmt sich mit den Schülerinnen und Schülern auf.

Die Romanshorner Leichtathletin Yasmin Giger wärmt sich mit den Schülerinnen und Schülern auf.

Bild: Donato Caspari

«Rennen wir gegeneinander?» Lautes Gelächter und strahlende Gesichter. Leichtathletin Yasmin Giger läuft sich gerade warm auf der Tartanbahn. Einige Schülerinnen und Schüler im Alter von neun bis zwölf Jahren im Schlepptau, einige auf Augenhöhe.

Es ist Freitag, 13.20 Uhr, und Turnunterricht für die Mehrjahrgangsklasse der Primarschule Romanshorn. Ganz normal eigentlich. Für viele Beteiligte wird dieser Nachmittag jedoch lange in guter Erinnerung bleiben.

Freuden und Leiden im Sport

Mira Gazzi ist Sportlehrerin. Wöchentlich unterrichtet sie die Romanshorner Viert- bis Sechstklässler. Bewegung ist ihr wichtig. Der Sport biete aber so viel mehr, sagt sie.

«Für mich ist Sport eine Lebensschule.»

Rückschläge gehörten zum Sport. Wichtig sei es immer wieder aufzustehen und weiterzumachen: «Haltet durch, versucht und seid mutig», das möchte die Sportlehrerin den Kindern mit auf den Weg geben. Aber am Ende müsse man auch verlieren können, sagt Gazzi. Denn Sport sei mehr als nur gewinnen. Der soziale Aspekt, wie die Freundschaften, die man schliesst, und der Teamgeist, der entstehe beim gemeinsamen Spielen und Trainieren, könnten genauso Freude und Erfüllung bringen.

Die Schülerinnen und Schüler diskutierten im Klassenzimmer trotzdem auch über die Erfüllung sportlicher Träume und über Olympia, die Schweizer Medaillen und Rekorde der 4x400-Meter-Staffel der Frauen. Schliesslich fiel der Name Yasmin Giger.

Die Romanshornerin Yasmin Giger ist eine Weltklasse-Hürdenläuferin. Mit über 30 Schweizermeistertiteln und mit Toprangierungen an U18-U20-Europa- und Weltmeisterschaften gehört Giger zu den Aushängeschildern der Schweizer Leichtathletikszene. An diesem Freitagnachmittag steht die 21-Jährige gut gelaunt auf dem Sportplatz der Kantonsschule Romanshorn.

Die Spitzenathletin Yasmin Giger erzählt, wie sie zum Leichtathletik gekommen ist.

Die Spitzenathletin Yasmin Giger erzählt, wie sie zum Leichtathletik gekommen ist.

Bild: Donato Caspari

Der Ball interessierte sie nicht

Die Klasse von Mira Gazzi schrieb persönliche Briefe und Karten, adressiert an Yasmin Giger, unter anderem mit dem Wunsch, zusammen mit der Leichtathletin zu trainieren. Giger sagte sofort zu. Die Briefe seien während ihrer Wettkampfsaison eingetroffen, sagt sie. Das mitgeschickte Foto und die lieben Worte habe sie immer wieder motiviert.

«Ich hatte riesige Freude.»

Diese Freude ist ansteckend. Die Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit Yasmin Giger auf dem Sportplatz beginnt mit einer Fragerunde. Es entsteht ein reger Austausch. Die Leichtathletin erzählt und die Kinder fragen und hören gespannt zu. Zwanzig Minuten lang.

Als siebenjähriges Mädchen war Yasmin Giger dank ihrem älteren Bruder immer hautnah bei Fussballspielen dabei. Es war nicht der Ball, der ihre Blicke magisch anzog. Vielmehr war sie fasziniert von der Schnelligkeit ihres Bruders. «Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als genau so schnell wie er zu sein.»

Das Fotofinish entscheidet

Yasmin Giger ist schnell. Aber nicht nur. Sie sei mega lieb und lustig, sagt die 10-jährige Anastasija aus der 5. Klasse. Sebastian aus der 6. Klasse pflichtet ihr bei. Auf die Frage, wie das Training sei, sagt der 12-Jährige, er fände es spannend und eindrücklich. «Yasmin gibt uns sehr gute Tipps.»

Yasmin Giger gibt den Schülerinnen und Schüler wertvolle Tipps mit.

Yasmin Giger gibt den Schülerinnen und Schüler wertvolle Tipps mit.

Bild: Donato Caspari

«Ein Tipp: Es muss nicht Leichtathletik oder Fussball sein», sagt Yasmin Giger. Man solle in jungen Jahren einfach sich bewegen und herausfinden, welche Sportart am meisten Spass mache. Für die Leichtathletin hatte das erste Wettrennen mit ihrem Bruder Folgen. Es war der Anfang einer grossen Liebe. Denn schon kurz nach dem Duell nahm Yasmin Giger am Dorfsprint «Dä schnellst Schönengründler» im Appenzellerland teil. Der Rest ist Geschichte.

Nach verschiedenen Laufübungen schaltet die Klasse von Mira Gazzi nun um in den Wettkampfmodus. Zwei Staffelteams sprinten nebeneinander um den Sieg. Mittendrin Yasmin Giger, die immer wieder mitläuft und beide Teams unterstützt. Das Fotofinish entscheidet. An diesem Nachmittag gibt es keine Verlierer, sondern nur lachende Gewinner.

Aktuelle Nachrichten