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SPITALVERSORGUNG: Zukunft Spital: So machen es die anderen kleinen Kantone

Die Innerrhoder Landsgemeinde entscheidet am Sonntag über die Zukunft des Spitals Appenzell. Der Blick nach Glarus und in die Innerschweiz zeigt: Ihre Spitäler sind fest in der Bevölkerung verankert.
Richard Clavadetscher
Luzern, eines der grössten Zentrumsspitäler der Schweiz – im Bild das neue Notfallzentrum –, bietet seine Ressourcen auch den Innerschweizer Landspitälern an. (Bild: Corinne Glanzmann)

Luzern, eines der grössten Zentrumsspitäler der Schweiz – im Bild das neue Notfallzentrum –, bietet seine Ressourcen auch den Innerschweizer Landspitälern an. (Bild: Corinne Glanzmann)

Richard Clavadetscher

ostschweiz@tagblatt.ch

Wie weit entfernt ist Altdorf von Luzern? Es sind rund 40 Kilometer, eine halbe Stunde Fahrzeit mit dem Auto. Luzern besitzt ein Kantonsspital. In etlichen Ländern wäre damit die Frage nach der Spitalversorgung beantwortet: Es würde als zumutbar erachtet, dass die rund 36000 Urnerinnen und Urner das Kantonsspital Luzern frequentieren.

Nicht so in der Schweiz. Die Urner Stimmbürger haben unlängst entschieden, 115 Millionen Franken für einen Spitalneubau auszugeben, nachdem die aktuell genutzte Immobilie aus dem Jahr 1963 nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Nicht weniger als 86 Prozent der Abstimmenden sprachen sich fürs eigene Spital aus. Baubeginn wird im nächsten Frühjahr sein.

Die hohe Zustimmung zum Neubau des Kantonsspitals in Altdorf mit einer Zielgrösse von 80 Betten erstaunt nicht. «Die Urner hängen an ihrem Kantonsspital, und sie sind ihm treu», begründet Roland Hartmann, Generalsekretär der Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion des Kantons, den Entscheid. Obwohl sie für eine Operation und/oder Behandlung auch direkt nach Luzern könnten, entschieden sich die meisten für Altdorf – wenn der Eingriff dort ausgeführt werden könne. Nun bietet das kleine Urner Kantonsspital natürlich nicht jede Spezialität an, aber es weiss sich zu helfen und nutzt die entsprechenden Ressourcen aus Luzern, eines der grössten Zentrumsspitäler der Schweiz. Beispiel Urologie: Der Spezialist reist aus Luzern an, untersucht und macht einfachere Eingriffe vor Ort. Erst wenn es kompliziert wird, muss ein Patient nach Luzern. Damit die Urner auch künftig ihrem Kantonsspital die Treue halten, hat laut Hartmann «die Qualität zu stimmen», und zwar im medizinischen wie im pflegerischen Bereich. Das Spital müsse in Zeiten des Fachkräftemangels ein attraktiver Arbeitgeber sein. Das sei bis jetzt gelungen.

Das System der Belegärzte nutzen

Das Urner Kantonsspital in Altdorf ist kein Einzelfall – gerade in der Innerschweiz nicht. Die Kantonsspitäler in Obwalden (Sarnen) und Nidwalden (Stans) sind in einer vergleichbaren Situation. In Obwalden (37000 Einwohner) hat sich die Bevölkerung laut Patrick Csomor, Leiter des Gesundheitsamts, in den letzten Jahren gegen in ihren Augen zu weitgehende Kooperationsprojekte ausgesprochen; im Sommer 2014 hat ein neuer Bettentrakt den Betrieb aufgenommen. «Das Volk will das Spital», sagt Csomor. Es sei in der Region verankert. – Nicht nur dies, gar ein Freundeskreis setzt sich engagiert ein für dessen Erhalt. Natürlich gilt auch für Sarnen, dass nicht jede Spezialität angeboten wird. Zentrumsspital ist wie bei den Urnern das Kantonsspital Luzern, Kooperationen mit anderen Kliniken sind aufgegleist. Sarnen nutzt das System der Belegärzte. Über die Auslastung der 56 Betten kann das Spital nicht klagen; sie ist laut Csomor «hoch – auch wenn sie etwas konstanter sein könnte». Speziell an Sarnen ist die Psychiatrie. Sie funktioniert nach dem «Betreibermodell», wie es Csomor nennt: Obwalden stellt die Infrastruktur, alles andere aber kommt aus Luzern.

Noch etwas anders präsentiert sich die Situation in Nidwalden (42000 Einwohner): Der Kanton schloss 2012 mit Luzern einen Rahmenvertrag ab. Die darin festgelegte enge Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, sagt Frau Landammann Yvonne von Deschwanden. Beide Spitäler seien sozusagen «verlobt», die «Heirat» (Fusion) sei in Planung. Die praktische Zusammenarbeit sieht unter anderem so aus, dass Spezialisten aus Luzern für Sprechstunden nach Nidwalden kommen und dort auch operieren. Anderseits operieren Kaderärzte aus Nidwalden in Luzern.

Glarus arbeitet eng mit Chur zusammen

Das Kantonsspital Nidwalden mit seinen 90 Betten bietet eine erweiterte Grundversorgung. Dazu zählt etwa die Chirurgie für schwer Übergewichtige, die zusammen mit dem entsprechenden Zentrum Zentralschweiz durchgeführt wird. Eng kooperiert Nidwalden auch beim Personal: Nidwalden bildet selber aus, hat daneben aber noch die Möglichkeit des Personalaustausches mit Luzern. Wohl auch deshalb hatte man laut von Deschwanden «bisher keine grösseren Probleme bei der Rekrutierung». Dass die Nidwaldner trotz der engen Kooperation mit Luzern hinter ihrem Spital und der angebotenen Vorortversorgung stehen, beweist der Umstand, dass «seit Jahren rund zwei Drittel der akutsomatischen Behandlungen» im eigenen Spital erfolgen – die Patienten also nicht auf andere Spitäler ausweichen. Die Auslastung beträgt denn auch 80 Prozent.

Von vergleichbarer Grösse wie die kleineren Innerschweizer Kantone ist Glarus mit seinen gut 40000 Einwohnern. Das Kantonsspital mit seinen rund 100 Betten bietet erweiterte Grundversorgung und arbeitet darüber hinaus eng mit dem Kantonsspital in Chur zusammen. Die Liste der Kooperationsfelder umfasst gegen zwei Dutzend Positionen. Im Grundsatz gehen auch hier die komplizierten Fälle nach Chur, die einfacheren bleiben in Glarus. Churer Spezialisten halten zudem in Glarus ihre Sprechstunden ab, machen Voruntersuchungen vor Ort. Zusammenarbeit gibt es zudem in der Ausbildung sowie beim Materialeinkauf. Auch die Spitalapotheke ist zusammengelegt und wird von Chur geführt.

Wie schon die Kantonsspitäler in den Innerschweizer Kantonen wird auch jenes von Glarus von der Bevölkerung geschätzt. Dies zeigt sich unter anderem in der Statistik: Trotz freier Spitalwahl weist Glarus seit Jahren eine konstante Zahl von Fällen aus. Rund 5000 sind es jährlich, entsprechend rund 70 Prozent Marktanteil.

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