SPITALVERBUNDE: Gewinn – aber noch zu wenig

Mehr Patienten, mehr Umsatz und ein Gewinn von 11,4 Millionen Franken: Die Zahlen der St. Galler Spitalverbunde stimmen – mehrheitlich. Am Ziel sind sie noch lange nicht.

Regula Weik
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Regula Weik

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@tagblatt.ch

Der Gesamtumsatz der vier St. Galler Spitalverbunde ist vergangenes Jahr um 20 Millionen auf 1,2 Milliarden Franken gestiegen. In der Kasse verblieb ein Gewinn von 11,4 Millionen Franken – 10 Millionen mehr als im Vorjahr. In den neun öffentlichen Spitälern im Kanton wurden 67629 Patientinnen und Patienten stationär behandelt – 2000 mehr als im Vorjahr. Geleistet haben dies 6775 Mitarbeitende (Vollzeitstellen); ihre Zahl war gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Kurz: Die Spitalverbunde waren produktiver und effizienter. Grund zum Jubeln für Guido Sutter, Verwaltungsratspräsident der Spitalverbunde?

Das Ergebnis sei unternehmerisch «eine Super-Leistung», sagt Sutter. Jubeln mag er dennoch nicht. Die erzielte Marge (Ebitda) von 5,7 Prozent mute auf den ersten Blick gut an. «Doch wir sind damit noch weit vom Ziel entfernt.» Um eine nachhaltige Finanzierung des Betriebs und der Investitionen vornehmen zu können», sei eine Marge von acht bis zehn Prozent nötig. So jedenfalls beurteilten es Betriebswirtschaftsexperten, sagt der Verwaltungsratspräsident. Für ihn ist klar: «Allein über noch höhere Patientenzahlen – bei gleich viel Personal – lässt sich das nicht erreichen.» Irgendwann müssten Preisanpassungen ein Thema werden. Oder Spitalschliessungen? Sutter verneint: Die neun Spitalstandorte im Kanton würden nicht in Frage gestellt. Und: «Wir werden die vom Volk beschlossenen Bauvorhaben wie verabschiedet umsetzen.» Anfang Jahr sind die Spitalimmobilien vom Kanton an die Verbunde übertragen worden; diese treten somit künftig als Bauherren auf.

Neue Gruppenstrategie definiert

Kostendruck, demografische Entwicklung, weitere Spezialisierung in der Medizin: Der Verwaltungsrat und die CEOs der vier Verbunde haben entschieden, künftig noch stärker zusammenzuarbeiten und als eine Gruppe «St. Galler Spitäler» aufzutreten. Zentrales Element der Neuausrichtung sei, dass «die vier Spitalverbunde gemeinsam die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung im Kanton tragen», sagt Sutter. Und was bedeutet dies für den einzelnen Patienten? «Gewisse Leistungen und spezielle Angebote werden verbundübergreifend angeboten.» Mit dem klaren Ziel, an jedem Spitalstandort höchste Kompetenz und Qualität zu bieten. «Wenn der Patient nicht den Eindruck hat, kompetent und qualitativ gut versorgt zu werden, wird er künftig an unseren Spitälern vorbeilaufen – Neubauten hin oder her», so der Verwaltungsratspräsident. Die heutige Kooperationsstrategie der Verbunde solle in eine Gruppenstrategie überführt werden. Daniel Germann, CEO Kantonsspital St. Gallen, fügt an: Es sei längst nicht mehr so, dass die Regionalspitäler «nur» Grundversorger seien und besondere medizinische Leistungen nur am Kantonsspital angeboten würden.

Die neue Gruppenstrategie schlägt sich auch in der Organisation nieder. Der Verwaltungsrat hat auf Anfang Jahr das Koordinationsgremium mit den vier CEOs der Spitalverbunde verstärkt. Geleitet wird es vom CEO des Kantonsspitals.