Spitalschliessung
Das Spital Wattwil schliesst wesentlich früher als geplant – das Toggenburg steht bereits in einem halben Jahr ohne Spital da

Es kommt wie von vielen befürchtet: Die Personalsituation am Spital Wattwil verschärft sich weiter. Nun ziehen die Verantwortlichen die Reissleine: Das Toggenburger Spital wird Ende März 2022 geschlossen. Ursprünglich sollte es erst im Herbst 2023 aufgehoben werden.

Regula Weik
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Der Verwaltungsrat hat entschieden, das Spital Wattwil deutlich früher als ursprünglich geplant zu schliessen.

Der Verwaltungsrat hat entschieden, das Spital Wattwil deutlich früher als ursprünglich geplant zu schliessen.

Bild: Benjamin Manser

Erst sprach das Volk Klartext: Es will keinen weiteren Um- und Ausbau des Spitals Wattwil. Dann folgte das Aus für das geplante Zentrum für Gesundheit, Notfall und Spezialpflege. Und nun kommt die frühere Schliessung des Toggenburger Spitals. Überraschend ist der Schritt nicht. Es hatte sich abgezeichnet, dass sich das Scheitern der Nachfolgelösung auf den Spitalbetrieb auswirken wird. Denn bereits zuvor hatte die lange Ungewissheit über die Zukunft des Spitals Wattwil zu zahlreichen Abgängen geführt. Die Fluktuationsrate beim Personal hatte bereits in den ersten Monaten dieses Jahres über 20 Prozent betragen. Bei den Ärzten und dem Pflegepersonal sei es schwierig, die Lücken zu füllen, hatte René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg, bereits am Tag gesagt, als das Scheitern der Nachfolgelösung bekannt wurde.

Nun habe sich der akute Personalmangel noch weiter verschärft, hält der Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbunde in seiner Medienmitteilung fest. Mehrere Kündigungen seien seit der Bekanntgabe des Scheiterns bereits eingetroffen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientieren sich neu. Angesichts der unklaren Zukunft können die Stellen kaum neu besetzt werden.

«Damit ist eine qualitativ genügende und sichere Patientenbehandlung gefährdet. Ein geordneter Spitalbetrieb kann unter diesen Umständen nicht mehr über längere Zeit aufrechterhalten werden.»

Die Qualität des medizinischen Angebots und die Patientensicherheit könnten «nicht mehr ausreichend» gewährleistet werden.

Erste Schritte bereits im September

Deshalb hat der Verwaltungsrat entschieden: Das Spital Wattwil wird deutlich früher als ursprünglich geplant geschlossen – nämlich Ende März 2022. Nur so könne eine «drohende völlig unkontrollierbare Situation» vermieden werden.

Doch erste Schritte erfolgen bereits früher: Bereits Mitte September wird der Betrieb der Überwachungsstation eingestellt – mangels genügender Fachpersonen. Mitte Dezember wird dann eine der beiden Bettenstationen geschlossen. Ab April 2022 werden im Spital Wattwil keine medizinischen Leistungen mehr angeboten – spätestens. Denn der Verwaltungsrat der Spitalverbunde hält klar fest:

«Sollte sich die Personalsituation noch schneller verschlechtern, bleibt eine frühere Schliessung vorbehalten.»

Was passiert mit den Toggenburger Patientinnen und Patienten?

In Wil sollen kurzfristig 15 zusätzliche stationäre Betten entstehen. Dies ist nötig, um die Akutgeriatrie in Wil aufzunehmen und insgesamt mehr Patientinnen und Patienten behandeln zu können. Da aber eine bauliche Erweiterung in Wil erst Mitte 2023 vollumfänglich zur Verfügung steht, wird in einer Übergangsphase auf provisorische Lösungen zurückgegriffen. Ebenso werde auch die Notfallinfrastruktur angepasst und erweitert.

Die Notfallversorgung im Toggenburg müsse jederzeit gewährleistet bleiben, hatte der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann nach dem Scheitern der Nachfolgelösung versichert. Er trifft sich nun am kommenden Freitag mit Vertreterinnen und Vertretern der niedergelassenen Ärzteschaft, des Spitalverbundes, des Gemeinderates, der Berit Klinik, der Psychiatrie St.Gallen Nord, der Spitex, des Alters- und Pflegeheimes Risi und Ergo Toggenburg. Wie es in einer Stellungnahme heisst, soll in erster Linie diskutiert werden, wie die niedergelassene Ärzteschaft in Absprache mit dem Spitalverbund Fürstenland Toggenburg oder der Berit Klinik die Notfallversorgung in Zukunft gewährleisten kann, allenfalls mit Unterstützung des Kantons.

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde tönt eine weitere schmerzhafte Entwicklung für das Toggenburg an: So soll geprüft werden, ob die anerkannte Alkoholkurzzeittherapie neu am Spital Linth angeboten werden kann.

Die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg als bisherige Betreiberin des Spitals Wattwil sei aber bereit, «bei der Erarbeitung einer Nachfolgelösung der Gemeinde Wattwil mitzuwirken und ein subsidiäres Angebot an ausgewählten Leistungen zu prüfen.»

Es wird Kündigungen geben

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung seien enttäuscht über das Scheitern des ursprünglich geplanten Zentrums für Gesundheit, Notfall und Spezialpflege und bedauern, dass «damit eine Schliessung erfolgen muss, bevor eine Nachfolgelösung besteht». Das Zentrum hätte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Anschlusslösung ermöglicht und die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung der Region Toggenburg durch eine enge Verzahnung von verschiedenen medizinischen Angeboten auf innovative Weise sichergestellt und Arbeitsplätze erhalten.

«Es bleibt das Ziel, möglichst vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Spitals Wattwil eine Stelle an einem anderen Standort anzubieten.»

Kündigungen seien jedoch unvermeidbar, so der Verwaltungsrat der Spitalverbunde.

Berit Klinik steigt in Wattwil ein

Wie es konkret in Wattwil weitergeht, ist noch offen. Bereits klar ist: Die Gemeinde übernimmt die Spitalimmobilie – mit im Boot ist die Berit Klinik. Die Gemeinde und die Ausserrhoder Privatklinik haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Berit-CEO Peder Koch mochte sich noch nicht zu den konkreten Plänen der Klinik im Toggenburg äussern.

Die Regierung möchte die Abtretung der Spitalliegenschaft an die Gemeinde Wattwil nun rasch klären beziehungsweise das Nachfolgeprojekt für die Nutzung des Spitals erörtern. Die Regierung sei sich bewusst, dass sie trotz des Scheiterns des geplanten Zentrums die Gesundheitsversorgung im Toggenburg sicherstellen müsse. Sie werde den gesetzlichen Auftrag erfüllen. Weitergehende Nutzungskonzepte würden nun durch die Gemeinde Wattwil erarbeitet.

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