SPITALPROBLEME: Klinik-Aus abgewendet

Eigentlich hatte alles auf Lichterlöschen hingedeutet. Doch die Frauenklinik am Spital Heiden wird weitergeführt. Die Rettung bedeutet das aber noch nicht.

Patrik Kobler
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Das Spital Heiden: Die Türen bleiben offen. (Bild: Michel Canonica)

Das Spital Heiden: Die Türen bleiben offen. (Bild: Michel Canonica)

Patrik Kobler

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@appenzellerzeitung.ch

Selbst Verwaltungsratspräsidentin Christiane Roth stufte vor wenigen Wochen die Chancen als gering ein, dass die Frauenklinik am Spital Heiden noch zu retten sei. Denn bis auf eine Ausnahme standen alle Ärzte vor dem Absprung. Doch nun konnte das Aus abgewendet werden. Gestern teilte der Ausserrhoder Spitalverbund (Svar) mit: «Der Verwaltungsrat hat entschieden, den heutigen Leistungsauftrag für das Spital Heiden zu erfüllen. Insbesondere können auch die gynäkologischen und geburtshilflichen Angebote weiter in Anspruch genommen werden, da die personellen und fachlichen Ressourcen vorhanden sind.»

Offenbar ist ein Teil der Ärzte der Frauenklinik bereit, die Kündigung zurückzuziehen. Die neue Svar-CEO Paola Giuliani wollte zu personellen Konsequenzen gestern allerdings nicht Stellung nehmen. «Es ist alles frisch. Wir haben zwar intensive Gespräche geführt, aber unseren Entscheid, dass es weitergeht, erst heute den Mitarbeitenden mitgeteilt», sagt sie. «Die Leute brauchen noch Zeit. Wir müssen selbstverständlich auch in Zukunft mit Kündigungen rechnen. In einer Zeit des Umbruchs ist dies kaum zu vermeiden.» Klar sei jedoch: «Es geht weiter; der Betrieb ist sichergestellt.» Das Spital Heiden wird weiterhin die gesamte medizinische Grundversorgung im Vorderland und in Teilen des Mittellandes gemäss aktuell gültigem Leistungsauftrag sicherstellen.

Umstrukturierungen sind unumgänglich

Paola Giuliani hat ihre Aufgabe früher als geplant Anfang März angetreten. Sie wollte bei den «gewichtigen strategischen Entscheiden» involviert sein. «Ich habe grosses Interesse, den Standort Heiden zu halten», sagt sie. Ihn weiterzuführen, heisse aber nicht, im selben Stil wie heute. Denn das Spital Heiden trägt den Löwenanteil am negativen Svar-Ergebnis; 2015 und 2016 resultierte ein Verlust von insgesamt fast 19 Millionen Franken. Sparmassnahmen sind unumgänglich. Paola Giuliani dazu: «Umstrukturierungen im Spital Heiden werden vorangetrieben, da das Spital Heiden in der heutigen Form nicht kostendeckend betrieben werden kann.»

Der Verwaltungsrat wird mit der Geschäftsleitung die mittel- und langfristige Strategie weiterentwickeln und dabei die Teilrevision des Spitalverbundsgesetzes in die Überlegungen mit einbeziehen.

Giuliani: «Müssen Hausaufgaben erledigen»

Paola Giuliani ist überzeugt, dass die Spitäler Heiden und Herisau eine Zukunft haben. «Es gibt noch viel Potenzial. Sonst hätte ich diesen Job nicht übernommen.» Sie spricht von «Hausaufgaben», die es jetzt zu erledigen gelte. Dass der Spitalverbund in einer prekären Situation befinde, habe vielfältige Gründe, sagt sie. «Unsere Aufgabe wird es sein, Strukturen und Prozesse auf Produktivität und Effizienz auszurichten, ohne dass die Qualität darunter leidet.»