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Liechtensteinische Regierung will Spitalneubau auf der «grünen Wiese»

Das Rätselraten über die Zukunft der Spitalversorgung in Liechtenstein hat ein Ende. Die Regierung legte einen Bericht vor, der sich für einen Neubau des Landesspitals ausspricht. Das letzte Wort hat allerdings das Parlament, vielleicht das Volk.
Günther Meier
Das 1892 gegründete Liechtensteinische Landesspital hat 71 Betten. (Bild: Günther Meier)

Das 1892 gegründete Liechtensteinische Landesspital hat 71 Betten. (Bild: Günther Meier)

Die Infrastruktur des Landes­spitals Liechtenstein in Vaduz entspricht nicht mehr den baulichen und betriebswirtschaft­lichen Anforderungen an einen Spitalbetrieb. Noch mehr Geld in ein altes Gebäude zu stecken, macht nach Auffassung der Regierung keinen Sinn. Eine Fortsetzung der Sanierungsarbeiten sei nicht zielführend, so dass sich eine Kompletterneuerung aufdränge. Ein neues Spital am bisherigen Standort oder an einem anderen, verkehrstechnisch einfacheren Standort? Die Übernahme der Klinik Medicnova, die im vergangenen Jahr in Konkurs gegangen ist? Braucht Liechtenstein mit seinen rund 38000 Einwohnern überhaupt ein eigenes Spital? Das sind die Fragen, die Liechtenstein schon seit geraumer Zeit beschäftigen. Eine erste Antwort hat die Regierung mit einer Standortstudie, die fünf verschiedene Varianten untersuchte, gegeben: Ein eigenes Spital ist erstrebenswert, ein Neubau an einem anderen Standort drängt sich auf – laut Bericht auf der «grünen Wiese».

Liechtenstein verfügt seit Jahrzehnten über Verträge mit ausländischen Spitälern, die den gesamten Bedarf an medizinischer Versorgung abdecken. Dennoch spricht sich die Regierung für ein eigenes Landesspital aus, das auf die Grundversorgung für die Bevölkerung ausgerichtet sowie auf die erforderlichen Leistungen in einem Krisen- und ­Katastrophenfall eingerichtet ist. Die regionalen Kooperationen, insbesondere mit dem Zentrumsspital Graubünden in Chur und mit Spitälern im Kanton St. Gallen, sollen beibehalten werden. Für das Landesspital in Vaduz ist die Fortsetzung des aktuellen ­Hybrid-Modells, mit einem Chefarztsystem in den Bereichen ­Medizin und Chirurgie sowie der Zusammenarbeit mit Belegärzten in anderen Sektoren, geplant. Ein «ideales Spital» für Liechtenstein, führt die Regierung in ihrer Standortstudie aus, umfasse eine ambulante Tagesklinik und eine stationäre Bettenstation sowie eine Notfallabteilung und entsprechende Räumlichkeiten für die definierten medizinischen Leistungen. Angedacht ist ferner der Aufbau einer Abteilung Akutgeriatrie.

Wieder eine Geburtenabteilung

Die Geburtenabteilung im Landesspital Vaduz wurde 2014 aus Kostengründen geschlossen und eine Vereinbarung mit dem Krankenhaus Grabs abgeschlossen. Seither sind die Forderungen nach «geboren in Liechtenstein» aber nie verstummt. Im Rahmen der Neuplanung des Landesspitals ist angedeutet, dass es wieder zu einer eigenen Geburtenabteilung kommen könnte. Bei 250 Geburten pro Jahr wäre nach heutiger Einschätzung der Betrieb einer Geburtenabteilung einigermassen kostendeckend möglich.

Dass sich dieses Leistungsangebot im verschachtelten Gebäude des Landesspitals Vaduz nicht optimal verwirklichen lassen würde, liegt auf der Hand. Damit ist die Entscheidung für einen Neubau gefallen, der aber nicht am jetzigen Standort erstellt werden soll, sondern an einem neuen Standort in Vaduz, der besser mit Helikopter und Rettungs­wagen für den 24-Stunden-Notfalldienst erreichbar ist.

Ein Neubau auf der «grünen Wiese» sollte laut Studie mit einem Kostenaufwand von 69 Millionen Franken bis 2024 verwirklicht werden können. Nachdem in der Bevölkerung seit Jahren und insbesondere seit dem Konkurs der Privatklinik Medicnova über die Spitalplanung kontrovers diskutiert wird, befasst sich der Bericht der Regierung auch ausführlich mit anderen Standortvarianten. Auf besonderes Interesse in der Öffentlichkeit dürften die Argumente der Regierung für die Ablehnung des Kaufs der in Konkurs gegangenen Privatklinik Medicnova stossen. Eine mögliche Variante wäre, den Spitalbetrieb vorübergehend in die Privatklinik zu verlegen, während in dieser Zeit am bestehenden Standort ein neues Spitalgebäude errichtet wird – diese Variante komme aus Kostengründen nicht zum Zug, erklärt die Regierung, weil neben den Baukosten auch noch hohe Mietkosten anfallen würden.

«Zustupf» von Vaduz in Aussicht

Was die Kostenfrage betrifft, ­bietet der Standort Vaduz einen weiteren Vorteil, der noch nicht genau beziffert ist. Die Gemeinde Vaduz verfügt über einen Spitalfonds, der mit rund 13 Millionen Franken dotiert ist, aber nur für Spitalbauten in Vaduz zur Verfügung steht. Wenn dieser «Zustupf» der Gemeinde Vaduz einberechnet wird, dann wird ein Spitalneubau auf der «grünen Wiese» zur kostengünstigsten Variante für das Land Liechtenstein. Ganz abgesehen davon, dass die Gemeinde Vaduz erst kürzlich eine Landparzelle gekauft hat, die durchaus als Standort für ein neues Spital in Betracht gezogen werden könnte.

Die Regierung hat sich für ein zweistufiges Verfahren entschlossen: Zuerst soll sich das Parlament mit der Standortfrage auseinandersetzen und dann der Regierung den Auftrag zur Ausarbeitung eines Finanzbeschlusses für die favorisierte Variante erteilen. Nicht ausgeschlossen ist, dass aufgrund der kontroversen Spitaldebatten in den letzten Jahren der Landtag den Kredit von sich aus einer Volksabstimmung unterbreitet.

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