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Spitaldebatte trübt Feststimmung in Wattwil - Gewerkschaften demonstrieren

Die neuesten Abbaupläne überschatten die Einweihung des Bettentraktes am Spital Wattwil. Gewerkschaften und Berufsverbände demonstrieren am Rande der Veranstaltung. Auch der Wattwiler Gemeindepräsident droht mit Widerstand.
Michael Genova
Die St. Galler Regierungsräte Heidi Hanselmann und Marc Mächler besichtigen den neuen Bettentrakt am Spital Wattwil. (Bild: Ralph Ribi (Wattwil, 2. Juni 2018))

Die St. Galler Regierungsräte Heidi Hanselmann und Marc Mächler besichtigen den neuen Bettentrakt am Spital Wattwil. (Bild: Ralph Ribi (Wattwil, 2. Juni 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Als der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner das Wort ergriff, war es mit der Harmonie vorbei. Er zerknüllte sein Manuskript, warf es auf den Tisch und sagte: «Das wäre meine Rede gewesen – bis am Donnerstag.»

Gunzenreiner war am Samstagmorgen einer der Festredner an der offiziellen Einweihung des neuen Bettentraktes am Spital Wattwil. Doch zum Feiern war ihm nicht zumute. «Eine solche Klatsche, einen solchen Affront hat man selten erlebt», sagte er. Kaum eröffnet, soll das rund 55 Millionen teure Bettenhaus bereits wieder auf der Kippe stehen. Vor drei Tagen gab der Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde bekannt, dass er in Wattwil künftig keine stationären Leistungen mehr anbieten will.

«Toggenburger sind keine Lemminge»

Der Wattwiler Gemeindepräsident machte deutlich, dass er die Abbaupläne nicht so einfach hinnehmen werde. «Sie gehen offenbar davon aus, dass die Toggenburger wie Lemminge an einen anderen befohlenen Standort pilgern werden.» Doch die hiesigen Bewohner seien kampfeslustig und fügten sich der Obrigkeit nicht in jedem Fall. Gunzenreiner forderte, dass in einem nächsten Schritt auch eine Debatte über Chancen und Werte geführt werde. Zur Eröffnung überreichte Gunzenreiner im Namen der Gemeinde ein Geschenk: eine Skulptur des Wattwiler Künstlers Stefan Gort. Und platzierte einen weiteren Seitenhieb: «Ich war mir nicht sicher, ob sie nur eine Leihgabe sein sollte.»

Die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann zeigte sich nachdenklich. Sie habe sich gefragt, ob man zu einem solchen Zeitpunkt überhaupt eine Einweihung feiern dürfe. Eine Frage, die sie klar mit Ja beantworten müsse. «Lebten wir nur in der Zukunft, würde das Leben an uns vorbeiziehen.» Das neue Bettenhaus sei auch eine Hommage an alle Personen, die Tag für Tag kranke Menschen pflegten. Wie schon in den vergangenen Tagen betonte Hanselmann, dass die Regierung noch keinen Entscheid gefällt habe. «Wir wollen zuerst mehr Fakten und auch Alternativen haben.»

(Bilder: Ralph Ribi)
Einweihung des Spital Wattwil: Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Regierungsrat Marc Mächler lassen sich das neue Spital zeigen. (Bild: Ralph Ribi)
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Demonstration bei der Einweihung des Spitals Wattwil

Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident der St. Galler Spitalverbunde, ging auf die ökonomischen und medizinischen Gründe ein, die künftig zu einem strukturellen Defizit von jährlich 70 Millionen Franken führen könnten. «Eine Vogel-Strauss-Politik wäre fehl am Platz», warnte er. Sennhauser sagte, dass die stationäre Versorgung in Wattwil nach einem politischen Entscheid noch mindestens zehn bis zwölf Jahre gesichert wäre. Er rief dazu auf, nicht die Überbringer schlechter Nachrichten persönlich anzugreifen, sondern die Ursachen solcher Nachrichten kritisch zu ergründen.

Gewerkschaften demonstrieren

Nach der offiziellen Eröffnung versammelten sich Vertreterinnen und Vertreter des Schweizerischen Verbands des Personals öffentlicher Dienste VPOD, des Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK, Gemeindevertreter sowie Mitglieder des Fördervereins «Regionalspital Toggenburg Wattwil» vor dem Haupteingang. Sie kritisierten die neuesten Abbaupläne. «Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen wehren», sagte Patrizia Amaechi von der Gewerkschaft VPOD. Man sei entsetzt über die Pläne des Verwaltungsrats.

Auf Transparenten warnten die Demonstranten davor, das Gesundheitswesen krankzusparen. «So nicht, das lassen wir uns nicht gefallen», war auf einem Plakat zu lesen. Auf einem anderen: «Keine britischen Verhältnisse!» Edith Wohlfender, Geschäftsleiterin der Ostschweizer Sektion des SBK, stellte sich gegen eine mögliche Schliessung des Standorts. «Der volkswirtschaftliche Schaden wäre sehr gross.»

Toggenburger schwanken zwischen Freude und Irritation

Trotz getrübter Feststimmung war der Andrang am Tag der offenen Tür gross. Gegen Mittag bevölkerten Einwohner aus Wattwil und Umgebung die Gänge des neuen Bettentraktes. Die Kinder gruselten sich beim Wunden malen und freuten sich über die Selfie-Box. Erwachsene informierten sich an Posten über den Spitalalltag. Die Stimmung der Toggenburgerinnen und Toggenburger schwankte zwischen Freude und Irritation: Freude über den hellen, modernen Neubau. Irritation über den drohenden Verlust der stationären Abteilung. «Es hat einen faden Beigeschmack», sagte ein Besucher aus Wattwil. Der Wechsel von einem Extrem ins andere könne er nicht nachvollziehen. Eine zweite Bürgerin sagte über eine mögliche Schliessung: «Das wäre Geld in den Sand gesetzt.» Und ein Dritter: «Es wäre ein Irrsinn.»

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