Spitalabwasser gefährdet Umwelt

ST.GALLEN. Im Abwasser können sich Keime entwickeln, die gegen Antibiotika resistent sind. Die St.Galler Regierung verweist auf laufende Forschungsprojekte, will die Thematik aber auch aktiv verfolgen. Das Gefährdungspotenzial sei «erheblich».

Andreas Kneubühler
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Wasserproben werden auf Mikroverunreinigungen geprüft. (Archivbild: Susan Basler)

Wasserproben werden auf Mikroverunreinigungen geprüft. (Archivbild: Susan Basler)

«Antibiotikaresistenzen werden immer mehr zu einem Problem für die öffentliche Gesundheit», argumentiert der Altstätter Kantonsrat Meinrad Gschwend (Grüne) in einem Vorstoss, in dem er von der Regierung Auskünfte zu den Risiken von Spitalabwasser verlangte. Zum Thema läuft aktuell eine noch nicht veröffentlichte Untersuchung des Schweizer Wasserforschungsinstituts Eawag, für das Proben aus 20 Seen ausgewertet werden – allerdings nicht aus dem Bodensee.

Ausgangspunkt waren Analysen aus dem Genfersee, die zeigten, dass Kläranlagen zwar über 75 Prozent der Bakterien aus dem Abwasser eliminieren konnten. Der Anteil von besonders resistenten Stämmen war aber hoch. Vermutet wird nun, dass die Kläranlagen ein Nährboden für den Austausch von Gensequenzen sein könnten. Im Abwasser träfen Bakterien, die im menschlichen Körper leben, auf solche, die schon an die Umwelt angepasst seien. Auf diese Weise könnten Resistenzen übertragen werden. Im Genfersee wurden sogenannte Multiresistenzen gefunden und zwar in den Sedimenten des Sees – aber nicht im Wasser.

Die St.Galler Regierung erklärt nun in ihrer Antwort, dass das Thema der antibiotikaresistenten Bakterien über den Abwasserpfad noch wenig erforscht sei. Im Kanton St.Gallen gebe es bisher dazu keine Untersuchungen.

Verunreinigungen eliminieren

Das Gefährdungspotenzial schätzt die Regierung allerdings als «erheblich» ein. Es sei wichtig, «diese Thematik aktiv zu verfolgen und gegebenenfalls Massnahmen zu prüfen». Konkret verweist sie auf neue Anforderungen des Bundes an Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Mikroverunreinigungen sollen künftig besser eliminiert werden.

Im Kanton St.Gallen müssen dafür zehn Anlagen aufgerüstet werden. Anschliessend würden dann 70 Prozent des Spitalabwassers im Kanton in einer solchen ARA gereinigt, erklärt die Regierung. Allerdings: Das dafür notwendige Gesetz tritt 2015 in Kraft, danach gibt es eine Umsetzungsfrist von 20 Jahren. Eine andere Möglichkeit wäre, die problematischen Abwasser bereits dort zu klären, wo sie entstehen.

Im Kanton St.Gallen gebe es im Moment kein Spital – ebenso wenig ein Laboratorium – mit einer eigenen Abwasserreinigungsanlage, schreibt die Regierung. Besonders problematische Flüssigkeiten würden aber bereits heute gesondert behandelt und entsorgt.

Keine Grenzwerte festgelegt

Sind nun Massnahmen geplant? Im Zusammenhang mit den zahlreichen Bau- und Sanierungsvorhaben der Spitäler werde die Abwassersituation für jedes Spital separat betrachtet, schreibt die Regierung. Allerdings gebe es bisher in der für solche Vorhaben massgebenden Gewässerschutzverordnung keine Grenzwerte für Arzneimittel, Hormone und Keime und es sei dort auch kein Stand der Technik zur Behandlung von Spitalabwasser definiert.

Die St.Galler Regierung nehme das Problem zwar ernst, wolle es aber nicht konkret angehen und verschanze sich hinter dem Bund, kritisiert Meinrad Gschwend die Stellungnahme. Dabei wäre die Gelegenheit mit den ohnehin geplanten Spitalsanierungen günstig. Es sei schon länger klar, dass sich die diversen Stoffe im Wasser auch bei sehr grosser Verdünnung auswirken würden, sagt er. Dies zeige die Entwicklung des Fischbestands. Der Kanton St.Gallen befinde sich in einer besonderen Rolle, erinnert Meinrad Gschwend: Die Abwasser des Kantonsspitals flössen in das Trinkwasserreservoir Bodensee, die Abwasser der Spitäler im Rheintal gelangten zudem ins Grundwasser.

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