Spital zu, Arbeitsplätze weg – Toggenburger Kantonsräte wehren sich

Die Tage des Spitals Wattwil sind gezählt. Das wissen auch die beiden Toggenburger Kantonsräte Mathias Müller (CVP, Lichtensteig) und Kilian Looser (FDP, Nesslau). Ihr Ziel: möglichst viele Arbeitsplätze im Tal erhalten – nach der Spitalschliessung.

Regula Weik
Drucken
Teilen
Trotz des Protests beschloss das St.Galler Kantonsparlament gleichentags die Schliessung des Spitals Wattwil.

Trotz des Protests beschloss das St.Galler Kantonsparlament gleichentags die Schliessung des Spitals Wattwil.

Bild: Ruben Schönenberger (September 2020)

Regierung und Kantonsparlament wollen vier Regionalspitäler schliessen. In der anstehenden Novembersession befasst sich das Parlament in zweiter Lesung mit der künftigen St.Galler Spitallandschaft. Die Debatte dürfte unter dem Eindruck der aktuellen zweiten Coronawelle nochmals aufflackern. Doch die Entscheide werden kaum mehr umgestossen.

St.Galler FDP-Kantonsrat Kilian Looser.

St.Galler FDP-Kantonsrat Kilian Looser.

Bild: Benjamin Manser

Das wissen auch die beiden Toggenburger Kantonsräte Mathias Müller (CVP, Lichtensteig) und Kilian Looser (FDP, Nesslau). In einem parlamentarischen Vorstoss wollen die beiden von der Regierung erfahren, wie die künftige Auslastung der heutigen Spitalgebäude in Wattwil sein wird, wie viele Arbeitsplätze es geben wird und welche konkreten Angebote geplant sind. Die Regierung soll deshalb darlegen, welche Schritte sie seit der Septembersession – damals fand die erste Beratung der Spitalvorlage statt – für die Umwandlung des heutigen Spitals in ein Gesundheits- und Notfallzentrum unternommen hat.

St.Galler CVP-Kantonsrat Mathias Müller.

St.Galler CVP-Kantonsrat Mathias Müller.

Bild: PD

Bereits bekannt ist: Das private Unternehmen Solviva AG hat Pläne für Wattwil. Es will im Toggenburg ein Zentrum für spezialisierte Pflege realisieren. Und es wird ein Psychiatrieangebot geben. So soll die etablierte Alkoholkurzzeittherapie weitergeführt werden. Und die Psychiatrie St.Gallen Nord prüft einen Umzug des psychiatrischen Ambulatoriums an den heutigen Spitalstandort.

Mehr als leere Versprechungen?

Die Auswirkungen einer Spitalschliessung seien nicht zu unterschätzen, halten Müller und Looser fest. Es gehe darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und Klarheit für das Personal zu schaffen. «Die Verunsicherung in der Region ist gross, ob die gemachten Versprechungen auch eingehalten werden», so die beiden Kantonsräte.

Verunsichert ist auch das Komitee, das gegen die Spitalschliessung und für eine medizinische Grundversorgung für die Landbevölkerung kämpft. Es hat sich eben gezeigt: Das Tal steht nicht geschlossen hinter dem Spital. Wann die Initiative lanciert wird und ob überhaupt, ist im Moment noch offen.