Spital Wattwil
«Die Stolpersteine sind ausgeräumt»: Die Gemeinde Wattwil kann das Spital kaufen, der Preis allerdings ist noch offen

Was ist in Wattwil eigentlich schon konkret entschieden? Und was sind erst noch Pläne? Diese Fragen treiben die Toggenburger Bevölkerung um. Nun gibt es Klarheit: Gemeinde und Kanton haben sich gefunden, die Gemeinde kann die Spitalliegenschaft kaufen. Details müssen noch geklärt werden – so auch der Kaufpreis.

Regula Weik Jetzt kommentieren
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Die Schliessung rückt näher: Ende März ist das Spital Wattwil Vergangenheit.

Die Schliessung rückt näher: Ende März ist das Spital Wattwil Vergangenheit.

Bild: Benjamin Manser

Es gab sie in den vergangenen Wochen: die positiven Meldungen zur künftigen Nutzung der Spitalliegenschaft in Wattwil. Da ist zum einen das Interesse der Berit Klinik, die künftig auch im Toggenburg Patientinnen und Patienten versorgen will. Da ist zum andern eine Gruppe niedergelassener Ärztinnen und Ärzte, die ein neues Ärztezentrum in der Spitalliegenschaft plant. Doch über all diesen Absichten und Plänen schwebt ein grosses Fragezeichen: Wann kann die Gemeinde die Spitalliegenschaft übernehmen? Das ist die Voraussetzung, damit die Pläne für die künftige Gesundheitsversorgung im Toggenburg umgesetzt werden können.

Nun ist ein grosser Schritt getan: Gemeinde und Kanton haben sich geeinigt, die Gemeinde kann die Spitalliegenschaft kaufen. Details müssten noch geklärt werden, lassen Gemeinde und Kanton am Mittwoch in einer gemeinsamen Medienmitteilung wissen. Allerdings: Der Kaufvertrag ist noch nicht unterzeichnet. Und auch der Kaufpreis steht noch nicht fest.

«Nun haben wir Klarheit»

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil.

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil.

Bild: Michel Canonica

Für den Wattwiler Gemeindepräsidenten Alois Gunzenreiner zählt im Moment etwas anderes:

«Nun ist die Basis gelegt. Nun haben wir Klarheit, wie die Gemeinde Gebäude und Grundstück zurückbekommt.»

Auf die Frage, was denn nun tatsächlich entschieden ist, wenn weder Vertrag noch Kaufpreis stehen, antwortet der St.Galler Finanzchef Marc Mächler: «Wir haben uns auf den Weg der Rückübertragung geeinigt.» Nun gehe es darum, die Übergabemodalitäten im Detail auszuarbeiten. Und die Verhandlungen über den Kaufpreis? Mächler sagt:

«Wir haben uns auf eine finanzielle Grössenordnung geeinigt.»

Einen konkreten Betrag mögen weder der Finanzchef noch der Gemeindepräsident nennen.

Marc Mächler, St.Galler Finanzdirektor.

Marc Mächler, St.Galler Finanzdirektor.

Bild: Ralph Ribi

Bekannt ist: Zehn Millionen hätte das private Pflegeunternehmen Solviva für das Spital Wattwil bezahlt – und die Regierung wäre darauf eingestiegen. Der Preis, den nun die Gemeinde Wattwil zu bezahlen hat, dürfte nicht allzu weit davon entfernt sein – ansonsten dürfte erneut eine Lawine harscher Kritik auf die Regierung zurollen. So wie es geschehen war, als der «Schnäppchenpreis» für Solviva bekannt wurde.

Gemeindeeigene Immobiliengesellschaft geplant

Die Gemeinde treibt die Vorbereitungen für den Tag X derweil voran. So soll eine Immobiliengesellschaft gegründet werden, welche die Spitalliegenschaft übernimmt. Geplant ist eine AG, die Gemeinde wird alleinige Aktionärin sein. Diese Gesellschaft muss mit Geld ausgestattet werden – um den Kauf der Liegenschaft tätigen zu können, aber auch, um notwendige Arbeiten an den Gebäuden vornehmen zu können. Dazu ist eine kommunale Abstimmung notwendig.

Auf den Abstimmungstermin angesprochen, antwortet Gunzenreiner: «So rasch als möglich.» Noch dieses Jahr? Oder zu Beginn des neuen Jahres? Die Arbeiten für die Immobiliengesellschaft steckten in der Schlussphase, die Vorbereitungen für die Abstimmungen seien angelaufen, sagt Gunzenreiner. «Wir sind mit Volldampf dran.» Doch solange der Kaufvertrag nicht unterzeichnet ist, sind der Gemeinde die Hände noch gebunden. Erst danach kann sie konkret die nächsten Schritte unternehmen. Und erst nach einem Ja der Wattwiler Stimmberechtigten kann sie Verträge mit interessierten Mietern abschliessen.

Die Zeit drängt. Ende März wird das Spital Wattwil geschlossen. Ziel der Gemeinde ist: Die Nachfolgelösung soll auf den Frühling gelingen, es soll keinen Unterbruch geben – «wie sollen wir diesen sonst händeln?», fragt der Gemeindepräsident und fügt gleich an:

«Jetzt muss es vorwärtsgehen.»

«Die Gesuche der Berit Klinik sind in Bearbeitung»

Die Berit Klinik hat sich bislang nicht zu ihren Plänen in Wattwil geäussert. Doch inzwischen ist durchgesickert: Sie plant ein ambulantes Zentrum mit Tagesklinik und Operationsbetrieb, ein Notfallzentrum und sie will auch die Alkoholkurzzeittherapie weiterführen. Für den Betrieb des Notfallzentrums und der Alkoholkurzzeittherapie braucht die Privatklinik Leistungsaufträge des Kantons. Die Gesuche dafür hat sie eingereicht.

Das Gesundheitsdepartement äussert sich nicht zu kursierenden Gerüchten, wonach der Kanton bis Mitte Monat darüber entscheiden wird. Auf Anfrage erklärt das Departement: «Die beiden Gesuche sind zurzeit in Bearbeitung. Dabei hat sich gezeigt, dass verschiedene Angaben noch präzisiert, beziehungsweise nachgereicht werden müssen.» Zur Dauer des Verfahrens könne deshalb derzeit keine Angabe gemacht werden.

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