Das Kantonsspital St.Gallen soll sich auf die spezialisierte Medizin konzentrieren — So fordert es ein Netzwerk von Hausärzten und Spezialisten

Das Ärztenetzwerk säntiMed kritisiert die Spitalstrategie der Regierung harsch. Sein Vorschlag: Das Kantonsspital soll künftig nicht mehr sämtliche medizinischen Leistungen anbieten. Die Grundversorgung soll von St.Gallen nach Flawil verschoben werden.

Regula Weik
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Sitzung von Ärzten im Spital Flawil.

Sitzung von Ärzten im Spital Flawil.

Gaetan Bally, KEYSTONE

Das Kantonsspital St.Gallen soll nicht mehr das ganze Spektrum medizinischer Leistungen anbieten. Das fordert das Ärztenetzwerk säntiMed. Es soll sich vielmehr auf die spezialisierte und hochspezialisierte Medizin konzentrieren. Die Grundversorgung soll in ein zentrumsnahes Spital ausgelagert werden. Als Standort bringt das Ärztenetzwerk Flawil ins Spiel. Dort sollen auch ambulante Operationen, Begleitung am Lebensende, psychosoziale Betreuung oder auch Rehabilitation angeboten werden.

Säntimed gehören rund 60 Hausärztinnen und Hausärzte sowie Spezialisten im Raum St.Gallen, Fürstenland und Toggenburg an.

Es geht nicht nur ums Geld

Das Ärztenetzwerk kritisiert die neue Spitalstrategie der Regierung harsch. Der Vorschlag fokussiere «zu einseitig auf finanzielle und wirtschaftliche Aspekte». Es fehlten innovative Vorschläge und Ideen, mit welchen medizinischen Konzepten die künftigen Herausforderungen bewältigt werden sollen.

In Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil plant die Regierung Gesundheits- und Notfallzentren. Das Ärztenetzwerk lässt an diesen kein gutes Haar. Den Aufbau hausärztlicher Praxen in diesen Zentren lehnt es ab. Damit stiessen die Spitalverbunde in einen Bereich vor, der von der frei praktizierenden Ärzteschaft abgedeckt werde. Die Gesundheitszentren würden sich damit zu «Eintrittspforten ins eigene System der Spitalverbunde entwickeln». Das sei «unerwünscht» und führe zu höheren Gesundheitskosten. Solche, von den Spitalverbunden betriebene Zentren sollten nur dort eine Option sein, wo «nachweislich eine hausärztliche Unterversorgung» bestehe.

«Eine starke Tendenz zu Überversorung»

Grundsätzlich stellt das Netzwerk fest: Die Zusammenarbeit der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit den Spitälern sei stark von deren Grösse abhängig. «Je grösser das Spital, desto schwieriger die Zusammenarbeit.» Und weiter: «Es besteht eine starke Tendenz zu unerwünschter Überdiagnostik und Überversorgung.»

Auch hinter die geplanten Notfallzentren setzen die Ärztinnen und Ärzte des Netzwerks ein Fragezeichen. Es sei absolut unklar, wie diese ohne Spital im Hintergrund «qualitativ hochwertig» betrieben werden könnten.

Die St. Galler Regierung untersucht das Spitalleck nicht

Die Fraktion von SP und Grünen im Kantonsparlament ist gehörig verärgert. Sie wirft der Regierung Passivität vor. Es sei «unverständlich und inakzeptabel», dass sie nichts unternehme, um das Leck zu finden.
Regula Weik