Nach Kündigungen des Orthopädieteams bewegt sich das Spital Linth auf Glatteis: Nun steht das Sportsponsoring des Spitals in der Kritik

Die Kündigung des gesamten Orthopädie-Teams und das Sportsponsoring des Spitals werfen kritische Fragen auf.

Regula Weik
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Das Spital Linth ist der offizielle Medicalpartner der Rapperswil-Jona Lakers.

Das Spital Linth ist der offizielle Medicalpartner der Rapperswil-Jona Lakers.

Alexandra Wey, KEYSTONE

Am Spital Wattwil wird nicht mehr operiert – aus Kostengründen. Am Spital Walenstadt wird die Geburtshilfe geschlossen – wegen Personalmangels. Nun wird angeblich auch das Spital Linth von Abbauplänen erfasst. Dies nachdem das gesamte Orthopädie-Team gekündigt hat. Es werde geprüft, die Chirurgie – und somit auch die Orthopädie – von Uznach nach St. Gallen ans Kantonsspital zu verlegen. So wird da und dort gemunkelt. Die Gerüchte haben inzwischen auch die kantonale Politik erreicht. Mit einem Vorstoss wollen die drei CVP-Kantonsräte Mathias Müller, Michael Schöbi und Thomas Warzinek erfahren, ob nach den Abgängen am Spital Linth tatsächlich weitere Leistungen am Kantonsspital konzentriert werden.

Auf den drohenden Leistungsabbau am Spital Linth angesprochen, winkt Urs Graf, CEO des Spitals und Chefarzt der Frauenklinik, ab. Im Herbst habe die Regierung ihre neue Spitalstrategie vorgestellt. «Und darin steht nirgendwo, dass die Orthopädie aus unserem Angebot verschwinden soll», so Graf.

«Die Gespräche haben noch zu keiner Lösung geführt»

Urs Graf, CEO Spital Linth

Urs Graf, CEO Spital Linth

Ralph Ribi

Der Spitaldirektor bestätigt den Abgang der vier Orthopäden. Es sind dies der Chefarzt und Departementsleiter Chirurgie Dirk-Markus Lehnen, der leitende Arzt Oliver Bassi sowie die beiden Oberärzte Friederike Krupp und Ben Schulz. Sie werden künftig für die private Rosenklinik Rapperswil tätig sein, die zur Swiss Medical Network gehört. Die Schweizer Privatklinikgruppe machte in den vergangenen Monaten von sich reden, da sie sich für den Kauf des Spitals Flawil interessiert.

Auf den Wechsel der vier Ärzte angesprochen, sagt Spital-CEO Graf:

«Der Abgang von Fachärzten an Privatkliniken ist keine Seltenheit, sondern ein recht häufiges Phänomen.»

Die Privatklinik habe ihnen «ein offenbar attraktives Angebot» unterbreitet. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Orthopäden künftig noch als Belegärzte am Spital Linth arbeiten werden. Ob es soweit kommt, ist derzeit noch offen. «Die Gespräche laufen weiterhin. Sie haben aber noch zu keiner Lösung geführt», sagt Graf. Und weiter:

«Es zeigt sich, dass es in einem solchen Konstrukt schwierig ist, eine
Win-Win-Situation zu erreichen.»

Im Moment gebe es keine Zusammenarbeit zwischen der Rosenklinik und dem Spital Linth.

Führt neue Spitalstrategie zu Abgängen?

Heidi Hanselmann, St.Galler Gesundheitschefin

Heidi Hanselmann, St.Galler Gesundheitschefin

Urs Bucher

Die Vorgänge an den Spitälern Linth und Walenstadt zeigen: Dem einen kehren Spezialisten den Rücken zu, das andere hat Mühe, spezialisiertes Personal zu finden. Die drei Kantonsräte fragen sich deshalb, ob die ungewisse Zukunft der St. Galler Spitäler Grund für die zahlreichen Wechsel sind. Haben sich die Abgänge an den Spitälern in den vergangenen Monaten gehäuft? Die Fluktuationsrate habe sich unterschiedlich entwickelt, sagt die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann. In den Spitalregionen Rheintal-Werdenberg-Sarganserland und Fürstenland-Toggenburg ist sie angestiegen; dort will die Regierung die Spitäler Altstätten, Walenstadt und Wattwil schliessen. «Das führt verständlicherweise dazu, dass sich Mitarbeitende anderweitig orientieren», sagt Hanselmann. Dennoch: In der Region Fürstenland-Toggenburg kommt es zu weniger Wechseln als am Spital Linth, das von der Schliessungsdebatte nicht betroffen ist. Die Personalsituation ist deshalb in Uznach nicht prekär; die Fluktuationsrate ist stabil. Tiefer als im Vorjahr ist sie in der Region mit dem Kantonsspital und den beiden gefährdeten Regionalspitälern Flawil und Rorschach.

Was sagt die Gesundheitschefin zu den Spekulationen, die Orthopädie des Spitals Linth werden ans Kantonsspital verlegt? «Sie entbehren jeder Grundlage.»

Sportsponsoring des Spitals steht in der Kritik

Müller, Schöbi und Warzinek greifen in ihrem Vorstoss noch ein ganz anderes, aus ihrer Sicht heikles Thema auf: das Sponsoring des Spitals Linth beim Eishockeyclub SC Rapperswil-Jona Lakers. Dies sei in Zeiten, da Spitalschliessungen diskutiert werden, ziemlich unsensibel. Das Spital Linth ist der offizielle Medicalpartner der Rapperswil-Jona Lakers. CEO Graf sagt:

«Unsere Ärzte betreuen die Spieler der Mannschaft. Abklärungen und Therapien laufen an unserem Spital.»

Auf die Frage, ob er die Einwände der Politiker nachvollziehen kann, antwortet er: «Mit der neuen Spitalfinanzierung wurden die Spitäler in die freie Marktwirtschaft entlassen.» Die Konkurrenz im Raum Rapperswil-Jona ist nicht gering: Spital Linth, Spital Männedorf, Spital Wetzikon, Rosenklinik Rapperswil. Die Marketinganstrengungen der Spitäler seien entsprechend gross, sagt Graf.

Gibt es Auflagen für solche Engagements der Spitäler? Gesundheitschefin Hanselmann verneint:

«Es gibt für unsere öffentlich-rechtlichen Anstalten keine besonderen Auflagen für Sponsoring-Tätigkeiten.»
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