SPITAL: Baby nach Autounfall abgewiesen

Nach einem Verkehrsunfall brachten Grosseltern ihren fünf Monate alten Enkel ins Spital Altstätten. Zur Untersuchung, sicherheitshalber. Doch im Spital hiess es, man sei hierfür nicht zuständig.

Gert Bruderer
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Für die Behandlung von Babys und Kindern ist das Altstätter Spital «weder technisch noch personell ausgestattet». (Bild: Luca Linder)

Für die Behandlung von Babys und Kindern ist das Altstätter Spital «weder technisch noch personell ausgestattet». (Bild: Luca Linder)

Gert Bruderer

ostschweiz@tagblatt.ch

Der Unfall hat sich am 20. Juli in Widnau ereignet. Unterwegs war der Bub mit seiner Mutter. Vater Ramon Karner, der selbst nicht dabei war, sagt, sein Sohn sei bei dem Aufprall heftig durchgeschüttelt worden, denn es habe «einen rechten Knall» gegeben. Nebenbei: Am Unfall habe seine Gattin keine Schuld. Während die Lenkerin und ihr nach dem Unfall hergekommener Mann am Unfallort blieben, brachten dessen Eltern das Kind ins Spital nach Altstätten, wo die Familie Karner zu Hause ist. «Es ging dar­um, zu klären, ob alles in Ordnung sei», sagt Ramon Karner.

Zu klein fürs Spital Altstätten

Am Empfang sei seinen Eltern – nach telefonischer Rücksprache mit einem Arzt – beschieden worden, der Bub könne am Altstätter Spital weder behandelt noch untersucht werden. Er sei noch zu klein. Den Grosseltern des Kindes sei eine Telefonnummer gegeben worden, wundert sich Ramon Karner. Entweder könnten sie sich dort melden oder nach St.Gallen fahren, wo der Bub im Kinderspital untersucht würde.

Die Grosseltern, durchaus verblüfft, entschieden sich für die Fahrt nach St.Gallen. Ramon Karner sagt, dort sei sein Sohn sehr kompetent behandelt worden. Dass er in Altstätten nicht einmal angeschaut worden sei, befremdet ihn. Andrea Bachmann, Leiterin Kommunikation und Marketing in der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, räumt einen Fehler ein. Wegen eines internen Kommunikationsproblems sei nicht der übliche Ablauf erfolgt. Dieser sehe immer vor, dass ein Kontakt zwischen Arzt und Patient stattfinde. Dass dieser Kontakt ausgeblieben sei, bedaure man sehr, schreibt Andrea Bachmann. Es kam zu einer persönlichen Entschuldigung am 27. Juli, wie Ramon Karner der Redaktion mitteilt. Er hat dies geschätzt, auch die generellen Ausführungen durch das Spital. Der Ablauf sieht vor, dass Patienten, die ins Alt­stätter Spital kommen, sich an der Pforte melden. Von dort werden sie zum Notfall weitergeleitet und untersucht. Ist der Patient ein Kind, erfolgt normalerweise die Weiterleitung ans Kinderspital in St.Gallen. Das liegt darin begründet, dass die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland keinen Leistungsauftrag für Kinderheilkunde hat. «Wir sind für die Behandlung von Babys und Kindern weder technisch noch personell ausgestattet», erklärt die Kommunikationschefin der Spitalregion.

Die Altstätterin Margrit Kessler, die noch bis Ende Jahr der Schweizerischen Stiftung Patientenschutz vorsteht, erinnert da­r­an, dass die Altersheilkunde das Spezialgebiet des Altstätter Spitals sei und hier «keiner etwas von Babys versteht». Entsprechend hat Margrit Kessler Verständnis dafür, dass Karners Sohn im Altstätter Spital nicht genau untersucht und behandelt werden konnte. «Doch anschauen hätte ein Arzt das Kind müssen», fügt sie hinzu. Dazu gehöre der Blick in die Augen, das Abhören, die Begutachtung des ganzen Körpers und allenfalls ein Anruf im Kinderspital, um das Kind anzukündigen.

Leider handle es sich nicht um einen Einzelfall, sagt Margrit Kessler. Erst letzte Woche habe sich im Kanton Zürich ein vergleichbarer Vorfall ereignet. Dort sei in einem Spital ein 80 Kilo schwerer, 14-jähriger Jugendlicher ans Kinderspital verwiesen worden. Das wirkt nun allerdings geradezu grotesk.