Spinnerei Uznaberg vor dem Abbruch: Industriedenkmal hat Schutzstatus verloren

Der gut 200-jährige Fabrikbau der Spinnerei Uznaberg soll dem Neubau einer lokalen Pharmafirma weichen. Der Kanton hat dem Ansinnen der Gemeinde Uznach zugestimmt und den Schutz des Industriedenkmals aus dem Richtplan gestrichen. Nun hat der Bund dies bestätigt. Auf kommunaler Ebene sind noch Einsprachen möglich.

Marcel Elsener
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Die Tage der Spinnerei Uznaberg sind gezählt. Auch der Bund hat dem Abbruch stattgegeben.

Die Tage der Spinnerei Uznaberg sind gezählt. Auch der Bund hat dem Abbruch stattgegeben.

Bild: Nik Roth

Die Spinnerei Uznaberg, ein Fabrikbau aus dem frühen 19. Jahrhundert, ist ein eindrückliches Industriedenkmal. Doch es hat seit der Firmenschliessung 2004 seine Bedeutung verloren. Nun plant das Uzner Unternehmen Streuli Pharma AG auf dem Industrieareal ein neues Betriebs- und Produktionsgebäude. Weil das alte Fabrikgebäude für eine Nutzung ungeeignet sei und ein Umbau viel zu teuer käme, planen die Pharmafirma und die Gemeinde Uznach als Grundeigentümer den Abbruch. Der Kanton prüfte dies und kam zum Schluss, dass die wirtschaftlichen Interessen in diesem Fall höher zu gewichten seien als der Schutz des Industriebauzeugen. Die Regierung entliess deshalb die Spinnerei Anfang 2020 aus dem kantonalen Richtplan – vorbehalten die Genehmigung des Bundes.

Nun hat der Bund grünes Licht für den Abbruch gegeben, wie die «Linth-Zeitung» aufgrund des Prüfungsberichts aus Bern meldet. Damit ist der Eintrag der Spinnerei im kantonalen Richtplan gestrichen. Dies bestätigen laut Zeitungsbericht die Gemeinde Uznach und die St. Galler Kantonsplanung, die allerdings mit der offiziellen Mitteilung noch zuwarten wollten. Die Richtplan-Anpassung 19 des Kantons St. Gallen sei am 3. September durch das Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) genehmigt worden, sagt Martin Schmid vom Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg). Die Spinnerei Uznaberg sei somit nicht mehr als zu «prüfende schützenswerte Industriebaute» im Richtplan aufgeführt.

Gnadenfrist durch Auflage in der Gemeinde und mögliche Einsprachen

Bis zum Abbruch der altehrwürdigen Industriebaute sei es noch ein weiter Weg, schreibt die «Linth-Zeitung» weiter. Dabei zitiert sie Philipp von Schulthess, Geschäftsleiter der Uznaberg AG, der das Gelände gehört: Man habe mit dem Entscheid im Juni gerechnet, nun sei er endlich eingetroffen und eine grosse Hürde genommen worden. Der Ball liegt jetzt bei der Gemeinde, die ihre Schutzverordnung anpassen und öffentlich auflegen muss. Ob es dabei zu Einsprachen aus der Bürgerschaft kommt, ist offen. Bislang hat es in Uznach selber jedenfalls keinen Aufschrei gegen den geplanten Abbruch gegeben.

Für den Erhalt der alten Spinnerei machte sich namentlich der Heimatschutz St. Gallen/Appenzell Innerrhoden stark. Bei der kommunalen Auflage der Schutzverordnung ist der Verband allerdings nicht einspracheberechtigt. Allenfalls könnte ein Anwohner eine Einsprache mit dem Denkmalschutz begründen. Wie lange die Gnadenfrist für den Fabrikbau noch währt, lässt sich derzeit nicht sagen – es ist noch nicht einmal der Zeitpunkt der Auflage der angepassten Schutzverordnung in Uznach bekannt.