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«Im Kindergarten zeigt sich, welches Kind eine Spielgruppe besucht hat»: Ostschweizer Spielgruppen fordern öffentliche Gelder

Die Bemühungen der Frühförderung tragen erste Früchte: Im Kanton St.Gallen und den beiden Appenzell besuchen etwa 85 Prozent der dreijährigen Kinder eine Spielgruppe. Doch das Ziel ist damit noch nicht erreicht.
Ursula Wegstein
In der ländlichen Ostschweiz besuchen Kinder häufiger Spielgruppen als Kitas. (Bild: Mike Kemp/Getty)

In der ländlichen Ostschweiz besuchen Kinder häufiger Spielgruppen als Kitas. (Bild: Mike Kemp/Getty)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die Spielgruppen in der Ostschweiz boomen. Erstmals liegen dazu nun Zahlen vor. Nach einer Analyse der Fachstelle Spielgruppen St.Gallen Appenzell besuchen aktuell 4386 Kinder im Kanton St.Gallen und den beiden Appenzell eine Spielgruppe. Das sind etwa 85 Prozent aller Kinder im Alter von drei Jahren. Etwa 25 Prozent der Spielgruppenkinder wachsen fremdsprachig auf. Die Anzahl der Kinder, die schweizweit eine Spielgruppe besuchen, liegt nach Schätzungen bei rund 65 Prozent.

Dieser hohe Wert für die Ostschweiz erklärt sich zum einen daraus, dass in ländlichen Regionen Mütter eher zu Hause sind und darum mehr Kinder statt in die Kita zu gehen, eine Spielgruppe besuchen. Weiter führt Barabara Rüesch, Vorstand Fachstelle Spielgruppen St.Gallen Appenzell und selbst Spielgruppenleiterin diese hohe Zahl auf die kantonale Strategie «Frühe Förderung» zurück. Mit gezielten Förderprogrammen hat man viel dafür getan, dass mehr Kinder vor dem Kindergarten eine Spielgruppe besuchten. So bietet beispielsweise die Stadt St.Gallen mit Spiki («Von der Spielgruppe in den Kindergarten») seit 2006 ein Konzept, das inzwischen andere Städte wie Rorschach oder Rapperswil übernommen haben.

Selbstständigkeit, Strukturen und freies Spiel

Während Kindertagesstätten die Betreuung von Kindern ab drei Monaten bis zum Ende der Schulzeit gewährleisten, richtet sich die Spielgruppe gezielt an die Altersgruppe der Zweieinhalb- bis Vierjährigen. Sechs bis zehn Kleinkinder treffen sich bis zum Kindergarteneintritt ein Jahr lang ein oder mehrmals in der Woche für zwei bis drei Stunden in einer konstanten Gruppe von Gleichaltrigen. Damit zählen die Spielgruppen – geleitet von einer ausgebildeten Spielgruppenleiterin – zum Angebot der frühkindlichen Bildung.

«Die Spielgruppe ist ein Ort, an dem Kinder den Ablöseprozess zum ersten Mal üben können, Selbstständigkeit lernen, sich an Strukturen gewöhnen oder überhaupt in Kontakt mit der deutschen Sprache kommen», sagt Jeanette Kocherhans, Vorstand Fachstelle Spielgruppen St.Gallen Appenzell. Dabei steht das freie Spiel stets im Zentrum, denn das Kleinkind lerne beim Spielen. Manche Mütter hätten zu viel Angst, sagt die Spielgruppenleiterin. Sie würden ihren Kindern zu wenig zutrauen.

«Bei uns dürfen die Kinder Nägel mit einem Holzhammer einschlagen, mit der Schere schneiden oder mit einer Säge arbeiten».

Und der Erfolg der Spielgruppen kann sich sehen lassen: Regelmässig erhielten die Spielgruppenleiterinnen Lob seitens der Kindergärten, sagt Rüesch.

«Im Kindergarten zeigt sich deutlich, welches Kind eine Spielgruppe besucht hat.»

Meist tragen Eltern Kosten alleine

Trotzdem sind weitere Anstrengungen nötig. Einerseits bei der Finanzierung: In der Regel finanzieren sich Spielgruppen vor allem über die Eltern. Die Kosten pro Vormittag betragen 14 bis 25 Franken. Ein weiterer Aspekt ist die Qualität: Spielgruppe ist kein geschützter Begriff – jeder kann eine leiten. Die Qualität der Spielgruppen habe sich zwar deutlich verbessert. Doch wer mehr öffentliche Gelder möchte, muss sich auch um die Qualität bemühen.

«Unser Ziel ist, das Spiki-Angebot kantonal möglichst weit zu streuen», sagt Rüesch. Damit jedes Kind die Chance bekomme, eine Spielgruppe zu besuchen. Ein weiteres Ziel ist ein Ausbildungsgang zur diplomierten Spielgruppenleiterin in Zusammenarbeit mit einer Fachhochschule. «Jeder Franken, der in die frühe Bildung investiert wird, zahlt sich in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht gleich mehrfach aus», sagt Kocherhans.

Das St. Galler Spiki-Konzept

In der Stadt St. Gallen werden alle Eltern brieflich über das Spielgruppenangebot informiert. Die Gruppenleiterinnen sind geprüft und haben eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt. Zum Angebot gehören vier bis sechs Vormittage Elternarbeit. Dort erhalten Eltern etwa Informationen über Ernährung oder Zahnpflege. Die Kosten sind für zwei Vormittage pro Woche subventioniert: Eltern zahlen vier bis zwölf Franken pro Morgen. Bei Förderbedarf und mehr als sechs fremdsprachigen Kindern erhält die Leiterin Unterstützung von einer Assistentin. (uw)

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