Video

Spezialtransport für die «Tante Ju»: Ein Helikopter fliegt das Oldtimer-Flugzeug nach Altenrhein – in sein neues Zuhause in der Ostschweiz

Eigentlich dürfte die Junkers Ju-52 «Tante Ju» gar nicht fliegen. Eine war heute trotzdem am Himmel zu sehen. Zwar flog sie nur mit Hilfe eines Helikopters nach Altenrhein, doch soll sie wieder flott gemacht werden.

Raphael Rohner
Drucken
Teilen

Ihr Knattern ist in der Schweiz wohl jedem Kind ein Begriff. Fliegt sie vorbei, schauen alle gespannt hinauf und suchen den Himmel nach der vertrauten Sillouette ab: Die «Tante Ju», wie sie im Volksmund genannt wird, fliegt nach dem Absturz im Jahr 2018 nicht mehr – eigentlich. Am Freitagvormittag schauten der «Tante» rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Dachterrasse vom Fliegermuseum in Altenrhein zu, wie sie mit einem Spezialhelikopter aus Dübendorf hergeflogen wurde.

Flieger drehte sich während Transport um eigene Achse

«Das war schon kein leichter Flug», sagt der Geschäftsführer des Fliegermuseums Altenrhein, Bernhard Vonier. Er sass in einem Begleithelikopter und beobachtete den Transport des Fliegers unter dem Helikopter gespannt. «Der Rumpf der Ju-52 ist sperrig, schwer und macht im Wind schon ziemliche Schwenker, doch schlussendlich ist der Flieger heil in Altenrhein gelandet und wir sind froh dass alles gut ging», sagt Vonier mit einem spitzbübischen Lachen.

10 Bilder
So sah die Ju-52 HB-HOS in der Luft aus.

Bilder: Raphael Rohner

Die Route des Transports musste genau festgelegt werden und bewohntes Gebiet aus Sicherheitsgründen gemieden werden. Der Transportflug dauerte über eine Stunde. Dabei geriet der Rumpf immer wieder in Schieflage und der Pilot musste korrigieren. Zwar wurde am Heck des 18 Meter langen Rumpfs ein Bremsschirm zur Stabilisierung angebracht, doch zeigte dieser nicht die gewünschte Wirkung.

Luftwaffe, Filmrollen und als Passagierflugzeug eingesetzt

Das Flugzeug am Haken des Spezialtransporthelikopters mit der Kennung HB-HOS hatte ihren Erstflug im Jahr 1939 und flog über 40 Jahre bei der Schweizer Luftwaffe. In der Fernsehserie «Zwei himmlische Töchter» war das Flugzeug in den 1970er-Jahren zu sehen. Danach wurde sie bei der Ju-Air in Dübendorf für Rundflüge mit Passagieren eingesetzt. Nach dem Absturz ihres baugleichen Schwesternflugzeugs im Sommer 2018, wurde das Flugzeug zerlegt und auf technische Mängel untersucht. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt erteilte schliesslich ein Flugverbot. Vonier steht in einem Hangar in Altenrhein und hat eine Vision:

Bernhard Vonier

Bernhard Vonier

Bild: Raphael Rohner
«Wir wollen die ‹Tante Ju› wieder am Himmel fliegen sehen.»

Die Restaurationsarbeiten an der Ju-52 sollen rund zweieinhalb Jahre dauern. Dazu wird das Flugzeug von den Spezialisten der Junkers Flugzeugwerke AG, die ihren Sitz von Dübendorf nach Altenrhein verlegt haben, komplett zerlegt und jede einzelne Schraube erneuert. Die Symbiose mit dem Fliegermuseum soll den Zuschauern den Prozess der Wiederaufbereitung der «Tante Ju» ermöglichen, bis das Flugzeug wieder mit Passagieren abheben kann.

Mehr zum Thema

Schwierige Zeiten für fliegende Oldtimer

Nach dem Absturz einer «Tante Ju» im vergangenen Jahr nehmen die Behörden die Oldtimerfliegerei in der Schweiz genauer unter die Lupe.  Der Flugbetrieb in Altenrhein erhält gute Noten – ist aber trotzdem nicht ohne Zukunftssorgen.
Adrian Vögele