Sparen mit deutschen Säcken

BAZENHEID. Der Abfallverbund Bazenheid provoziert kritische Fragen im Kantonsrat: Statt bei den regionalen Firmen TopPac und Petroplast-Vinora bestellt er die 17- und 35-Liter-Säcke nun bei FO-Security, die in Deutschland produzieren lässt.

Marcel Elsener
Drucken
Teilen

In der Schweiz gibt es noch zwei Hersteller von Gebühren-Kehrichtsäcken – und beide sind im St.Galler Fürstenland tätig: die Firmen TopPac in Schwarzenbach und Petroplast-Vinora in Andwil. Ausgerechnet sie würden in ihrer Region nun von einem deutschen Sackhersteller ausgebootet, wie der Schwarzenbacher SVP-Kantonsrat Peter Haag erfahren hat – und erst noch «leider gerade in der momentanen Euro-Krise, die sich auch in unserem Industriekanton auswirkt».

Fragwürdiger Akteur ist der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB), der von 35 Gemeinden aus den Regionen Fürstenland, Wil und Toggenburg sowie Hinterthurgau getragen wird. Der ZAB hat laut Haag nach langer Zusammenarbeit mit zwei St.Gallischen Kehrichtsack-Herstellern Verträge wegen günstigeren Säcken aus Deutschland gekündigt. In einer Einfachen Anfrage unter dem Titel «Briefkastenfirmen statt St.Galler Label?» will der SVP-Kantonsrat von der Regierung wissen, ob sie ebenfalls seiner Meinung sei, dass «einheimische Hersteller von Kehrichtsäcken den Vorzug haben sollten, wenn es die wirtschaftliche Lage zulässt». Gerade Gemeindeverbände, meint Haag, sollten «für die einheimischen Unternehmen einstehen».

73 000 Franken günstiger

Beim Zweckverband ZAB bestätigt Claudio Bianculli, Vorsitzender der Geschäftsleitung, die neuen Verträge mit der Firma FO-Security aus Egg im Kanton Zürich. Die Firma lässt bei Papier-Mettler im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz produzieren. Bei der jüngsten ZAB-Ausschreibung machte FO-Security mit einer Offerte von 385 000 Franken das Rennen, wogegen die TopPac mit 458 000 und die Petroplast mit 444 000 Franken für das gleiche Auftragsvolumen deutlich teurer waren. Dabei sei es bei der Ausschreibung nicht nur um die Kosten, sondern auch um weitere Kriterien wie Qualitätsmanagement und Referenzen gegangen, sagt Bianculli. Die ursprünglich im Etikettendruck tätige FO-Security sei dabei von ihren Kunden wie den Städten Winterthur oder Bern «durchwegs positiv» bewertet worden.

Bianculli verweist auf die Vorgaben des Beschaffungswesen – «alle drei Jahre eine neue Ausschreibung» –, an das sein Verband gebunden sei, «sonst gäbe es Beschwerden anderer Art». Die ZAB dürfe bezüglich der Aufträge für einheimische Firmen ein gutes Gewissen haben: Von den in den letzten sieben Jahren investierten 125 Millionen Franken, wovon 57 Millionen für den Bau eines Schlammverbrennungsofens, seien drei Viertel Schweizer Unternehmen zugute gekommen – im Fall des Ofens gar 85 Prozent. Ausserdem verbleibe die Produktion der 60- und 110-Liter-Schlaufensäcke noch bei der TopPac in Schwarzenbach.

Grosser Deutscher drängt

Dieses Verschluss-System – im Gegensatz zum Zugband bei den 17- und 35-Liter-Säcken – könne der deutsche Hersteller Papier-Mettler eben noch gar nicht fertigen, weiss Kantonsrat Haag. «Nur eine Frage der Zeit.» Denn Papier-Mettler, einer der europaweit grössten Hersteller von Papier und Polyethylenprodukten, habe sich «zum Ziel gesetzt, den gesamten Schweizer Markt zu beliefern und die Schweizer Hersteller vom Markt zu verdrängen». Dabei könne der deutsche Riese laut Haag aufgrund seiner Grösse «besser kalkulieren, angefangen beim Rohstoff bis hin zu den Löhnen, die in Deutschland nicht auf dem Niveau der Schweiz sind». Mettler mache es «clever», schreibt Haag in seiner Anfrage. Die Firma habe ein Büro in der Schweiz (Hünenberg) und verkaufe als «Papier Mettler Schweiz AG» die Säcke zu Tiefstpreisen als vermeintlich schweizerisch, obwohl die Säcke aus Deutschland in die Schweiz gefahren würden.

Fast 20 Jahre waren die Ostschweizer Firmen Petroplast-Vinora und TopPac für den ZAB-Verband tätig gewesen. Klar, dass die Niederlage nach der jüngsten Ausschreibung schmerzlich ist. Dass wie teils kolportiert die günstigere Distribution der FO Security den Unterschied mache, will Roland Müller, Verkaufsleiter Abfallwirtschaft & Recycling bei der Petroplast-Vinora, aber nicht gelten lassen: «Es ging nicht um Logistik, sondern um Produktion made in Germany.» Seine Firma müsse damit leben, dass der Auftrag «ausgerechnet nach dem Euro-Tsunami» weg sei, aber «der Bürger müsse richtig informiert sein», sagt Müller. «Es wird eben mit unterschiedlichen Ellen gemessen, auch im Vergleich der Löhne und mit Blick auf ökologische Aspekte.»

A-Region bestellt in Andwil

Beim benachbarten Abfallverbund der Grossregion St.Gallen-Herisau-Rorschach, der A-Region, ist die (alleinige) Produzentin Petroplast-Vinora übrigens nicht in Frage gestellt – sie hat seit über zehn Jahren einen ständig erneuerten Vertrag. Was Kantonsrat Haag umso stutziger macht: «Mit etwas gutem Willen» hätte auch der ZAB die beiden regionalen Hersteller berücksichtigen können, ist er überzeugt. «Nach meiner Kenntnis machen die gut Gewinn», sagt Haag, «das Wasser steht ihnen nicht zum Hals.»

Aktuelle Nachrichten