Im Kanton St.Gallen ist das Sozialhilferisiko für die 50- bis
64-Jährigen besonders hoch

Die aktuelle Sozialhilfestatistik des Kantons St.Gallen macht eines deutlich: Von Gemeinde zu Gemeinde und von Altersgruppe zu Altersgruppe gibt es grosse Unterschiede. Die wichtigsten Zahlen und Fakten.

Regula Weik
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In der Stadt St.Gallen sind mit 4,6 Prozent am meisten Sozialbezüger gemeldet. (Bild: Benjamin Manser)

In der Stadt St.Gallen sind mit 4,6 Prozent am meisten Sozialbezüger gemeldet. (Bild: Benjamin Manser) 

Beziehen heute mehr Personen im Kanton St.Gallen Sozialhilfe als früher?

11'263 Personen sind im Kanton St.Gallen auf Sozialhilfe angewiesen – das sind 144 Personen mehr als im Vorjahr. Da die Gesamtbevölkerung im Kanton ebenfalls angestiegen ist, bleibt der Anteil der Sozialhilfebezüger unverändert bei 2,2 Prozent. Dies geht aus der gestern vom Kanton publizierten Sozialhilfestatistik hervor; die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2017. Die Sozialhilfequote ist seit 2012 unverändert.

Sind es mehr als andernorts?

Dies ist nicht der Fall. Im Kanton St.Gallen beziehen 2,2 Prozent der Bevölkerung Sozialhilfe – deutlich weniger als in andern Teilen der Schweiz. Die nationale Sozialhilfequote beträgt nämlich 3,3 Prozent. Das Risiko, auf die Leistungen der Sozialhilfe angewiesen zu sein, ist in St.Gallen tiefer als andernorts.

Wo leben am meisten, wo am wenigsten Sozialhilfebezüger im Kanton?

Es gibt klare Unterschiede zwischen den Gemeinden. Am wenigsten Sozialhilfebezüger leben in Berg und Tübach mit je 0,1 Prozent sowie in Muolen mit 0,2 Prozent. Kantonale Spitzenreiterin ist die Stadt St.Gallen mit einer Sozialhilfequote von 4,6 Prozent, gefolgt von Rorschach und Wil mit je 4,5 Prozent.

Ziehen Städte «Sozialfälle» an?

Tendenziell ja, doch längst nicht alle Gemeinden mit Zentrumsfunktion wirken «anziehend». Das zeigt sich etwa bei Gossau mit einer Sozialhilfequote von 1,4 Prozent, bei Buchs (1,8) und insbesondere bei Rapperswil-Jona (1,7). Insgesamt haben sieben Gemeinden eine Sozialhilfequote von über 3 Prozent; neben den bereits erwähnten St.Gallen, Rorschach und Wil zählen dazu Neckertal (3,6 Prozent), Flawil (3,5), Lichtensteig (3,1) und Wittenbach (3,0).

Wie viel Sozialhilfe erhalten Alleinstehende? Wie viel Paare mit Kindern?

Bei den ausbezahlten Beträgen gibt es grosse Unterschiede, Einfluss haben Wohnsituation, Zivilstand, Anzahl Kinder. So erhält eine Person, die allein lebt, 1613 Franken, lebt dieselbe Person gemeinsam mit anderen Personen in einem Haushalt erhält sie «nur» 1006 Franken – der Grund: Die Mietkosten, die einen wesentlichen Teil der Lebenshaltungskosten ausmachen, können aufgeteilt werden. Am stärksten unterstützt werden Paare mit mehreren Kindern; sie erhalten gut 2200 Franken. Durchschnittlich werden 1474 Franken Sozialhilfe pro Haushalt ausbezahlt.

Wie viele Sozialhilfebezüger arbeiten?

Vier von fünf Sozialhilfebezügern im Alter von 20 bis 64 gehen keiner Arbeit nach. Umgekehrt gibt es auch Personen, die hundert Prozent erwerbstätig sind, deren Einkommen aber für den Lebensunterhalt nicht ausreicht. Aktuell werden im Kanton St.Gallen 260 sogenannte Working Poor unterstützt.

Erhalten auch Uni-Absolventen Sozialhilfe?

Eine kleine Minderheit aller von der Sozialhilfe Unterstützten im Kanton hat einen Universitätsabschluss oder eine höhere Fachausbildung; die Rede ist von drei Prozent. 45 Prozent der Sozialhilfebezüger im Alter zwischen 20 und 64 Jahren verfügen über keine abgeschlossene Berufsausbildung; 39 Prozent haben eine berufliche Ausbildung oder eine Maturitätsschule absolviert.

Bei welcher Altersgruppe ist die Sozialhilfequote am höchsten?

Die Sozialhilfe unterstützt 3242 Kinder und Jugendliche im Kanton; sie weisen mit 3,5 Prozent die höchste Sozialhilfequote aller Altersgruppen auf. Besonders betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden; mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, die Sozialhilfe erhalten, leben mit nur einem Elternteil zusammen. Insgesamt sind 29 Prozent aller Sozialhilfebezüger jünger als 18. Am stärksten steigt die Sozialhilfequote der 50- bis 64-Jährigen an. Sie beträgt aktuell 2,3 Prozent; vor zwölf Jahren waren es noch 1,7 Prozent gewesen. Heute sind 2369 Personen dieser Altersgruppe auf Sozialhilfe angewiesen. Ein Drittel der 50- bis 64-Jährigen, die neu Sozialhilfe beziehen, ist ausgesteuert.

Wie viele Personen schaffen den Ausstieg aus der Sozialhilfe?

Insgesamt konnte 2017 bei 2253 Fällen der Sozialhilfebezug beendet werden – davon bei knapp 30 Prozent, weil sich die Erwerbs- oder die Lohnsituation verbessert hatte oder der Beschäftigungsgrad erhöht werden konnte.