Sommerfrische in der Schweiz

Schweizer und Liechtensteiner Rinder auf Vorarlberger Alpen gehören im Nachbarland Österreich seit Jahrzehnten dazu. Wegen der Rinder-TBC sind diesen Sommer nur wenige Tiere ennet der Grenze anzutreffen.

Adi Lippuner
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Von 30 Vorarlberger Alpen mit Schweizer und Liechtensteiner Rindern liegen zehn im TBC-gefährdeten Kloster- und Silbertal. Andere Alpen sind nicht gefährdet. (Bild: ky/Ti-Press/Benedetto Galli)

Von 30 Vorarlberger Alpen mit Schweizer und Liechtensteiner Rindern liegen zehn im TBC-gefährdeten Kloster- und Silbertal. Andere Alpen sind nicht gefährdet. (Bild: ky/Ti-Press/Benedetto Galli)

Ob auf die Alp Rauz am Arlberg, auf eine der Silbertaler Alpen im Montafon oder ins Rellstal: Alljährlich wurden rund 1500 Rinder aus der Schweiz und Liechtenstein für 90 bis 100 Tage auf die Vorarlberger Alpen ennet der Grenze gebracht. Doch in diesem Sommer ist alles anders: Bei einigen Tieren, welche den Sommer auf Alpen des Bundeslandes Vorarlberg verbrachten, wurde letztes Jahr Rindertuberkulose, eine bakterielle Infektionskrankheit, festgestellt. Die Krankheit wurde, wie Untersuchungen zeigten, vom Rotwild auf die Rinder übertragen.

Ziel jedes Tierbesitzers ist es, dass seine Kühe und Rinder im Herbst gesund und vital von der Alp in den heimatlichen Stall zurückkehren. Die Angst, infizierte Tiere zu haben, aber auch die verschärften Vorschriften beim Grenzübertritt und nicht zuletzt die Verlagerung der Beitragszahlungen im Zusammenhang mit der Agrarpolitik 2014/17 tragen dazu bei, dass die Tiere ihre diesjährige Sommerfrische im eigenen Land geniessen werden.

Sarganserland und Graubünden

Eine Umfrage bei verschiedenen Stellen hat zwar keine genauen Zahlen, dafür aber Trends ergeben. Grund für das Fehlen von konkreten Angaben ist die Tatsache, dass der Tierverkehr erst beim «Verstellen», also dem Transport auf die jeweilige Alp, über die elektronische Datenbank erfasst wird.

«Auf den Sarganserländer Alpen, vor allem auf den Jungviehalpen, gibt es mehr Anmeldungen für den diesjährigen Alpsommer als im Vorjahr», sagt Markus Hobi, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen in Salez und Vorsitzender der Alpwirtschaftskommission des St. Galler Bauernverbands. Andreas Widmer, Geschäftsleiter des St. Galler Bauernverbands sagt auf Anfrage: «Wir haben im Winter und Frühjahr verschiedenen Betrieben Adressen von Alpen mit freier Kapazität vermittelt. Die Tiere werden je zur Hälfte im eigenen Kanton und in Graubünden einen Platz gefunden haben.»

Angst vor dem Verwildern

Konkrete Angaben gibt es von Martin Kaiser aus dem Liechtensteinischen Schellenberg. Er ist Alpmeister der Alp Dürrwald im Silbertal. «Bisher haben unsere Bauern ihr Jungvieh auf der gemeindeeigenen Alp im Silbertal gesömmert. Dieses Jahr wird darauf verzichtet, es haben alle einen Platz im Liechtensteiner Berggebiet gefunden.» Und wie schaut die Situation im Montafon aus? «Wir haben für unsere Alp Dürrwald einen Bauern aus Vorarlberg gefunden, der insgesamt 60 Tiere (Mutterkühe mit Kälbern) auf unsere Alp bringen wird», sagt Martin Kaiser.

Weniger gut schaut es für die anderen Alpen in den von TBC betroffenen Gebieten aus, bisher liegen die Anmeldungen erst bei rund 50 Prozent der Vorjahre. «Dies ist für unsere Alpen ein nicht unerhebliches Problem», sagt der Silbertaler Bürgermeister Thomas Zudrell. «Eine ausreichende Bewirtschaftung ist wichtig, damit diese nicht verwildern.»

An der Alpbestossung in Vorarlberg festhalten werden Kurt Rohner und Peter Kuster aus Diepoldsau. «Auch diesen Sommer bringen wir insgesamt 120 Tiere auf die Alp Wöster im Gebiet von Lech, wie wir dies schon seit 40 Jahren tun», sagen beide. Die Alp sei nicht in einem von der Krankheit betroffenen Gebiet und zudem sei es von Vorteil, wenn, statt die Tiere auf verschiedene Alpen zu verteilen, alle ans gleiche Ort gebracht werden könnten.

Gemäss dem St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche liegen aktuell zwei Gesuche für die Sömmerung in Vorarlberg für insgesamt 20 Tiere vor. Diese würden aber nicht ins «Kerngebiet» gebracht, also dorthin, wo letztes Jahr die TBC-Fälle auftraten. Sein Berufskollege, der Vorarlberger Landesveterinär Norbert Greber, bestätigt, dass im Tiroler Lechtal die ersten TBC-Fälle beim Rotwild und auch beim Vieh festgestellt wurden. Von dort habe sich dann der Erreger entlang der Rotwildbestände ausgebreitet.

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