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Solarpanels auf dem Schulhausdach: 17-Jähriger auf Klimamission an der Kantonsschule Trogen

Als Mitglied der «Klimagruppe Trogen» setzt sich Dominic Tobler nicht nur auf der Strasse für die Umwelt ein. Zusammen mit 24 weiteren Jugendlichen beteiligt er sich auch an schuleigenen Projekten zugunsten des Klimaschutzes.
Claudio Weder
Dominic Tobler aus Gais besucht die Kantonsschule Trogen und ist in der Klimabewegung aktiv. (Bild: Claudio Weder)

Dominic Tobler aus Gais besucht die Kantonsschule Trogen und ist in der Klimabewegung aktiv. (Bild: Claudio Weder)

Der Bahnhofplatz St. Gallen wirkt an diesem regnerischen Freitag wie leergefegt. Man flüchtet ins nahegelegene Restaurant Tibits – sei es, um Schutz vor dem Unwetter zu finden oder ebendieses bei einem Glas Ingwer-Zitronen-Punsch zum Gesprächsthema zu machen. Auch der 17-jährige Dominic Tobler aus Gais, der die Kantonsschule Trogen besucht, hat sich im «Tibits» eingefunden. Nicht, weil er über das Wetter reden will. Ihm geht es um etwas noch viel Grösseres: ums Klima.

In St. Gallen ist Dominic Tob­ler immer auch an jenen Freitagen, an denen die Klimajugend schweizweit zum Streik aufruft. Als Mitglied der Klimagruppe Trogen – eines 25-köpfigen Schülerkollektivs der Kantonsschule Trogen – nimmt er jedoch nicht nur regelmässig an den Protestaktionen der Klimabewegung teil, sondern beteiligt sich auch an schuleigenen Projekten zu Gunsten des Klimaschutzes.

«Die Klimajugend konnte schon viel erreichen», bilanziert Tobler. Dies gelte nicht nur für die gesamtschweizerische Bewegung. Auch im Kanton Appenzell Ausserrhoden habe die Klimajugend ihren Teil dazu beigetragen, dass das Thema Klimawandel auf die politische Agenda gesetzt wurde. Nicht umsonst sei im Frühjahr ein von 24 Kantonsräten unterschriebenes Postulat eingereicht worden, in dem der Regierungsrat aufgefordert wird, innerhalb eines Jahres einen Klimabericht vorzulegen. «Ein solcher Vorstoss wäre vor einem Jahr nicht denkbar gewesen», so Tobler.

Kampf gegen die Wegwerfmentalität

Die Klimagruppe Trogen wurde vor gut einem halben Jahr ins Leben gerufen. «Einer der Auslöser war die schockierende Feststellung, dass an unserer Schule immer noch hie und da die Auffassung kursiert, den Klimawandel gebe es nicht», erzählt Tobler. Aus diesem Grund habe sich die Klimagruppe zum Ziel gesetzt, mittels verschiedener Aktionen innerhalb und ausserhalb der Schulmauern für Klimafragen zu sensibilisieren.

Daneben stehen auch konkrete Klimaschutzmassnahmen an der Schule im Vordergrund. «Die Kanti Trogen ist in Sachen Umweltschutz in einigen Bereichen bereits vorbildlich unterwegs», sagt Tobler. So seien Kulturreisen per Flugzeug schon seit längerem verboten. Dennoch gebe es Verbesserungspotenzial:

«Ein Dorn im Auge ist uns die Wegwerfmentalität in der Mensa.»

Gegen diese hat die Klimagruppe in Zusammenarbeit mit der Schülerorganisation bereits eine Kampagne lanciert. Und diese zeigte Erfolg: «Mit der Mensa konnten wir uns auf eine Übergangslösung einigen. So werden aktuell keine Plastikbecher mehr angeboten. Zudem darf für das Take-away-Menu auch eigenes Geschirr mitgebracht werden.»

Ebenso sieht die Klimagruppe an der Kanti Trogen Potenzial in Sachen erneuerbare Energien. Die Idee, das Dach der Schule mit Solarpanels auszurüsten, sei bereits auf Seiten des Kantons wie auch auf Seiten des Vereins Appenzeller Energie auf offene Ohren gestossen. Die Klimagruppe werde dieses Projekt nach den Sommerferien in Angriff nehmen und unter anderem eine Petition starten, so Tobler.

Doch nicht überall stösst der Klimaaktivismus auf Verständnis. Gerade in den sozialen Netzwerken muss sich Dominic Tobler – und mit ihm der Rest der Klimajugend – oft verächtliche Kommentare anhören. Die Klimabewegung sei fanatischer Aktivismus, Sozialismusexperiment und überdies eine riesige Verschwörung, heisst es. «Daneben wird uns Klimajugendlichen oft vorgeworfen, es gehe uns nur ums Schulschwänzen, der Klimawandel an sich aber würde uns gar nicht interessieren.»

Tobler will nicht bestreiten, dass es innerhalb der Bewegung «Ausreisser» gebe. Das seien aber Einzelfälle. «Und von diesen auf die gesamte Bewegung, in der schweizweit Zehntausende von Jugendlichen aktiv sind, zu schliessen, erzeugt ein Zerrbild, das schlicht falsch ist.»

Tobler selbst geht mit gutem Beispiel voran und gestaltet sein Leben so klimafreundlich wie möglich. «Ich wäre nicht glaubwürdig, wenn mir als Mitglied der Klimagruppe Trogen meine Umwelt einfach egal wäre», betont er.

«Seit ich in der Bewegung bin, verzichte ich zum Beispiel auf Fleischkonsum, Autofahrten und Flugreisen.»

Noch zu früh für Parteimitgliedschaft

Trotz seines politischen Engagements für das Klima gehört der 17-Jährige keiner Partei an. «Ich fühle mich noch nicht einer Partei zugehörig.» Sich für das Klima einzusetzen, sei aber auch keine alleinige Frage der Parteizugehörigkeit.

«Auch heute noch werden die Klimathemen oft den Linken in die Schuhe geschoben. Die Mitte- und Rechtsparteien haben meist das Gefühl, das gehe sie nichts an. Doch der Klimawandel geht alle an, von links bis rechts.»

Reduktion der Treibhausgase auf netto null bis 2030, fordert die Klimabewegung. Wie ernst diese Ansage gemeint ist, bewies Dominic Tobler am diesjährigen Jugendparlament zur Alpenkonvention in Meran, an dem er gemeinsam mit einer Delegation seiner Schule teilgenommen hatte. «Während eines Diskussionsgesprächs machte einer der referierenden Politiker die Aussage, dass wir den Klimawandel in den Griff bekommen würden, wenn jede einzelne Person mehr Verantwortung übernehmen würde», erzählt Tobler.

«Dass ein Politiker die Verantwortung einfach auf andere abschiebt, machte mich wütend.»

Kurzum habe Tobler das Mikrofon ergriffen und dem Referenten vor 300 anwesenden Personen, darunter auch namhafte Persönlichkeiten, die Leviten gelesen. Dafür erntete er Beifall. Dieses Selbstbewusstsein zeigt: Das Zeug zum Politiker hätte der Kantonsschüler allemal.

Nach den Sommerferien steht für den 17-Jährigen aber zunächst das letzte Jahr an der Kanti Trogen an. Mit dem Klima wird er sich weiterhin beschäftigen und seine Maturaarbeit den Auswirkungen des Klimastreiks widmen. Nach der Matura könnte er sich vorstellen, Internationale Beziehungen zu studieren.

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