Glosse

Solange wir keinen Impfstoff haben, hilft nur eins: Satire

RESTZUCKER: Gute Satiriker sind fast rarer als Covid-Impfstoffe. Deshalb versuchen die Schaffhauser, uns Lara Stoll abzuluchsen.

David Angst
Drucken
Teilen
David Angst.

David Angst.

Bild: Ralph Ribi

Nachdem sie ihre Tests an brasilianischen Krankenschwestern beendet haben, können die Deutschen sich wohl bald gegen Corona impfen lassen. Und wir? Es dauerte eine Weile, bis Alain Berset erklärte, die Schweiz habe für den deutsch-amerikanischen Impfstoff eine «Reservation» gemacht. Mit anderen Worten: Wir sind auf der Warteliste. Da sich die meisten Schweizer ohnehin nicht impfen lassen wollen, kommt es auf einen Monat früher oder später auch nicht an. Irgendwann im Herbst 2021 werde auch die Schweiz impfen, sagt die Vizepräsidentin der Taskforce. Oder sagte sie 2022?

Bis es soweit ist, hilft nur eines: Satire. Aber gute Satiriker sind fast rarer als Covid-Impfstoffe. Die Thurgauische Lungenliga hat sich die Rechte an Thomas Götz gesichert. Als Hofnarr des Regierungsrats ist Götz bereits hundertfach auf Wirkungen und Nebenwirkungen erprobt worden und deshalb sofort verwendbar. Er ist sogleich in den Landsturm der Contact-Tracer eingeteilt worden, wo er nun ohne Rauchpause durcharbeitet.

Unterdessen versuchen Kantone, die selber keinen Satiriker haben, mit teilweise unfairen Mitteln sich einen zu beschaffen. So wollen uns die Schaffhauser Lara Stoll abluchsen. Aber das lassen wir nicht zu. Nur weil sie dort im Kantonsspital geboren wurde, ist sie natürlich noch lange keine «gebürtige Schaffhauserin», sondern ein Richlinger Meitli.

Noch in der Versuchsphase befindet sich Kiko. Der Stand-up-Comedian aus Hefenhofen tritt nun regelmässig in der Zürcher «Longstreet-Bar» auf, um die Wirkung seiner Pointen zu testen. Was für Impfstoffe die Brasilianer, sind für Satire die Zürcher: Ideale Testpersonen.