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SOCIAL MEDIA: "Einen Werbestopp finde ich heuchlerisch": Ostschweizer Firmen halten trotz aller Skandale zu Facebook

Nach dem Datenskandal haben einige Grossunternehmen ihre Anzeigen auf Facebook eingestellt. Firmen aus der Region verzichten auf diesen Schritt – zu attraktiv ist das Netzwerk als Werbekanal.
Tobias Hänni
Noch ist Facebook ein attraktiver Werbekanal für Unternehmen. Doch jüngere Menschen lassen das soziale Netzwerk zunehmend links liegen. (Bild: Pius Amrein)

Noch ist Facebook ein attraktiver Werbekanal für Unternehmen. Doch jüngere Menschen lassen das soziale Netzwerk zunehmend links liegen. (Bild: Pius Amrein)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Es war eine jener Fragen, mit denen einige US-Senatoren während der Anhörung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vergangene Woche zeigten, wie wenig sie vom Geschäftsmodell des Social-Media-Giganten wissen. «Wie verdienen Sie Geld, wenn die Nutzer nichts bezahlen müssen?», fragte Senator Orrin Hatch. «Wir schalten Anzeigen», meinte Zuckerberg trocken. Und das macht Facebook nicht zu knapp: Rund 40 Milliarden US-Dollar hat das Unternehmen im Jahr 2017 mit Werbung umgesetzt. Allerdings könnte der Skandal um die missbräuchliche Verwendung von Nutzerdaten durch die Firma Cambridge Analytica das Unternehmen teuer zu stehen kommen. So haben einige grössere Unternehmen wie die Commerzbank oder der Lautsprecherhersteller Sonos ihre Werbeaktivitäten auf dem sozialen Netzwerk ausgesetzt.

Einen Exodus an Firmen, die künftig keine Werbung mehr auf Facebook schalten, muss CEO Zuckerberg wohl nicht befürchten – zumindest in der Ostschweiz nicht. «Der Datenskandal beschäftigt uns natürlich. Wir sind dafür verantwortlich, auf welchen Kanälen die Werbung unserer Kunden geschaltet wird», sagt Nick Schoberth, Geschäftsleitungsmitglied der St.Galler Marketingagentur Ammarkt. Bisher habe es aber keine Kunden gegeben, die wegen des Skandals Facebook als Werbekanal meiden wollen. «Gerade für lokal tätige KMU ist die Plattform enorm wichtig», sagt Schoberth. Facebook erlaube es, Anzeigen geografisch sehr präzise auszuspielen und dabei genau definierte Zielgruppen anzusprechen. «Aus vielen Kampagnen ist Facebook kaum mehr wegzudenken.»

Daran änderten die aktuellen Ereignisse nichts, so Schoberth. «Wir werden die Entwicklung aber im Auge behalten.» Sollte das derzeit vor allem von Politik und Medien diskutierte Thema in breite Empörung umschlagen, «dann muss man sich die Benutzung der Plattform als Werbe­kanal genauer überlegen».

Ein gespaltenes Verhältnis

Auch bei der Onlineagentur Netz.Werk Köppel & Partner GmbH sieht man derzeit keinen Grund, Kunden den Rückzug von Facebook zu empfehlen. «Einen Werbestopp finde ich heuchlerisch», sagt Inhaber Roland Köppel. Facebook könne man nicht mehr wegdiskutieren oder boykottieren. Er wisse von einem Kunden, der im Nachgang des Datenskandals seine persönliche Facebook-App gelöscht habe. «Gleichzeitig arbeitet er aber eine Social-Media-Strategie mit uns aus», sagt Köppel. Das Verhältnis zu Facebook scheine teils gespalten zu sein. «Persönlich will man seine Daten nicht preisgeben, die Werbekraft von Facebook aber trotzdem nutzen.»

Auf diese Werbekraft möchten auch die Kunden der St.Galler Digitalagentur Marke17 trotz Datenskandal nicht verzichten. «Die Unternehmen, die wir betreuen, nehmen das gelassen», sagt Co-Inhaber Pasquale Li Voti. Trotzdem beobachte man die ­Situation bei Facebook genau. «Geht die Entwicklung in die falsche Richtung, können wir rasch reagieren und etwa Facebook-Kampagnen stoppen.» Auswirkungen auf die Arbeit der Agentur hat der Skandal bereits jetzt. So stellt die Plattform laut Li Voti derzeit nur eine eingeschränkte Auswahl an Nutzerdaten für Werbetreibende zur Verfügung. «Das schränkt unsere Möglichkeiten zur genaueren Definition von Zielgruppen etwas ein.»

Einen positiven Effekt des Datenskandals spürt dagegen die auf Facebook-Marketing spezialisierte Hutter Consult AG in ­Aadorf. «Wir erhalten vermehrt Anfragen von Unternehmen, die eine Zweitmeinung brauchen, aktuelle Aktivitäten überprüfen lassen wollen oder Fragen zu Datenschutz und Compliance ­haben», sagt CEO Thomas Hutter. Derzeit würden Firmen ihre Aktivitäten auf Facebook und auch das Know-how ihrer Werbepartner kritischer hinterfragen. «An der Integrität der Plattform selber zweifelt aber niemand.» Auch für Hutter gibt es keinen Grund, Facebook zu meiden. «Werbung auf Facebook ist ­extrem effizient.»

Unabhängig vom aktuellen Datenskandal dürfte Facebook langfristig als Werbekanal ohnehin an Attraktivität verlieren. Denn: Die Plattform verliert Nutzer. «Für die 14- bis 19-Jährigen ist Facebook nicht mehr interessant», sagt Andreas Schweiss, ­Inhaber der Kommunikationsagentur Ka Boom. Und auch in der Business-to-Business-Werbung finde zunehmend eine Verlagerung statt – auf andere Plattformen wie LinkedIn oder Xing.

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