So wirken sich Spitalschliessungen im Fürstenland und Toggenburg aus: Die Patienten zieht’s nach St.Gallen

Müssen Flawiler und Toggenburger das Spital Wil retten helfen? – Die Patientenströme zeigen ein anderes Bild.

Regula Weik
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Eine Mitarbeiterin des Spitals Flawil wechselt die Bettwäsche .

Eine Mitarbeiterin des Spitals Flawil wechselt die Bettwäsche .

Gaetan Bally / KEYSTONE

Diese Woche haben Ärzte aus dem Fürstenland und dem Toggenburg mit ihrem Vorschlag zur künftigen St.Galler Spitallandschaft aufhorchen lassen: Sie fordern ein neues Spital in Bazenheid. Dann könnten die Spitäler in Flawil, Wil und Wattwil geschlossen werden. Im Fürstenland und Toggenburg tobt die Spitaldebatte besonders heftig. Nicht von ungefähr.

Das Toggenburg fühlt sich einmal mehr nicht ernstgenommen von der Regierung. Das Spital Wattwil werde gezielt ausgeblutet, um es dereinst sang- und klanglos schliessen zu können – und dies alles nur, um Wil erhalten zu können. In Wil müssten erst einmal 170 Millionen Franken investiert werden, um überhaupt den heutigen Ansprüchen zu genügen. In Wattwil dagegen würden «neue Zimmer und Operationssäle vernichtet».

Auch in Flawil herrscht da und dort der Eindruck vor, das eigene Spital opfern zu müssen, um Wil erhalten zu können. Der Flawiler Ärger rührt noch woanders her. Eine Privatklinikgruppe interessiert sich für ihr Spital. Doch die Regierung hat klipp und klar festgehalten: Ein solcher Verkauf kommt für sie nicht in Frage. Damit würden die stationären Angebote im Kanton nicht «nachhaltig gereinigt», sondern lediglich von öffentlich zu privat verschoben. Dies führe zu einer Schwächung der «überlebenden» Spitäler. Diese seien dringend auf die Flawiler Patienten angewiesen.

Doch: Werden sich Flawiler und Toggenburger Patientinnen und Patienten künftig tatsächlich in Wil behandeln lassen?

49 Prozent wechseln von Flawil ans Kantonsspital

Regierung und Spitalverwaltungsrat haben die künftigen Patientenströme berechnet – und sich dabei am Verhalten jener Patienten orientiert, die sich bereits heute nicht im eigenen Spital vor der Haustür behandeln lassen. Dabei zeigt sich: 17 Prozent der Wattwiler und 16 Prozent der Flawiler Patienten werden künftig nach Wil gehen. Mit Abstand am meisten Patienten aus den beiden Landspitälern werden sich künftig aber am Kantonsspital behandeln lassen.

Auf die Frage, ob bei dieser geringen Verlagerung von Patienten nach Wil ein Verkauf des Spitals Flawil nochmals überdacht werde, antwortet der Lenkungsausschuss:

«Durch einen Verkauf von Flawil würden rund 500 Fälle weniger nach Wil verschoben. Dadurch ergäbe sich eine Ertragseinbusse in der Grössenordnung von vier Millionen Franken.»

Diese könnte kaum mehr aufgefangen werden. Die Kostenstruktur des Spitals Wil sei ohnehin bereits auf «eine minimale Betriebsgrösse» ausgelegt; jede weitere Reduktion würde zum Wegfall ganzer Leistungsbereiche führen.

Private Konkurrenz in Schach halten

Die Spitalkonferenz der St.Galler Gemeinden – Flawil und Wattwil gehören ihr an – hat die Regierung kürzlich aufgefordert, die Angebote privater Interessenten bei der Entwicklung der künftigen Spitalstrategie einzubeziehen. So sagte damals Elmar Metzger, Flawiler Gemeindepräsident:

«Wenn eine private Klinikgruppe
das Spital gewinnbringend betreiben kann, sollte dies der Spitalverbund
auch können.»

Auch die FDP hat in ihrer Vernehmlassungsantwort die Regierung aufgefordert, den Verkauf des Spitals Flawil nochmals zu prüfen. Es sei klar, dass dies eine Konkurrenz im eigenen Versorgungsgebiet schaffen würde. «Letztlich ist aber der volkswirtschaftliche Blickwinkel relevant.» Die Regierung könne die Konkurrenz weiterhin über den Leistungsauftrag steuern. Sie hätte also weiterhin die Zügel in der Hand und könnte die eigenen Spitäler «nötigenfalls ganz oder teilweise vor dem Markt schützen».

Die Regierung äussert sich dazu nicht. Sie analysiere und beurteile derzeit die Vernehmlassungsantworten. Sie werde kommunizieren, sobald sie die Vorlage ans Kantonsparlament verabschiedet habe.