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Coiffeuse, Pfarrer, Chefarzt: So viel verdient die Ostschweiz

Das Lohnbuch 2019 gibt einen Überblick über 9000 Löhne in der Schweiz. Zwar werden die Gehälter dieses Jahr leicht wachsen. Trotzdem haben die Angestellten unter dem Strich weniger in ihrem Portemonnaie.
Michael Genova
Ein Apotheker verdient in der Ostschweiz gemäss Lohnbuch Schweiz nach dem Studium rund 7000 Franken. (Bild: Gaëtan Bally//Keystone)

Ein Apotheker verdient in der Ostschweiz gemäss Lohnbuch Schweiz nach dem Studium rund 7000 Franken. (Bild: Gaëtan Bally//Keystone)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Chefarzt müsste man sein. An einem öffentlichen Spital im Kanton St. Gallen erhalten Kaderärzte einen monatlichen Grundlohn von mindestens 15000 Franken. Aber auch eine reformierte Pfarrerin muss nicht darben: Sie verdient im Kanton St. Gallen ab dem zweiten Dienstjahr 8549 Franken pro Monat – so viel wie eine Mittelschullehrerin. Mit weit weniger muss sich eine Coiffeuse begnügen, die im zweiten Berufsjahr 3800 Franken verdient. Ein Koch kommt auf rund 4200 Franken, ein Gärtner auf 4700 Franken und ein Maurer auf 5553 Franken pro Monat.

Die Angaben stammen aus dem Lohnbuch Schweiz 2019, das der Kanton Zürich herausgibt. Der 800-Seiten-Wälzer hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Standardwerk entwickelt und listet die üblichen Monatslöhne aller wichtigen Berufe auf. Ein Grossteil der Daten stammt aus Gesamtarbeitsverträgen (GAV), die für die gesamte Schweiz gültig sind. Dazu kommen Lohnempfehlungen von Verbänden oder statistisch berechnete Durchschnittslöhne. Diese lassen sich über eine Umrechnungstabelle an die jeweiligen regionalen Verhältnisse anpassen. Trotzdem sind die Monatslöhne lediglich eine Annäherung an die Realität.

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Ostschweizer Löhne im Vergleich

Mindestlöhne und Lohnempfehlungen für ausgewählte Berufe (pro Monat)
Beruf Bruttolohn Bemerkungen
Chefarzt 15 000 Grundlohn für Kaderärzte an öffentlichen Spitälern im Kanton St.Gallen, ab ca. 15'000 bis ca. 22'000 Franken, Lohn wird 12 Mal ausbezahlt
Kadermitarbeiter Versicherung 11 489 35 bis 39 Altersjahre, Durchschnittswert
Pfarrer 8549 ab 2. Dienstjahr, Pfarrer reformiert, Kanton St.Gallen
Berufsoffizier 8257 mit Grundausbildung der Militärakademie
Assistenzärztin 7770 ab 3. Dienstjahr, an öffentlichen Spitälern im Kanton St.Gallen
Finanzcontroller 7404 durchschnittliche Berufserfahrung, Durchschnittswert
Wirtschaftsinformatiker 7296 30 bis 34 Altersjahre, Durchschnittswert
Apothekerin 7032 kein GAV, ab Studium, Schätzwert
Bauleiter 6602 31 bis 35 Altersjahre, Durchschnittswert
Primarschullehrerin 6317 Lohnklasse 5, Kanton St.Gallen
Maurer 5553 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, Baufacharbeiter
Lokführer 4969 Kategorie B, GAV SBB
Gärtner 4700 mit eidg. Fähigkeitszeugnis und 3-jähriger Erfahrung
Lastwagenchauffeur 4585 ab 2. Berufsjahr, Kategorie C
Elektromonteur 4575 ab 1 Jahr Berufserfahrung, GAV Elektroinstallationgsgewerbe
Gipser 4513 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, ab 2. Berufsjahr
Maler 4353 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, ab 2. Berufsjahr, GAV Maler- und Gipsergewerbe
Servicepersonal Gastgewerbe 4195 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, L-GAV Gastgewerbe
Koch 4195 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, L-GAV Gastgewerbe
Bäcker, Konditorin 4051 mit eidg. Fähigkeitszeugnis; bei fortgesetzter Tätigkeit im Lehrbetrieb; GAV für Bäcker, Konditoren, Confiseure
Floristin 4050 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, ländliche Gegend, Lohn wird 12 Mal ausbezahlt
Metzger 4050 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, GAV Metzgereigewerbe
Detailhandelsangestellte 4000 2-jährige Berufslehre, GAV Coop und L-GAV Migros
Kita-Betreuerin (FaBe) 3840 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, Stufe 1
Coiffeuse 3800 mit eidg. Fähigkeitszeugnis, bis 2. Berufsjahr
Dentalassistentin 3750 im 2. Berufsjahr, nach 3-jähriger Grundausbildung
Erntehelfer 3064 Angestellter Gemüseanbau, ungelernt und ohne Berufserfahrung

Teuerung frisst Lohnerhöhung weg

So werden zum Beispiel in den GAV ausschliesslich Mindestlöhne definiert. Die tatsächlich bezahlten Löhne können davon jedoch stark abweichen. Auch über die Lohnentwicklung sagt das Lohnbuch wenig aus, da die GAV meist über mehrere Jahre hinweg gültig sind. Gerade bei der Lohnentwicklung sehen die Prognosen düster aus. «Auf die Schweizer Angestellten kommen eher unerfreuliche Entwicklungen zu», teilte die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich diese Woche mit. Ziehe man die Teuerung ab, seien die Löhne in der Schweiz in den letzten zwei Jahren geschrumpft. Auch im laufenden Jahr werden die Reallöhne kaum wachsen. Die KOF rechnet damit, dass die Löhne im laufenden Jahr um durchschnittlich 0,9 Prozent wachsen werden. Nach Abzug der Teuerung von 0,5 Prozent bliebe lediglich ein bescheidenes Reallohnwachstum von 0,4 Prozent. Daran dürfte sich auch 2020 nichts ändern.

Krankenkassenprämien belasten Haushalte

Diese Einschätzung teilt auch Anke Gähme, Regionalleiterin Ostschweiz der Gewerkschaft Unia. Sie verweist darauf, dass viele Angestellte unter dem Strich eher weniger in ihrem Portemonnaie haben. «Das Problem ist, dass Lohnerhöhungen meist durch steigende Krankenkassenprämien oder Mieten aufgefressen werden», sagt sie. Deshalb fordert der Schweizerische Gewerkschaftsbund für das laufende Jahr Lohnerhöhungen von 2 bis 2,5 Prozent.

Die schweizweit gültigen GAV werden auf nationaler Ebene ausgehandelt. Die regionalen Gewerkschaften sind für GAV mit einzelnen Firmen oder regionalen Arbeitgeberverbänden verantwortlich. Kürzlich hat die Region Ostschweiz-Graubünden der Unia zum Beispiel mit der Bauwerk Parkett AG in St. Margrethen den GAV neu verhandelt. Dadurch werden die Löhne um gut 2 Prozent steigen, sagt Anke Gähme. Auch im Autogewerbe konnten Lohnerhöhungen erzielt werden.

Jedoch gibt es längst nicht für alle Branchen oder Betriebe einen Gesamtarbeitsvertrag. So fehlten in der Ostschweiz zum Beispiel flächendeckende Vereinbarungen für den Detailhandel, betont Anke Gähme. Die Angaben im Lohnbuch seien deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Detailhandelsangestellte von Migros und Coop kommen in der Ostschweiz gemäss gültigem GAV auf einen Mindestlohn von 4050 Franken. In anderen Betrieben des Detailhandels kann der Lohn laut Anke Gähme jedoch deutlich darunter liegen.

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