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So viel Abfall liegt am Bodensee

An der Sitter grillieren oder im Bodensee schwimmen: Bei Hitze lockt das Wasser. Die Folge sind verdreckte Ufer, wie eine neue Studie zeigt. Im Vergleich zur Schweiz steht die Ostschweiz fast schon gut da.
Marlen Hämmerli

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Spätestens nach dem Abschlusskonzert von The Killers werden sich heute die letzten Besucher des Open Air St.Gallen auf den Heimweg machen – und wie jedes Jahr einen Haufen Müll zurücklassen. Zwar wird dieser von einem Heer sogenannter «Trash Heroes» – Abfallhelden – aufgeräumt. Doch jeden Bierdeckel werden die «Helden» kaum finden. Ein Teil des Mülls bleibt zurück auf dem Gelände, zu dem auch ein Stück des Sitterufers gehört. Dort, wo sich bereits der Müll von andern Leuten angesammelt hat. Denn: Schweizer lassen an Flüssen und Seen einiges an Abfall zurück, wie der diese Woche erschienene Swiss Litter Report zeigt.

Die Studie der drei Organisationen Stoppp (Stop Plastic Pollution Switzerland), WWF und Hammerdirt zeigt unter anderem, wie viel Abfall an den wichtigsten Schweizer Gewässern liegt. Für den Report sammelten über 150 Freiwillige ein Jahr lang den Müll an 112 Standorten ein, kategorisierten die Abfälle und gaben die Daten in eine App ein. Eine Auswertung der «Ostschweiz am Sonntag» zeigt nun: Das dreckigste Ufer in der Ostschweiz ist jenes der Steinacher Bucht, dort wo zwischen Arbon und Steinach die Aach in den Bodensee fliesst.

Steinach (Bodensee)
St.Gallen, Spisegg (Sitter)
St. Gallen, beim Openair (Sitter)
St. Gallen, beim Tierheim Sitterhöfli (Sitter)
Schwarzenbach (Thur)
Walenstadt (Walensee)
Arbon (Bodensee)
Mammern (Bodensee)
Wängi (Murg)
Schönenberg (Thur)
Ermatingen (Untersee)
Ermatingen (Untersee)
Urnäsch (Urnäsch)
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Am Ufer bei Walenstadt liegen die meisten Kippen

75 Müllstücke sammeln sich dort jeden Monat auf 100 Quadratmetern Steinacher Boden an (siehe Grafik). Als Vergleich: Die durchschnittliche Ostschweizer Wohnung misst gemäss Bundesamt für Statistik 111 Quadratmeter. Der freiwillige Abfallsammler Andreas Dolder las in der Steinacher Bucht vor allem Chips- und Süssigkeitenverpackungen sowie Zigarettenstummel auf, je 16 jeden Monat.

Sowieso sind an den Ostschweizer Ufern Zigarettenstummel omnipräsent – genau wie in der restlichen Schweiz. Am meisten Zigarettenstummel liegen in Walenstadt, auf dem Strandstück zwischen «See-Camping» und ARA. 45 Zigarettenstummel fanden die Freiwilligen dort monatlich. Anders ist es an der Sitter zwischen St. Gallen und Abtwil: An drei Standorten sammelten dort Freiwillige Müll und stiessen auf mehr Bauschutt (insgesamt 529) als Zigarettenkippen (496).

Klar ist, dass all dieser Müll hausgemacht ist. Denn die Abfälle sammelten sich jeden Monat aufs Neue an, obwohl Freiwillige wie der Steinacher Andreas Dolder oder die St. Gallerin Annette Jenny sie komplett gereinigt hatten («Tagblatt» vom 3. Februar 2018, «OaS» vom 24. Juni 2018). Schweizweit liegt gemäss dem Swiss Litter Report an Seen mehr Abfall als an Flüssen (123 respektive 38 Abfallstücke pro 100 Quadratmeter). Zudem sind städtische Ufer verdreckter (103) als jene in der Agglomeration (56) oder auf dem Land (53). Besonders in den Sommermonaten weisen die Städte eine höhere Abfalldichte auf. In den warmen Monaten landen auch deutlich mehr Zigarettenstummel in der Natur als im Winter.

Werden die gefundenen Abfälle nach ihrem Material sortiert, fällt auf, dass fast zwei Drittel davon aus Plastik bestehen. Dieses Resultat widerspiegelt die vielen gefundenen Zigaretten, die aus dem Kunststoff Celluloseacetat bestehen. Glas und Keramik sowie Metall, Papier und Karton machen nur noch einen Bruchteil des Plastiks aus.

Die Schweiz ist dreckiger, als das Klischee besagt

Ein weiteres Ergebnis: Im Vergleich mit dem Ausland wird die Schweiz ihrem sauberen Image nicht gerecht. Zwar ist es schwierig, den Swiss Litter Report mit Studien aus andern Ländern zu vergleichen, unter anderem wegen unterschiedlicher Masseinheiten. Eine Annäherung im Bericht zeigt aber, dass die Ufer in der Schweiz siebenmal verdreckter sind als jene des französischen Flusses Adour und etwa gleich schmutzig wie die Ufer vier chilenischer Flüsse.

Im inländischen Vergleich sind im Mittel hingegen die Ostschweizer Ufer sauberer als in der gesamten Schweiz. Ein Grund dafür ist, dass von den untersuchten Ufern jene in der Romandie sehr schmutzig sind. Wobei ein Standort in der Nähe der Universität Lausanne besonders zugemüllt ist. An einem durchschnittlichen Ostschweizer Ufer liegt vor allem weniger Kunststoff als im Schweizer Mittel. So wurden auf 100 Quadratmetern weniger Zigaretten (6 statt 18) und halb so viele Chips- und Süssigkeitenverpackungen gefunden. Auffallend ist zudem, dass die Ostschweizer Ufer mit weniger Glas- und Keramikscherben verschmutzt sind (2 statt 7). Im Übrigen ähneln die Ergebnisse jenen für die gesamte Schweiz; auch was die Grösse der Fundstücke betrifft.

Hier in der Ostschweiz wurde Abfall gesammelt

Zigarettenstummel, kleine Plastikstücke, Glasstücke oder Flaschendeckel: Die Fundstücke sind in der Regel klein. Die Verfasser des Swiss Litter Reports vermuten, dass diese kleinen Abfälle erstens oft achtlos weggeworfen werden. Zweitens hätten die Angestellten der Gemeinen wahrscheinlich nicht die Zeit, jedes Fitzelchen aufzulesen.

Dabei liegen die kleinen wie auch die grösseren Abfälle direkt an Ufern. Bei Hochwasser ist die Chance gross, dass der Müll im Wasser landet, wie die Verfasser des Reports betonen: «Sind die Abfälle im Gewässer, hindert sie wenig daran, bis ins Meer weitertransportiert zu werden.» Über Urnäsch, Sitter, Thur und Rhein respektive Linthkanal, Limmat, Aare und Rhein landet der Ostschweizer Müll in der Nordsee. Auch kleine Überbleibsel vom Open Air wie etwa Bierdeckel und Depotmünzen. Hinweis

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