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Biofilter und Einsatz von Robotern: So sollen weniger Schadstoffe in die St.Galler Bäche gelangen

Der Kanton St.Gallen begegnet Bachverschmutzungen mit Kursen und Beratung. Naturschützern reicht das nicht.
Adrian Lemmenmeier
Kleine Bäche im Kanton St. Gallen können übermässig viele Chemikalien enthalten. (Bild:Urs Bucher (28. Mai 2019))

Kleine Bäche im Kanton St. Gallen können übermässig viele Chemikalien enthalten. (Bild:Urs Bucher (28. Mai 2019))

Kleine Bäche im Kanton St.Gallen sind teilweise massiv mit Chemikalien belastet. Das hat eine Untersuchung des Amtes für Wasser und Energie gezeigt. Bei einem grossen Teil der Stoffe handelt es sich um Pestizide, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen dürften. Der Kanton und der Ostschweizer Bauernverband wollen Landwirte nun stärker für das Thema sensibilisieren.

Was aber heisst das? «Die gesetzlichen Grundlagen zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sind umfassend», sagt Daniela Büchel von der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons St.Gallen. Mit Kursen und Beratungen versuche das landwirtschaftliche Zentrum Salez, Bauern im Umgang mit solchen Mitteln besser zu schulen.

Wo führt die Entwässerungsleitung hin?

«Ein wichtiger Punkt sind jene Orte auf den Höfen, an denen Landwirte Pflanzenschutzmittel mischen oder Spritzen reinigen», sagt Büchel. «Wir nehmen an, dass die Verschmutzung von Bächen oft dort beginnt.» Gerade auf alten Höfen wüssten die Bauern oft nicht, dass ein Schacht das Abwasser nicht in die Güllegrube leite, sondern ­direkt in einen Bach. In solchen Fällen müsse man das Entwässerungssystem analysieren und neue Leitungen legen.

«Eine weitere Möglichkeit ist, dass Abwasser gesammelt und durch einen Biofilter geleitet wird.» Solche Lösungen seien Teil des breit angelegten Aktionsplans Pflanzenschutzmittel des Bundes, der seit 2018 umgesetzt wird. «Weil viele Verbesserungen bauliche Anpassungen erfordern, wird es noch einige Zeit dauern, bis die Massnahmen Wirkung zeigen», sagt Büchel. Den nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wolle man auch mit anderen Mitteln erreichen. Unter anderem mit dem Einsatz von Robotern, die Unkraut jäten. Büchel sagt:

«Uns ist wichtig, dass man dieses komplexe Thema ganzheitlich angeht.»

Naturschützer geben sich nicht zufrieden

Für Pro Natura Ostschweiz gehen die Massnahmen des Kantons und des Bauernverbandes zu wenig weit. «Sensibilisierung reicht nicht», sagt Geschäftsführer Christian Meienberger. «Deshalb unterstützen wir die beiden laufenden Volksinitiativen zu diesem Thema – besonders die Initiative für sauberes Trinkwasser.» Diese fordert, dass Bauern, die Pestizide einsetzen, keinen Zugang zu Direktzahlungen erhalten.

«Es kann nicht sein, dass wir die Zerstörung der Natur weiterhin subventionieren.»

Andere Bäche im Mittelland sind ähnlich stark belastet

Ist die Verschmutzung der Bäche im Kanton St.Gallen besonders dramatisch? «Die Stoffe, die man in St.Galler Bächen in problematischen Konzentrationen gefunden hat, findet man auch in anderen Bächen der Schweiz, die einer ähnlicher Nutzung ausgesetzt sind», sagt Tobias Doppler vom Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute.

Dabei handle es sich um Pestizide aus der Landwirtschaft, aber auch um Industriechemikalien und Rückstände von Arzneimitteln. «Medikamentenrückstände geraten oft aus den Kläranlagen in die Bäche», sagt Doppler. Mit der geplanten Einführung der sogenannten vierten Reinigungsstufe sollen solche Spurenstoffe weitgehend eliminiert werden. Diese Reinigungssysteme seien aber nicht in allen Kläranlagen geplant. Einen direkten Zusammenhang zwischen den Chemikalien in den Bächen und der Qualität des Trinkwassers lasse sich nicht herstellen, sagt Doppler.

«Trinkwasser entnimmt man schliesslich dem Grundwasser oder Seen.»

Bäche als Frühwarnsystem fürs Grundwasser

Der Boden hält viele Verunreinigungen zurück, wenn Wasser von der Oberfläche ins Grundwasser sickert. Manche Stoffe aber bleiben im Wasser. «Das Grundwasser wird im Kanton St.Gallen seit gut 20 Jahren ­regelmässig überwacht», sagt Markus Oberholzer von der Abteilung Grundwasser im Amt für Wasser und Energie. In aktuellen Proben fände man vor allem Pestizide, die mittlerweile verboten seien. Atrazin und dessen Abbauprodukte oder Abbauprodukte von Dichlobenil zum Beispiel. Von anderen Stoffen stelle man nur sehr geringe Mengen fest.

Die Resultate der aktuellen Untersuchung kleiner Bäche im Kanton gäben keinen direkten Anlass zur Sorge, sagt Oberholzer. «Ein Grossteil des Grundwassers sickert nicht aus kleinen Bächen in den Untergrund, sondern aus grösseren Gewässern.» Und diese weisen bedeutend kleinere Konzentrationen von Schadstoffen aus. Das Wasser an der Oberfläche sei jedoch ein wichtiges Frühwarnsystem für das Grundwasser. «Deshalb müssen wir wachsam bleiben.»

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