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So machen sich Velofahrer sichtbar - auch am Tag

Ein Grossteil der Unfälle mit Fahrradfahrern geschieht, weil die Velos übersehen werden. Velofahrer müssten sich also sichtbarer machen. Das Astra will deshalb eine Lichtpflicht am Tag für E-Bikes prüfen.
Marlen Hämmerli
Velofahrer sollten rundherum, auch von der Seite, sichtbar sein. (Bild: Imago)

Velofahrer sollten rundherum, auch von der Seite, sichtbar sein. (Bild: Imago)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Ein dunkler Herbstnachmittag. Ein Velofahrer überquert eine Kreuzung, er hat Vortritt vor dem gleichzeitig abbiegenden Auto. Doch dieses hält nicht. Zum Bremsen ist es zu spät, der Velofahrer knallt in die rechte Seite des Autos, fällt, der Fuss gerät unter das rechte Hinterrad. Der Unfall, der so geschehen ist, geht glimpflich aus. Die Frage aber bleibt: Hätte der Autofahrer den Velofahrer gesehen, wäre dieser mit Licht und helleren Kleidern unterwegs gewesen?

Ein Grossteil der Unfälle geschieht, weil die Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer übersehen werden, wie eine Analyse der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) 2016 gezeigt hat (siehe Grafik unten). Der Schluss daraus: Wollen Velofahrer sicherer unterwegs sein, müssen sie sich sichtbarer machen. Anderer Meinung sind die Velofahrer. Am Tag mit Licht fahren, gut sichtbare Kleider tragen, mit Abstand vom Strassenrand fahren – das wären Strategien für eine bessere Sichtbarkeit. In einer repräsentativen Umfrage des Link-Instituts stuften die befragten Velofahrer diese Strategien jedoch als weniger wichtig für ihre Sicherheit ein.

Die meisten Velofahrer sind nicht genügend erkennbar

Was die Umfrage zeigt, bestätigt das Bild auf der Strasse. «Die grosse Mehrheit der Velofahrer ist ungenügend erkennbar, insbesondere am Tag», schreibt die BfU im Sicherheitsdossier «Fahrradverkehr». Ähnlich tönt es bei der Kantonspolizei Thurgau. Zwar ist Licht nicht nur in der Nacht Pflicht, sondern auch bei schlechter Sicht. «Leider gibt es trotzdem immer wieder Zweiradfahrerinnen und -fahrer, die unbeleuchtet unterwegs sind und sich so unnötig in Gefahr bringen», schreibt Mediensprecher Daniel Meili auf Anfrage.

Zumindest für E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer soll sich dies ändern: Das Bundesamt für Strassen (Astra) will eine Lichtpflicht für E-Bikes prüfen (Wiler Zeitung vom 20. September).

Doch sollen Velos generell sichtbarer werden, wäre dann nicht eine Lichtpflicht für sämtliche Zweiräder sinnvoll? «Beim Licht ist es ähnlich wie beim Helm», sagt dazu Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. «Es wird empfohlen, ist aber nicht Pflicht. Die Leute schauen aber in der Regel, dass sie gut beleuchtet sind.» Licht am Tag für Velos findet er sinnvoll, vor allem bei den schnelleren E-Bikes. Wer mit Licht fahre, werde eher gesehen: «Biegt ein Autofahrer um die Kurve und trifft auf ein unbeleuchtetes Velo, kann es zur Kollision kommen. Ist es beleuchtet, geschieht eher kein Unfall.»

«Licht am Tag bringt wenig»

Anders sieht dies Vera Zahner, Präsidentin von Pro Velo Thurgau. Sie fahre zwar mit Licht. Aber: «Ich habe nicht das Gefühl, dass mich die Autofahrer des­wegen besser sehen.» Gegen die Lichtpflicht für Velos und E-Bikes sprechen für sie mehrere Gründe. «Wenn man dann als einziger ohne Licht unterwegs ist, wird man noch leichter übersehen. Für mich ist das Licht am Tag wie die Leuchtweste am Tag. Es bringt wenig.» Dies würden mehrere Studien belegen. Wobei orange Westen besser abschneiden als gelbe, weil das Auge daran weniger gewöhnt ist.

Geht es nach Zahner, könnten auch die Fahrer von Autos, Last- und Lieferwagen einen Beitrag zur Sicherheit leisten. «Wenn sie in der Dämmerung oder bei Nebel ohne Licht unterwegs sind, oder im Winter die vereiste Scheibe nicht vollständig frei kratzen, sehen sie zu wenig.» Doch auch die Velofahrer sieht sie in der Pflicht. Sie sollten im Sichtfeld der anderen Verkehrsteilnehmer fahren. Also weiter links, statt am Fahrbahnrand zu kleben. Dies liegt laut Zahner daran, dass viele schimpfen, wenn ein Velofahrer weiter links fährt. «Dabei ist es ihre Pflicht.» Pro Velo Schweiz empfiehlt in Absprache mit dem Bund einen Abstand von mindestens 70 Zentimetern. Würden Velofahrer dies beherzigen, ist es laut Zahner auch kein Problem, wenn ein Autofahrer um die Ecke biegt und unvermittelt ein unbeleuchtetes Velo vor sich hat. «Statt weitere Pflichten einzuführen, sollte besser der gegenseitige Respekt gefördert werden.»

Tipps und Fakten: So werden Velofahrer und Fussgänger sichtbarer

Pro Velo Schweiz und der VCS geben unter www.madevisible.swiss Tipps, wie Velofahrer und Fussgänger sichtbarer werden:
Entfernung: Velos und Fussgänger sind erst erkennbar, wenn die Entfernung noch 25 Meter beträgt. Reflektierende Elemente steigern die Sichtbarkeit auf 140 Meter.

Unfallrisiko: In der Dämmerung und bei Dunkelheit ist das Unfallrisiko dreimal höher als am Tag. Regnet oder schneit es nachts oder blendet Gegenlicht, steigt das Risiko bis auf das Zehnfache.

360 Grad: Velofahrer und Fussgänger sollten von allen Seiten sichtbar sein.

Reflektoren: Besonders wirkungsvoll sind Reflektoren an bewegten Körperteilen. Fussgänger und Velofahrer werden sofort als solche erkannt.

Kreuzen: Um anderen Fahrzeugen Platz zu machen, sollten Zweiradfahrer nicht in Parklücken oder Bushaltestellen ausweichen.

Toter Winkel: Nicht neben den stehenden Fahrzeugen halten, sondern dahinter.

Kreisel: Velofahrer dürfen in Kreiseln in der Mitte der Fahrbahn fahren. (mha)

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