Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

So funktionierte Jeffrey Epsteins Sex-Sklavinnen-Ring

Der mysteriöse Milliardär Jeffrey Epstein hat minderjährige Mädchen für sexuelle Perversionen missbraucht. Er tat dies straff organisiert – und er tat es auch für andere mächtige Männer.
Philipp Löpfe/watson.ch
Bundesstaatsanwalt Geoffrey Berman bei seiner Pressekonferenz, in der er die Anklage gegen Jeffrey Epstein erläutert. (Bild: epa)

Bundesstaatsanwalt Geoffrey Berman bei seiner Pressekonferenz, in der er die Anklage gegen Jeffrey Epstein erläutert. (Bild: epa)

Am Montag haben die Staatsanwälte des Southern District of New York (SDNY) formell Anklage erhoben gegen Jeffrey Epstein. Dem Milliardär wird vorgeworfen, einen eigentlichen Sex-Sklavinnen-Ring unterhalten zu haben.

Die meisten der missbrauchten Mädchen stammen aus prekären Verhältnissen. Einige waren zum Zeitpunkt der Misshandlungen 14 Jahre alt oder gar jünger. Viele von ihnen sind bis heute traumatisiert.

Die Handlung könnte aus einem billigen Krimi stammen: Mächtige, aber scheinbar honorige Männer treffen sich zu perversen Sexpartys auf einer Insel in der Karibik und missbrauchen dort teils minderjährige Mädchen. Organisiert wird das alles von einem Milliardär, der seine Privatjets und Villen zur Verfügung stellt. Hohe Justizbeamte verhindern jahrelang, dass die Schweinereinen aufgedeckt werden.

So weit, so schlecht. Aber wie hat sich das Ganze abgespielt?

Wer ist Jeffrey Epstein?

Der heute 66-jährige Epstein ist in Coney Island im Stadtteil Brooklyn aufgewachsen. Sein Vater war Beamter, zuständig für Parks. Epstein belegte Naturwissenschaftliche Kurse an der New York University, hat sein Studium jedoch nie abgeschlossen.

Epsteins Villa in Manhattan. (Bild: AP)

Epsteins Villa in Manhattan. (Bild: AP)

Zunächst arbeitete Epstein als Mathematiklehrer an einer noblen Privatschule. Eingestellt wurde er vom Vater des umstrittenen Justizministers William Barr. Danach wechselte er zur Investmentbank Bear Stearns (heute Teil der Bank of America). 1981 gründete er seinen eigenen Fund.

Woher stammt sein Geld?

Epstein Businessmodell bestand darin, dass er seine Dienste nur Milliardären anbot. Seine Kunden sind jedoch nicht bekannt, mit einer Ausnahme: Leslie Wexner, ein Textilindustrieller und Besitzer der Unterwäsche-Kette Victoria’s Secret.

Dass Epstein unendlich reich ist, ist unbestritten. Er besitzt die angeblich grösste Liegenschaft in Manhattan, die er von Wexner erworben hat. Daneben hat er Villen in Palm Beach, Paris, eine Ranch im Bundesstaat New Mexico und eine eigene Insel in der Karibik, Little St. James Island.

Zudem steht Epstein eine Flotte von mindestens 15 Privatautos zur Verfügung. Dazu kommen zwei Privatjets, einer davon trug den bezeichnenden Namen «Lolita Express».

Wie Epstein zu seinem sagenhaften Reichtum kam, ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse an der Wall Street. Es existieren jedoch jede Menge Gerüchte, darunter auch, dass Epstein dank seiner Sex-Sklavinnen andere Männer erpressen konnte.

Wie war der Sex-Sklavinnen-Ring organisiert?

Angefangen hat es damit, dass Epstein in Florida Mädchen Geld gegen Massagen bezahlt hat. Die Mädchen mussten sich dabei bis auf die Unterhosen ausziehen und wurden während den Massagen von Epstein befummelt. Mit einigen kam es auch zu Sex.

Die Mädchen wurden angewiesen, weitere Opfer anzuwerben. Nach dem Schneeballprinzip entstand so allmählich ein eigentlicher Ring. Organisiert wurde dieser Ring von Ghislaine Maxwell, der Tochter des verstorbenen Medientycoons Robert Maxwell.

Ghislaine Maxwell (ganz rechts) mit dem Opfer Virginia Roberts (mitte) und dem britischen Prinzen Andrew.

Ghislaine Maxwell (ganz rechts) mit dem Opfer Virginia Roberts (mitte) und dem britischen Prinzen Andrew.

Maxwell ist eine bekannte Grösse in der angelsächsischen High Society und eine langjährige Freundin von Epstein. Unterstützt wurde Maxwell von Sarah Kellen und Nada Marcinkova. Letztere stammt aus Serbien. Epstein soll sie ihren Eltern abgekauft haben.

Epstein und sein Stab haben den Sex-Ring professionell gemanagt. Sie haben die Mädchen rund um den Globus fliegen lassen und dabei minutiös darauf geachtet, wer wo mit wem zu tun hatte. Epsteins inzwischen an Krebs verstorbener Butler Alfredo Rodriguez hat einst das Adressbuch seines Bosses kopiert. Er bot es gegen viel Geld verschiedenen Medien an, wurde ertappt und deswegen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Haben die Mädchen instruiert: Sarah Kellen (links) und Nada Marcinkova.

Haben die Mädchen instruiert: Sarah Kellen (links) und Nada Marcinkova.

In dem Buch finden sich sehr prominente Namen aus Politik, Wirtschaft, Showbusiness und Wissenschaft. Darunter sind Mick Jagger, Henry Kissinger, Dustin Hoffmann, Woody Allen und Larry Summers. Im Brennpunkt steht jedoch vor allem die Frage: Was wusste Epstein über Donald Trump und Bill Clinton?

Was ist mit den Präsidenten Clinton und Trump?

Am Montag veröffentlichte Bill Clinton eine Pressemitteilung. Darin hielt er fest, dass er zwar vier Mal Gast in Epsteins Privatjet gewesen sei. Keiner dieser Flüge habe jedoch die Karibikinsel Little St. James zum Ziel gehabt.

War vier Mal in Epsteins Privatjet unterwegs: Bill Clinton. (Bild: EPA)

War vier Mal in Epsteins Privatjet unterwegs: Bill Clinton. (Bild: EPA)

Clinton hält auch ausdrücklich fest, dass er «absolut nichts gewusst hat über die schrecklichen Verbrechen, zu denen sich Epstein in Florida vor Jahren bekannt hat und für die er nun in New York angeklagt wird.» Im übrigen habe er sei mehr als zehn Jahren nicht mehr mit Epstein gesprochen.

Auch Donald Trump gehörte zum Bekanntenkreis von Jeffrey Epstein. Seine Telefonnummer befindet sich ebenfalls im ominösen Adressbuch. 2002 lobte Trump den Financier als «tollen Typen», der gerne junge Frauen um sich schart. Eine der Sex-Sklavinnen wollte 2016 Trump gar wegen Vergewaltigung anklagen, zog ihre Klage jedoch wieder zurück.

Epsteins Villa in Palm Beach ist bloss rund drei Kilometer von Mar-a-Lago, Trumps Residenz in Florida, entfernt. Epstein war nie Mitglied des Clubs, war lange jedoch ein gern gesehener Gast. 2007 soll ihm Trump jedoch wegen den aufkommenden Sex-Gerüchten den Zutritt verboten haben. Trotzdem soll Epstein immer wieder mal in Mar-a-Lago gesichtet worden sein.

Einst beste Kumpels: Epstein und Trump.

Einst beste Kumpels: Epstein und Trump.

Ghislaine Maxwell war ebenfalls Gast in Trumps Club und hat dort eine der Sex-Sklavinnen, Virginia Giuffre, rekrutiert. Diese hat dort als Garderobenfrau gearbeitet.

Zudem steckt Trump wegen seines Arbeitsministers Alexander Acosta in Schwierigkeiten. Acosta war Bundesstaatsanwalt in Florida und hat mit Epstein einen mehr als dubiosen Deal abgeschlossen. Trotz schwerster Verbrechen kam der Financier damals mit einer milden Gefängnisstrafe davon, die er zudem meist ausserhalb der Gefängnismauern verbringen durfte.

Alexander Acosta (rechts) hat Epstein zu einem Superdeal verholfen. (Bild: AP)

Alexander Acosta (rechts) hat Epstein zu einem Superdeal verholfen. (Bild: AP)

Acostas Rolle in diesem Deal wird nun erneut unter die Lupe genommen. Die Mehrheitsführerin im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi, verlangt bereits seinen Rücktritt.

Wie geht es weiter?

Bei einer Verurteilung droht Epstein eine Gefängnisstrafe von 45 Jahren. Er plädiert auf Unschuld und verweist darauf, dass er seine Strafe mit dem Deal in Florida bereits verbüsst hat.

Es ist wenig wahrscheinlich, dass Epstein gegen Kaution bis zu seinem Prozess wieder auf freien Fuss kommen wird. Zu viel steht auf dem Spiel. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass er verurteilt wird. Zu erdrückend ist die Beweislast – und das SDNY verliert sehr selten.

Enthält Dynamit: Das Adressbuch des verstorbenen Epstein-Butlers Alfredo Rodriguez.

Enthält Dynamit: Das Adressbuch des verstorbenen Epstein-Butlers Alfredo Rodriguez.

Die Frage, die sich daher stellt, ist: Was weiss Epstein? Was für Beweise hat er? Und wird er auspacken? Einige sehr mächtige Männer dürften daher in nächster Zeit sehr schlecht schlafen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.