So funktioniert die Grundstückgewinnsteuer

In der engen Schweiz sind Grundstücke kostbare Güter. Deshalb sind sie auch für den Fiskus attraktiv. Die wichtigsten Antworten zur Besteuerung der Grundstückgewinne.

Andri Rostetter
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Warum wird Boden teurer?

Wer ein Grundstück mit oder ohne Haus verkauft, erzielt damit häufig einen Gewinn. Diese Wertsteigerung hat verschiedene Ursachen. Die wichtigste: Im Gegensatz zu anderen Ressourcen ist Boden nicht vermehrbar, er wird also immer knapper. Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe, Wohnraum, Verkehrsflächen, Freizeitangebote stehen in gegenseitiger Konkurrenz und verstärken die Nachfrage nach Boden. Laut der Schweizer Steuerkonferenz, der Vereinigung der schweizerischen Steuerbehörden, dürfen auch die Aktivitäten der öffentlichen Hand nicht unterschätzt werden. Raumordnung, Erschliessungs- und Planungsarbeiten würden immer mehr öffentliche Mittel verschlingen, was den Wert der betroffenen Grundstücke zusätzlich steigere. Weitere Faktoren wie die Baukostenteuerung und die Geldentwertung verteuern den Boden ebenfalls.

Warum wird der Gewinn besteuert?

Wer Geld verdient, muss Steuern zahlen – auch wenn der Lohn noch so klein ist. Da liegt es auf der Hand, dass ein Gewinn, der weitgehend ohne Arbeit erzielt wird, ebenfalls besteuert wird. Für die Kantone und Gemeinden ist die Grundstückgewinnsteuer zudem eine wichtige Einnahmequelle (siehe oben). Auf Bundesebene sind Gewinne aus privaten Grundstücksverkäufen ausdrücklich steuerfrei.

Wie wird die Steuer berechnet?

In fast allen Kantonen hängt die Höhe des Steuersatzes davon ab, wie lange das Grundstück dem Verkäufer gehörte. Ein Beispiel: Wer heute im Kanton St.Gallen eine 1989 erworbene Immobilie verkauft und dabei einen Gewinn von 200000 Franken erzielt, zahlt eine Grundstückgewinnsteuer von 45500 Franken. Wird der gleich hohe Gewinn nach nur fünf Jahren Besitzdauer erzielt, wird ein Steuerbetrag von 58700 Franken fällig. Der Kanton St. Gallen kennt zudem den erweiterten Eigentumsdauer-Rabatt: Wer als Verkäufer die Immobilie seit Erwerb mindestens 36 Jahre im Eigentum und mindestens 15 Jahre selber bewohnt, wird mit einem zusätzlichen Steuerrabatt belohnt.

Warum wird die Steuer erst beim Verkauf fällig?

Der Gewinn beim Immobilienverkauf geht zwar auf eine kontinuierliche Wertsteigerung zurück. Es ist aber praktisch unmöglich, diese Wertsteigerung kontinuierlich zu besteuern, zum Beispiel jährlich. Deshalb liegt eine einmalige Besteuerung beim Verkauf auf der Hand. Der Gewinn lässt sich so aus der Differenz zwischen dem ursprünglichen Kaufpreis und dem Verkaufserlös berechnen.

Wer erhebt die Steuer?

In den meisten Kantonen wird die Grundstückgewinnsteuer nur durch die Kantone erhoben. In einzelnen Kantonen (OW, FR, BS, SH, GR, JU) gibt es die Steuer sowohl auf Kantons- als auch Gemeindeebene, in den Kantonen Zürich und Zug nur auf Gemeindeebene. Wo nur die Kantone die Steuer erheben, profitieren die Gemeinden indirekt von der kantonalen Steuer.