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Ohne Bagger und ohne Deponien: So entgiften wir unser Ostschweizer Erdreich

Um kontaminierte Böden und Untergründe zu sanieren, müssen nicht immer gleich die Bagger auffahren. Wir erklären vier Methoden anhand regionaler Beispiele aus Widnau, Sargans, Goldach und Horn. Es sind teils teure, aber nötige Massnahmen.
Roman Hertler
Früher war es üblich, Abfälle in Deponien – wie hier im Unterbüel Mörschwil – zu sammeln. Diese müssen heute aufwendig saniert werden. (Bild: Amt für Umwelt Kanton St.Gallen)

Früher war es üblich, Abfälle in Deponien – wie hier im Unterbüel Mörschwil – zu sammeln. Diese müssen heute aufwendig saniert werden. (Bild: Amt für Umwelt Kanton St.Gallen)

Als die Appenzeller Bahnen mit dem Bau des Nordportals des Ruckhaldentunnels begannen, staunten sie nicht schlecht. In den Schrebergärten stiessen sie während der Grabungsarbeiten auf Hunderte Autobatterien und Kühlschränke, die zum Terrassieren des Geländes verwendet wurden. Was heute unvorstellbar ist, war früher gang und gäbe. Was nicht mehr gebraucht wurde, vergrub man.

Ehemalige Abfalldeponien, Industriegebiete, Kugelfänge bei Schiessanlagen, Schrebergärten – das sind die Klassiker unter den verschmutzten Böden und Untergründen. Solange keine Oberflächengewässer oder das Grundwasser verunreinigt werden, kann man die belasteten Standorte oft so belassen, wie sie sind. Drohen grössere Umweltschäden, wird das kontaminierte Material abtransportiert. Schwach kontaminiertes Material wird in Deponien entsorgt. Stark kontaminiertes Material wird recycelt, sprich: chemisch oder biologisch gereinigt. Der grössere Teil wird als Baustoff wiederverwendet, ein kleiner Teil landet ebenfalls auf Deponien.

Es gibt aber Methoden, bei denen das Erdmaterial nicht herausgebaggert werden muss. Solche sogenannten In-situ-Sanierungsverfahren kommen auch in der Ostschweiz zum Einsatz.

1. Air Sparging, Menzi-Areal Widnau

Ins Grundwasser gepumpte Luftbläschen binden Schadstoffe (hier: Chlorkohlenwasserstoffe, CKW) und steigen auf. Die Luft wird abgesaugt und durch Aktivkohlefilter aufbereitet. Der zusätzliche Sauerstoff begünstigt zudem mikrobiologische Abbauvorgänge im Grundwasser.

Ins Grundwasser gepumpte Luftbläschen binden Schadstoffe (hier: Chlorkohlenwasserstoffe, CKW) und steigen auf. Die Luft wird abgesaugt und durch Aktivkohlefilter aufbereitet. Der zusätzliche Sauerstoff begünstigt zudem mikrobiologische Abbauvorgänge im Grundwasser.

Im Januar 2015 ist die traditionsreiche Baggerfirma Menzi Muck von Widnau nach Kriessern umgezogen. In ihrer über 70-jährigen Produktionszeit sind in Widnau einige Altlasten angefallen. Durch die Metallbearbeitung und Entfettungsarbeiten gelangten bis in die 1990er-Jahre Erdöl und chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) in den Untergrund. Zur Sanierung dieser Belastung wurde das sogenannte Air-Sparging-Verfahren gewählt. Die CKW-Sanierung dauerte von 2003 bis 2010. Die Menzi Muck AG hat rund 1 Million Franken in die Untergrundreinigung investiert. Heute entsteht an dieser Stelle ein Wohnbauprojekt.

2. Pump and Treat, Tiefriet Sargans

Regen spült wasserlösliches Carbolineum (Steinkohleteeröl) ins Grundwasser. Dieses wird über Sonden abgesaugt, mechanisch oder biologisch (bakteriell) aufbereitet und wieder in die Umwelt respektive in die Kanalisation geleitet.

Regen spült wasserlösliches Carbolineum (Steinkohleteeröl) ins Grundwasser. Dieses wird über Sonden abgesaugt, mechanisch oder biologisch (bakteriell) aufbereitet und wieder in die Umwelt respektive in die Kanalisation geleitet.

Das Pump-and-Treat-Verfahren kam in Sargans zum Einsatz. Beim Bahnhof im Tiefriet liessen die SBB bis 1918 hölzerne Bahnschwellen imprägnieren. Das dazu verwendete Carbolineum oder Steinkohleteeröl, ein Abfallprodukt der Kohlengasproduktion, ist kubikmeterweise in den Untergrund gesickert. Die Altlast hat man aber erst in den 1970er-Jahren entdeckt. Aber auch da müssen keine Bagger auffahren. Es wurde lediglich das verschmutzte Grundwasser abgepumpt und so weit gereinigt, dass es ins normale Abwasser geleitet werden konnte. 1,5 Tonnen Teeröl wurden aus dem Grundwasser entfernt. Die Sanierung wurde nach sieben Jahren Ende 2017 abgeschlossen und kostete rund zwei Millionen Franken. 60 Prozent bezahlte die Gemeinde, 40 Prozent der Bund.

3. In-situ-chemische Oxidation

Durch die Zuführung starker Oxidantien wie Wasserstoffperoxid (H2O2) oder Ozon (O3) werden die Moleküle organischer Schadstoffe wie Benzol (C6) vollständig zerstört und in Kohlendioxid (CO2) umgewandelt. Oft wird zusätzlich das Grundwasser gereinigt (vgl. 2. Pump and Treat).

Durch die Zuführung starker Oxidantien wie Wasserstoffperoxid (H2O2) oder Ozon (O3) werden die Moleküle organischer Schadstoffe wie Benzol (C6) vollständig zerstört und in Kohlendioxid (CO2) umgewandelt. Oft wird zusätzlich das Grundwasser gereinigt (vgl. 2. Pump and Treat).

Das Sanierungsprojekt mit in-situ-chemischer Oxidation im Rietli in Goldach ist noch im Gang. Hier haben die St. Galler Stadtwerke bis 1969 aus Kohle Gas produziert, wobei Teer und Ammonium, vor allem aber Benzol ins Erdreich einsickerte und das Grundwasser bis heute belastet. Der grösste Teil des belasteten Untergrunds wurde bereits vor rund fünf Jahren ausgehoben. Seit vergangenem Herbst wird nun an jener Stelle, wo die Gaskugeln standen, nachgebessert. Die Stadtwerke rechnen damit, dass die Hotspots bis im Herbst gesäubert sind und gegebenenfalls punktuell noch nachgebessert werden muss, sobald auf dem Areal wieder gebaut wird. Für die Sanierungskosten von gut 5,5 Millionen Franken kamen zum grossen Teil die St. Galler Stadtwerke auf. Die SBB, denen ein Teil des Grundstücks gehörte, beteiligten sich zu 20 Prozent.

4. Elektrothermische Sanierung,
Raduner-Areal Horn

Besonders stark belastete Bereiche werden mittels elektrischer Heizstäbe auf bis zu 600°C erhitzt, sodass organische Schadstoffe verdampfen. Durch Bodenluftabsaugung werden die Schadstoffe (hier: CKW) aus dem Untergrund entfernt. Die Abluft wird gefiltert an die Umwelt abgegeben.

Besonders stark belastete Bereiche werden mittels elektrischer Heizstäbe auf bis zu 600°C erhitzt, sodass organische Schadstoffe verdampfen. Durch Bodenluftabsaugung werden die Schadstoffe (hier: CKW) aus dem Untergrund entfernt. Die Abluft wird gefiltert an die Umwelt abgegeben.

Beim Raduner-Areal in Horn wird über eine eher exotische Variante nachgedacht: Die elektrothermische Sanierung. Die Raduner & Co. AG hat hier ab 1905 Textilien veredelt. Unter der Fabrik haben sich diverse Giftstoffe angesammelt, insbesondere CKW, die sich im Untergrund teils in noch giftigere Stoffe umgewandelt haben. 1989 wurde der Betrieb eingestellt. Das Konkursverfahren wurde allerdings erst 2014 eröffnet. Der einstige Textilveredler weigert sich bisher, die Bodensanierung mitzufinanzieren. In den 1990er-Jahren hat sich die Reto Peterhans AG auf einem Teil des Areals niedergelassen. Der Kanton, das Bundesamt für Umwelt und die Firma Peterhans planen, den Untergrund elektrothermisch zu sanieren, weil so die bestehenden Gebäude nicht abgerissen werden müssen. Allerdings müssen dazu noch ein Bach umgeleitet und Kabel- und Leitungsinstallationen entfernt werden. Die Kosten für das Projekt werden auf über 10 Millionen Franken geschätzt. Geht es nach dem Kanton, sollen davon 90 Prozent Raduner und 10 Prozent Peterhans übernehmen.

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