«So ein Winter ohne Schnee bedroht unsere Existenz»: Ostschweizer Skiliftbetreiber blicken sorgenvoll in die Zukunft

Die Hälfte der Ostschweizer Skilifte kann wegen Schneemangels den Betrieb nicht aufnehmen. Eine künstliche Beschneiung lohnt sich für sie nicht. Ein Besuch bei den Skiliften Vögelinsegg und Beckenhalde.

Cécile Moser, Isabelle Schirmer, Florian Wussmann
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War diese Saison noch keinen Tag in Betrieb: Der Skilift Beckenhalde in St. Georgen

War diese Saison noch keinen Tag in Betrieb: Der Skilift Beckenhalde in St. Georgen

Bild: Urs Bucher
  • Diese Woche haben drei Studierende des Lehrgangs Wirtschaftsjournalismus der Universität St. Gallen die Folgen des Klimawandels für den Ostschweizer Wintertourismus untersucht.
  • Weil der Schnee in den tiefen Lagen ausbleibt, kann die Hälfte der regionalen Skilifte den Betrieb nicht aufnehmen.
  • Besonders vom Schneemangel betroffen sind kleine Skigebiete. Die Kosten für eine künstliche Beschneiung sind für sie zu hoch.

Regionaler Wintersport gefährdet

Als Folge der Erderwärmung verschlechtern sich die Voraussetzungen für eine schneebedeckte Ostschweiz. In den tiefen Lagen verschwinden die weissen Winterlandschaften gar gänzlich, weil die Nullgradgrenze in den letzten Jahren um rund 400 Meter gestiegen ist. Diese Veränderung spüren vor allem die tiefgelegenen Skigebiete. Unter 1000 Höhenmetern wird der Wintersport beinahe unmöglich. Was bedeutet das für unsere Region?

In der Ostschweiz stehen die Lifte still. Wie 45 Prozent der Tagblatt-Instagram-Nutzer richtig erraten haben, können 15 der 29 regionalen Skigebiete den Betrieb nicht aufnehmen. Zu spüren kriegen den Schneemangel vor allem die kleinen Wintersportbetriebe in Stadtnähe. Christof Chapuis, Präsident der Skiliftgenossenschaft Vögelinsegg, sagt:

«Der Lift war diese Saison noch keinen einzigen Tag in Betrieb»

Auch den Betreibern des Lifts Beckenhalde in St.Georgen machen die extremen Wetterschwankungen zu schaffen. «Entweder fällt kein Schnee oder die weissen Massen sind so gross, dass die Präparierung der Piste zu aufwändig wird», sagt Marcel Hurter, Betriebsleiter des Skilifts Beckenhalde. Noch können die jährlichen Fixkosten von 10'000 Franken aus den Reserven gezahlt werden. Falls die Defizite aber weiter zunehmen, wird der Lift schliessen müssen. Besonders traurig wäre das für die kleinen Gäste der Beckenhalde. Vor allem Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren nutzen die Piste im Quartier. Momentan ist einzig auf der Anfängerpiste in Heiden freudiges Kinderlachen zu hören. Diese kann dank künstlicher Beschneiung auch bei warmem Wetter genutzt werden.

Galerie: Ausschnitte der Instagram-Story zum Thema #KeiSchnee

16 Bilder

Kontroverse um den Kunstschnee

Viele Skiliftbetreiber greifen in der Not zu Kunstschnee. Durch Schneekanonen und Pistenbullys werden grüne Hänge in weisse Wunderländer verwandelt. Rund die Hälfte der Schweizer Skipisten wird künstlich beschneit. Schneekanonen und Schneelanzen erzeugen aus Wasser, Luft und Energie funkelnde Eiskristalle. Der Gebrauch dieser Hilfsmittel wird von Umweltschützern und Klimaaktivisten heftig kritisiert. Im Fokus steht vor allem der hohe Energie- und Wasserverbrauch, der bei der Erzeugung von Kunstschnee anfällt.

Auch in der Schweiz werden vermehrt Stimmen laut, die ein Verbot fordern. Dies obwohl hierzulande ausreichend Wasser und Strom vorhanden ist, wie Christian Laesser, Titularprofessor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St.Gallen, weiss. Für kleine Lifte wie die Vögelinsegg oder die Beckenhalde lohnt sich die künstliche Beschneiung wegen der hohen Investitionskosten und dem Ressourcenverbrauch aber kaum. Gemäss Marcel Hurter fallen zur Präparierung der Pisten in der Beckenhalde mit Kunstschnee 70 Arbeitsstunden an. Ein Aufwand, der nicht rentiert.

42 Prozent fahren lieber Velo statt Ski

Statt auf Kunstschnee könnte auch auf Fleece skigefahren werden. In China gibt es Skigebiete, in denen es möglich ist, bei 40 Grad im Schatten den weissen Stoff hinunterzusausen. Dieser Möglichkeit können die Schweizer bislang aber wenig Freude abgewinnen. Lieber geniessen sie die Freuden der schneelosen Berge durch alternative Downhill-Sportarten. Schliesslich macht es auch Spass, mit dem Bike oder Riesentrottinett den Berg hinunterzufahren. Von den Tagblatt-Instagram-Nutzern ziehen 42 Prozent das Velo sogar den Skiern vor. Wer in der Stadt wohnt, besucht an den Wochenenden lieber die Eishalle, den Escape Room oder geht Indoor-klettern.

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