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Smartphone-Banken starten auch in der Ostschweiz

Eine neue Art von Banken konkurrenziert zunehmend traditionelle Institute: Kostenlose Smartphone-Banken, die einzig übers Handy genutzt werden. Doch Ostschweizer Banken sehen sich noch nicht in Bedrängnis, auch wegen ihrer Kunden.
Marlen Hämmerli
Revolut ist eine Smartphone-Bank, die in der Schweiz bereits Kunden hat. N26 will dieses Jahr hierzulande Fuss fassen. (Bild: Alarmy)

Revolut ist eine Smartphone-Bank, die in der Schweiz bereits Kunden hat. N26 will dieses Jahr hierzulande Fuss fassen. (Bild: Alarmy)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Der Blick auf den Kontoauszug Ende Jahr ernüchtert: Zinsen gibt es keine, dafür Gebühren – für die Debitkarte, die ­Kreditkarte, die Kontoführung, weitere Dienstleistungen wie etwa Kontoauszügen auf Papier. Diese Bankgebühren wurden in den vergangenen Jahren angehoben, wie eine Untersuchung des Bundesamts für Statistik zeigt. Seit 2010 sind die Konto- und Depotgebühren um 27 Prozent gestiegen, während die allgemeine Teuerung sank. Das aktuellste Beispiel ist die Postfinance. Seit Anfang Jahr verlangt sie für die Kontoführung fünf Franken pro Monat, unabhängig davon, wie viel Geld auf dem Konto liegt.

Doch nun steigt eine neue Art von Banken in den Wettbewerb ein: sogenannte Smartphone-Banken, bei denen Kunden ihre Konti einzig oder weitgehend über das Handy steuern. Diese Smartphone-Banken bieten nicht nur völlig neue Funktionen an, sondern sie tun dies auch zu einem unschlagbaren Preis: null Franken.

Der Wettbewerb wird intensiver

Smartphone-Banken sind besonders für jüngere Personen attraktiv. Zum einen sind sie mit dem Smartphone aufgewachsen und entsprechend technikaffin. Zum andern ist die Wechselbereitschaft bei Jungen grösser, denn ihre Bankbeziehung besteht in der Regel aus einigen Konti sowie Bezahlkarten. Eingesessene Banken müssen sich also auf zwei Dinge einstellen: einen intensiveren Preiswettbewerb und neue Gewohnheiten der Kunden.

So erledigen 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zwischen 18 und 45 Jahren ihre Bankgeschäfte bevorzugt per Handy oder Tablet, wie kürzlich eine Umfrage des Schweizer Softwareunternehmens Crealogix ergeben hat. Auch das Zahlen im Laden oder beim Coiffure wird gemäss einer Umfrage der Schweizer Nationalbank digitaler. Heute zahlen rund 30 Prozent der 15- bis 34-Jährigen immer oder meist bargeldlos. Gut jeder zweite dieser Altersgruppe erwartet zudem, in fünf Jahren öfters bargeldlos zu zahlen.

Teils ist das Konto bei traditionellen Banken gratis

Was bedeuten diese Entwicklungen für Kunden in der Ostschweiz? Werden hiesige Banken ihre Gebühren senken, um konkurrenzfähig zu bleiben?

Die St. Galler Kantonalbank (SGKB) plane keine Anpassungen der Preise, sagt Mediensprecherin Jolanda Meyer. Und weist darauf hin, das die Kontoführung gratis ist, wenn ein Kunde gewisse Bedingungen erfüllt. Etwa wenn das Guthaben über 10 000 Franken beträgt oder er seine Rechnungen online und die Einkäufe mit der Karte zahlt; beides mindestens einmal monatlich. Nicht enthalten ist die Maestro-Karte.

Praktisch dieselben Konditionen gelten für Acrevis-Kunden. Die Kontoführung ist gratis, wenn der Kunde ausschliesslich das Online-Banking nutzt; die Maestro-Karte kostet jährlich ebenfalls 40 Franken, und wie die SGKB verfolgt Acrevis «einen hybriden Ansatz»: digitale Angebote zum einen, persönliche Beratung zum andern. So hat Acrevis in Rapperswil den ersten «digitalen Schalter» eröffnet. Kunden werden dort per Video empfangen und beraten. Dadurch sind Beratungen auch ohne Termin möglich. Der zweite Schalter dieser Art eröffnet Anfang dieses Jahres in Wil.

Alle setzen auf eine zweigleisige Strategie

Doch nicht nur die SGKB und Acrevis setzten auf die sogenannt hybride Bank, sondern alle von der «Ostschweiz am Sonntag» befragten Institute. Entsprechend bieten sie mindestens eine eigene Onlinebanking-App sowie die Bezahl-App Twint an. Die hybride Bank ist offenbar das Modell der Zukunft. Von der Migros-Bank heisst es, sie ergänze ihre Mobile Banking App laufend mit neuen Funktionen. Die Thurgauer Kantonalbank hat kürzlich ein neues digitales Angebot lanciert – das Online-Kundenportal Olivia, und Postfinance will «das beste aus beiden Welten vereinen» und damit gar «die Nummer eins der digitalen Banken in der Schweiz werden», wie Mediensprecher Johannes Möri schreibt.

Ähnliches strebt offensichtlich die UBS an. Keine der befragten Banken bietet so viele Apps an wie sie. Zwölf sind es im Play Store von Google, 14 im App Store von Apple. «Banking auf dem Smartphone ist bei uns heute schon Realität», sagt Pressesprecher Marco Tomasina, denn die Kunden nutzen die Apps laut Tomasina rege. Die UBS verzeichnet bereits heute mehr Log-ins via Handy als via Desktop. «Rund 40 Prozent unserer Kunden nutzen nur noch das Smartphone als Schnittstelle zur Bank.»

Gleich hinter der UBS bietet die Credit Suisse am meisten Apps an, insgesamt 25. Gut 70 Prozent der Privatkunden nutzen Online-Banking. Die Grossbank ist damit laut Sprecherin Melis Strässner gerüstet gegen die neue Konkurrenz – dank «einer breiten Palette an digitalen Angeboten», aber auch dank diversen Experten, etwa in der Vorsorgeberatung. «Damit ist die CS in der Kundenbetreuung gegenüber reinen Online-Angeboten im Vorteil.»

Der Markteintritt ist eine Chance

Raiffeisen sieht den Markteintritt der Smartphone-Banken als Chance: «Er bietet neue Impulse für ergänzende Angebote», sagt Mediensprecher Dominik Chiavi. Insbesondere durch ihre lokale Verankerung würden sich die Raiffeisenbanken erfolgreich am Markt behaupten. Raiffeisen scheut die Konkurrenz der Smartphone-Banken also nicht, ebenso wenig wie die Appenzeller Kantonalbank (APPKB). Direktor Ueli Manser beruft sich auf die hauseigenen Apps. Die Angebote seien im Gegensatz zu den Smartphone-Banken nicht ganz kostenlos, «dafür können unsere Kundinnen und Kunden uns bei Bedarf auch persönlich und physisch treffen. Dies wird in unserer Region noch häufig nachgefragt.» Die Apps kämen im Appenzellerland besonders bei den Jungen sehr gut an, sagt Manser.«Und sie stehen dem Angebot der Smartphone-Banken in nichts nach.»

Schweizer Kunden wechseln kaum die Bank

Dem stimmt Andreas Dietrich, Bankenprofessor an der Hochschule Luzern, zu: «Die Mobile Banking Apps der hiesigen Banken bieten mehr Funktionen als jene der Smartphone-Banken Zak oder Neon. Zum Beispiel ermöglichen sie Aktienhandel.» Der Punkt bei Smartphone-Banken sei der Preis. Allerdings sind Schweizer Kunden wechselträge und wenig preissensitiv, wie die IFZ-Retail-Banking-Studie 2017 gezeigt hat. «Je nach Bankengruppe wechseln im Jahr nur ein bis zwei Prozent der Kunden», sagt Dietrich. «Auch die Zufriedenheit ist überraschend hoch.»Wobei sie bei den Raiffeisenbanken am höchsten sei, bei den Grossbanken am tiefsten.

Künftig bietet sich unzufriedenen Kunden auf jeden Fall eine neue Alternative. Eine, die laut Dietrich sicherer ist als E-Banking. «Das Problem vieler Leute, die gehackt wurden, ist, dass die Software oder der Virenschutz veraltet waren.» Apps auf dem Smartphone dagegen werden von Kunden in der Regel regelmässig aktualisiert.

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