«Skandalös»: Scharfe Kritik aus dem Toggenburg im Streit um Spital Wattwil - Androhung rechtlicher Schritte

Nächstes Kapitel in der Auseinandersetzung um das Spital Wattwil: Der vom Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbunde verhängte Baustopp verstosse gegen einen klaren Volksentscheid, findet der Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil. Er will nun sogar rechtliche Schritte prüfen. Wie das Spital Wattwil gezielt schlechtgeredet werde, sei skandalös.

Daniel Walt
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Kommt nicht aus den Schlagzeilen: Das Spital Wattwil. (Bild: Mareycke Frehner)

Kommt nicht aus den Schlagzeilen: Das Spital Wattwil. (Bild: Mareycke Frehner)

«Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde arbeitet gezielt auf die Schliessung des Spitals Wattwil hin».

So lässt sich Alois Gunzenreiner, Präsident des Fördervereins Regionalspital Toggenburg Wattwil, in einem Communiqué der Organisation zitieren. Dass der Verwaltungsrat einfach so die Umsetzung des Bauprojekts zur Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil stoppe, verstosse sowohl gegen Treu und Glauben als auch gegen die demokratische Rechtsordnung.

Alois Gunzenreiner.

Alois Gunzenreiner.

«Der Verwaltungsrat agiert hilflos, die Politik muss ihn stoppen!» heisst es in der Mitteilung weiter. Dies mit Verweis darauf, dass das Bauprojekt im Jahr 2014 von den Stimmberechtigten deutlich gutgeheissen worden sei. Alois Gunzenreiner kündigt deshalb an, der Verein werde auch rechtliche Schritte gegen den Verwaltungsrat prüfen.

Vor einer Woche hatte der Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbunde angekündigt, in der Spitalregion Fürstenland Toggenburg müsse drastisch gespart werden. Deshalb werde eine Denkpause für den geplanten Umbau des Bettentraktes C und des Traktes A eingeschaltet.

«Volkswille wird mit Füssen getreten»

Wie der Verwaltungsrat den Volkswillen mit Füssen trete und versuche, öffentliche Meinung und Politik mit «alternativen Wahrheiten» zu manipulieren, sei für den Förderverein skandalös, heisst es im Communiqué weiter. Alois Gunzenreiner hält fest:

«Der Verwaltungsrat redet das Spital Wattwil und die andern Regionalspitäler mit einseitiger Interpretation ausgesuchter Zahlen gezielt schlecht.»

Ebenso unhaltbar ist für den Förderverein der Umgang des Verwaltungsrates mit den Halbjahreszahlen der Spitalverbunde. «Die Interpretation der Zahlen ist einseitig und tendenziös. Das prognostizierte Defizit der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg für 2018 ist zum allergrössten Teil Abschreibungen auf dem Neubau in Wattwil und Einmaleffekten geschuldet», stellt Alois Gunzenreiner fest. Der Bau sei eine Investition in die Zukunft – dass dann zuerst eine Durststrecke folge, sei völlig normal.

«In doppelter Hinsicht inkonsequent»

«Nachdem am Spital Wattwil bereits über 50 Millionen Franken in die Erneuerung des stationären Betriebs investiert wurden, sollen nun die Bauetappen 3 und 4 mit den Tageskliniken nicht realisiert werden – und dies, obwohl als Alternative ambulante Angebote proklamiert werden, für die genau diese Infrastrukturen nötig wären», schreibt der Förderverein weiter. Der Verwaltungsrat sei damit in doppelter Hinsicht inkonsequent.

Für den Förderverein ist klar:

«Das Vorgehen offenbart die wirklichen Absichten. Das Spital Wattwil soll zu Gunsten des Standortes Wil geschwächt werden.»

In Wil wolle der gleiche Verwaltungsrat ein neues Spital bauen, schreibt der Förderverein weiter. Das Grobkonzept rechne dafür mit einem Aufwand von mindestens einer Viertelmilliarde Franken, der Verwaltungsrat bezweifle aber schon jetzt die Wirtschaftlichkeit des Vorschlages.

«Unverzichtbar fürs Toggenburg»

Das Spital Wattwil sei aufgrund der speziellen topografischen und geografischen Situation unverzichtbar für das Toggenburg, erklärt Alois Gunzenreiner weiter. «Das Toggenburg ist die einzige Region im Kanton ohne Hauptverkehrsverbindung zu einem Spital und ohne Privatklinik. Die Hausarztdichte hier ist unterdurchschnittlich. Die Versorgung funktioniert nur im Zusammenspiel mit dem Spital Wattwil.»

3000 Unterschriften für das Spital Wattwil

Der Widerstand gegen die Pläne, das Spital Wattwil zu schliessen, ist gemäss dem Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil breit abgestützt. «Bereits haben 3000 Personen die Petition Pro Spital Wattwil für den Erhalt des Spitals unterzeichnet, ohne dass der Verein die Petition speziell beworben hätte. Das können die Verantwortlichen nicht einfach ignorieren», heisst es in der Mitteilung. Die Petition fordert, dass das Spital Wattwil als Spital mit Notfall- und stationärer medizinischer Versorgung in der Spitalstrategie verankert bleibt.