Sirene reisst Stadt aus dem Schlaf

Nachtruhestörung der besonderen Art in St. Gallen: Im Osten der Stadt heulte in der Nacht auf Mittwoch eine Sirene. Die Folge: Viele besorgte Personen. Die Polizei wehrt sich gegen Kritik, sie habe zu spät über den Fehlalarm informiert.

Daniel Walt
Merken
Drucken
Teilen
Diese Sirene auf dem Dach der Klinik Stephanshorn ging fälschlicherweise los. (Bild: Benjamin Manser)

Diese Sirene auf dem Dach der Klinik Stephanshorn ging fälschlicherweise los. (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. «Wa isch da!? Körend ihr das?» oder «Neue Wecker in SG»: Einträge mit diesem Inhalt wurden in der Nacht auf Mittwoch auf der Facebook-Seite «Du bisch vo St. Gallen, wenn…» gepostet und in der Folge fleissig kommentiert. Auslöser: Kurz nach 1 Uhr war im Osten der Stadt eine Sirene losgegangen – fälschlicherweise, wie sich rund eineinhalb Stunden später herausstellen sollte.

Weitherum zu hören

Bei der Stadtpolizei ging die erste Meldung aus der Bevölkerung laut Sprecher Dionys Widmer um 1.13 Uhr ein. Es folgten zwischen 100 und 200 weitere Anrufe besorgter Bürgerinnen und Bürger. «Auch andere Polizeikorps erhielten Meldungen – etwa die Kantonspolizeien St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden», sagt Widmer. Dies zeigt, dass der Alarm bis über die Stadtgrenzen hinaus zu hören war. Auf Facebook etwa ist die Rede davon, dass er auch in Wittenbach registriert wurde. Widmer vermutet, dass die Sirene auch in der Region Speicher/Speicherschwendi zu hören war.

Hausdienst stellte Sirene ab

Die Sirene, die kurz nach 1 Uhr losging, steht auf dem Dach der Klinik Stephanshorn. Peter Müller vom kantonalen Amt für Militär und Zivilschutz, verantwortlich für die Sirenen auf dem St. Galler Kantonsgebiet, erhielt um 2 Uhr einen Anruf von seinem Sohn, der ihn über den Alarm informierte. Müller selbst hörte das Geheul nicht – er wohnt in Mörschwil. Er begab sich in der Folge zur Klinik, um die Sirene abzustellen, was der Hausdienst dann aber schon erledigt hatte, als er dort ankam.

Zwei Fälle im Thurgau

Peter Müller schätzt, dass die Sirene im Stephanshorn sieben Mal für je zwei Minuten in unregelmässigen Abständen heulte. Aber weshalb? «Das wüssten wir auch gerne», antwortet er. Fest steht: Der Fehlalarm hatte eine technische Ursache – diese muss aber anderswo liegen als bei zwei ähnlichen Vorfällen, die sich in jüngerer Vergangenheit im Kanton Thurgau ereignet haben. Im Thurgau hatte Feuchtigkeit in Schlüsselkasten, bei denen man die Sirene manuell auslösen kann, für die Fehlalarme gesorgt. Die Anlage in St. Gallen verfügt laut Müller aber über keinen solchen Kasten.

Erst im April installiert

Peter Müller ist seit rund 20 Jahren für die Sirenen auf Kantonsgebiet verantwortlich – an einen ähnlichen Vorfall in seinem Rayon kann er sich nicht erinnern. Die elektronische Sirene im Stephanshorn sei erst im April installiert worden, sagt er. Probleme mit ihr habe es bis anhin nicht gegeben. Tagsüber ist das Heulen bei diesem Typ Sirenen gemäss Müller in einem Radius von einem Kilometer gut zu hören. «Nachts, wenn es ruhig ist, reicht es wesentlich weiter.»

«Es braucht breite Abklärungen»

Die Abklärungen zum Grund des Fehlalarms laufen auf Hochtouren. Das kantonale Amt für Militär und Zivilschutz bedauert die Unannehmlichkeiten sehr. Die Sirene soll spätestens am Donnerstagabend wieder betriebsbereit sein. Derweil setzt es auf Facebook und Twitter Kritik: Bürgerinnen und Bürger monieren, es sei zu lange gegangen, bis die Bevölkerung über den Fehlalarm aufgeklärt worden sei – die Mitteilung der Stadtpolizei wurde um 2.27 Uhr verschickt. Sprecher Dionys Widmer: «Bei Alarmen braucht es breite Abklärungen. Es muss beispielsweise zunächst jemand aufgeboten werden, der vor Ort geht und schaut, was los ist.» Bevor man die Bevölkerung über einen Fehlalarm informiere, müsse man sich ganz sicher sein, dass das Losgehen einer Sirene auch wirklich keinen ernsten Hintergrund habe. Einer der Kritiker gab sich auf Twitter am Mittwochmorgen schliesslich versöhnlich: «Ich sehe es jetzt mal positiv, die Sirene hat den ausserplanmässigen Test bestanden», schrieb er mit einem Schuss Ironie.