Simon Ammann nach seinem Entscheid, weiterzumachen: «Nach Peking 2022 ist dann wirklich Schluss»

Simon Ammann verlängert seine Karriere um zwei Jahre. Weil Grossanlässe anstehen. Und weil er in Sachen Material Aufwind verspürt.

Ralf Streule
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Noch einmal Olympische Spiele! Simon Ammann will, wie hier 2002 in Salt Lake City, auch in Peking 2022 mit dabei sein. Es wären seine siebten Winterspiele.

Noch einmal Olympische Spiele! Simon Ammann will, wie hier 2002 in Salt Lake City, auch in Peking 2022 mit dabei sein. Es wären seine siebten Winterspiele. 

Joe Cavaretta / AP

Die Saison der Skispringer endete am 11. März nach dem Qualifikationsspringen in Trondheim abrupt – wie so vieles in diesen Coronatagen. Und viele dachten: Damit hat auch Simon Ammanns grosse Karriere ein abruptes Ende gefunden. Mit 38 Jahren, nach einer sehr durchzogenen Saison, würde der doppelte Doppelolympiasieger doch nicht etwa weitermachen?

Doch, er wird. Um zwei weitere Jahre will der Toggenburger seine 23 Saisons alte Karriere verlängern. Das gab er gestern per Medienmitteilung bekannt. Und lud darauf zur Telefonkonferenz aus seinem Zuhause in Schindellegi. Homeoffice also, auch für ihn. Joggen und einige Übungen müssen derzeit reichen, um nach der Saison die Form aufrecht zu erhalten, sagt er, während Sohn Théodore im Hintergrund nach Zvieri ruft.

Schon früh in der Saison war der Entscheid gefallen

Der eigentlich geplante Höhepunkt der Skispringer in dieser Saison wäre die Skiflug-WM im slowenischen Planica Ende März gewesen; ein Springen, auf das Ammann seine Saison ausgerichtet hatte. Mit dem unschönen, Corona-bedingten Saisonende ohne WM habe sein Entscheid aber nichts zu tun, sagt Ammann. «Mir war schon früh in der Saison klar, dass Planica nicht das Karrierenende sein kann.» Er stellte sich schon im Januar die Frage: Spüre ich weiterhin Antrieb? Ist die Energie weiterhin da? Diese Fragen konnte er mit Ja beantworten – die Aussicht auf zwei WM im kommenden Jahr (Skiflug- plus nordische WM) sowie jene auf Olympia 2022 machten den Rest. «Für mich war auch wichtig, dass grosse Ziele da sind», sagt Ammann. Ziele, die helfen, «im Training noch einmal Extraprozente rauszuholen».

Dazu komme, dass die Entwicklung während der Saison in Sachen Material positiv gewesen sei. Diese Aussage scheint paradox, zumal Ammann die schwächste Saison seit dem Jahr 2000 eingezogen hat. Nur zweimal landete er unter den ersten Zwanzig, er beendete die Saison auf Gesamtrang 35. Dass er dennoch von einer positiven Ausgangslage spreche, habe mit den Fortschritten beim selbst entwickelten Karbonschuh zu tun. Kleine Anpassungen nach der Vierschanzentournee wie auch später in Lahti hätten sich positiv ausgewirkt. Er spricht von einem Lerneffekt, was das Material anbelange. «Da sind wir weitergekommen. Bei diesem Prozess will ich nicht aufhören.»

Steht ein weiterer Skiwechsel an?

Was den Ski anbelangt, tönt Ammann nicht gleich optimistisch. Seit zwei Jahren arbeitet er mit dem kleinen slowenischen Team Slatnar zusammen. Zwar habe ihn der Wechsel 2018 weitergebracht. Er findet aber, dass es bei Materialanpassungen schneller vorwärts gehen müsste. «Ich werde, zwei Jahre vor Olympia, den Fächer in dieser Frage noch einmal auftun.» Ein Wechsel zu Fischer läge auf der Hand, wo Ammann mit Franz Neuländtner eine langjährige Ansprechperson hat.

Auch wenn Ammann das HSG-Betriebswirtschaftsstudium und seine vielen beruflichen Projekte weiter vorantreiben will: Der Entscheid weiterzumachen fühle sich sehr gut an. Weil er ihn, erstmals seit 2014, für mehr als nur eine weitere Saison getroffen habe. Dafür, das macht Ammann schon jetzt klar: Seine Karriere wird nach Olympia 2022 zu Ende sein, oder zumindest am Ende jener Saison. 40 Jahre alt wird Ammann dann sein. Und um die Erfahrung von zwei weiteren Weltcupsaisons reicher.

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