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Umweltfreisinnige in der Politik: Sie werden dauernd verwechselt

Die Umweltfreisinnigen haben ein Identitätsproblem. Trotz gewichtiger Exponenten kennt man das St. Galler Unikum zu wenig – sogar in der FDP. In der Klimadebatte wollen sie sich einen Namen machen.
Noemi Heule
Sind umweltfreisinnig: Regierungsrat Martin Klöti, Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler, Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Parteipräsident Raphael Lüchinger. (Bilder: Regina Kühne, Urs Bucher, Thi May Lien Nguyen)

Sind umweltfreisinnig: Regierungsrat Martin Klöti, Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler, Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Parteipräsident Raphael Lüchinger. (Bilder: Regina Kühne, Urs Bucher, Thi May Lien Nguyen)

Sie sind grün, sie sind liberal, aber bitte nicht grünliberal: Die Umweltfreisinnigen. Seit 25 Jahren politisieren sie im Schatten der FDP, kaum bekannt über die Parteigrenze hinaus. Und plötzlich sind sie gefragt. Plötzlich hat das Klima Konjunktur und mit ihm die Umweltfreisinnigen. Nach dem Wetterumschwung ­innerhalb der FDP, nachdem Parteipräsidentin Petra Gössi einen neuen, einen grüneren Kurs heraufbeschwor, schielt man plötzlich auch aus den Nachbarkantonen auf die Umweltfreisinnigen, bislang ein St. Galler Unikum.

«Was wir jahrelang von unten versuchten, wurde nun von oben herbeigeführt», sagt Raphael Lüchinger, Präsident der Umweltfreisinnigen über den FDP-Kurswechsel. «Bisher fehlte einfach die Initialzündung», ergänzt er. Was diese Zündung ausgelöst hat, die streikenden Schüler, der schmähliche Schiffbruch beim C02-Gesetz im Nationalrat, kann er nicht sagen. Es interessiert ihn auch nicht. Hauptsache sie ist da, die Anerkennung für die Umwelt in der FDP und jene für die Umweltfreisinnigen.

Seit zwölf Jahren ein Identitätsproblem

Sich Aufmerksamkeit in und ausserhalb der Mutterpartei zu verschaffen, lautet denn auch ein bescheidenes Wahlkampfziel der Vereinigung, die mit sechs Namen zu den Nationalratswahlen antritt. 90 Prozent der 150 Mitglieder gehören auch der FDP an, eine der wenigen Ausnahmen ist der Präsident. Die Unterstützung der Partei, auch finanziell, ist heute selbstverständlich, genauso wie Listenverbindungen zwischen FDP und UFS, so die ­offizielle Abkürzung. Das war nicht immer so.

Auf Unverständnis sei sie ­gestossen, als sie sich vor zwölf Jahren auf die Nationalratsliste der Umweltfreisinnigen setzen liess, sagt Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler. Auch mit Listenverbindungen tat sich der Freisinn zunächst schwer. In der FDP habe ihr der grüne Anstrich gefehlt, sagt Stadler, weshalb sie zusätzlich den Umweltfreisinnigen beigetreten sei. Hätte es die Grünliberalen damals schon gegeben, vielleicht wäre sie dort untergekommen, gibt Stadler unumwunden zu. Unter welchem Label sie politisiere, sei ihr nicht so wichtig, sie mache Sachpolitik.

Für andere dagegen sind die Grünliberalen ein wunder Punkt. Seit ihrer Gründung, seit zwölf Jahren, haben die Umweltfrei­sinnigen ein Identitätsproblem. «Die dauernde Verwechslung schmerzt», sagt Raphael Lüchinger. Um die Verwirrung zu verringern, wechselte die Partei 2008 den Namen: von umweltliberal zu umweltfreisinnig. Um sich abzugrenzen, rückte sie damals auch politisch näher zur FDP. Seither kommt ihr in der Partei derselbe Status zu wie den Jungfreisinnigen oder den FDP-Frauen.

Eine Abspaltung ohne Streit

Die Grünliberalen deckten das gesamte politische Spektrum ab, sagt Lüchinger. Die UFS kon­zentrieren sich dagegen auf ­umweltrelevante Themen: Verkehr, Energie, Umweltpolitik und Raumentwicklung. Die Partei präsentiert sich pragmatischer als die Grünen und die Grünliberalen, die ursprünglich im Streit aus den Grünen hervorgingen; «ökologisch, liberal, realistisch», lautet ihr Slogan. Dennoch: «In einigen Themen sind wir uns ähnlich.» Eigentlich hätte es die Grünliberalen seiner Meinung nach gar nicht erst gebraucht. Das Gedankengut sei da gewesen, sagt er und verweist auf die Geschichte, wo die Umweltfreisinnigen die Nase vorn haben: Vor 25 Jahren gingen sie aus der FDP hervor, ohne Streit und ohne Abspaltung. «Die FDP hatte ein Defizit im Umweltbereich», sagt Gründungspräsident Johannes Rutz. Das sei mit ein Grund gewesen, weshalb der FDP die Wähler wegbrachen. Ein Mitglied der ersten Stunde ist Willi Haag. «Klima und Umwelt lassen sich nicht links oder rechts in der politischen Skala verorten», sagt der Altregierungsrat. Er begrüsst deshalb die aktuelle Umweltbewegung, die das Thema von der Parteipolitik entkopple.

Regierungsrat, Stadt- oder Parteipräsident

Willi Haag ist eines der Gesichter und Fürsprecher der Umweltfreisinnigen, genauso wie Imelda Stadler oder Regierungsrat Martin Klöti. Andere sind stillschweigend dabei, kleiden sich lieber im Königsblau der FDP, denn im Waldgrün der UFS: etwa St. Gallens Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Mit Raphael Frei gehört zudem der höchste St. Galler FDP-Vertreter den Umweltfreisinnigen an. «Es ist jedem Mitglied selber überlassen, wie hoch er das Etikett UFS hängen will», sagt Lüchinger. Im Kanton verfüge die Partei über gewichtige Exponenten. National dagegen fehlt ein Aushängeschild, wie es einst Ständerätin Erika Forster war. Liebäugelt die Vereinigung doch damit, auch über die Kantonsgrenze Bekanntheit zu erlangen.

Das könnte auch ohne Galionsfigur gelingen, der Klimadebatte sei Dank. Exponenten der Zürcher FDP überlegen sich eine Organisation namens Umweltfreisinnige nach St. Galler Vorbild, vermeldete die NZZ kürzlich. Parteivertreter des Nachbarkantons nahmen bereits Kontakt auf, freut sich Lüchinger. Noch mehr würde es ihn freuen, sollte die Partei tatsächlich plötzlich ­einen grünen Kurs fahren. Selbst wenn es die Umweltfreisinnigen dann eigentlich gar nicht mehr braucht. «Die Organisation soll nicht zum Selbstzweck werden.» Er hoffe einfach, dass der Sinneswandel das Wahljahr überdaure, und nicht – wie auch schon unter Petra Gössis Vorgänger – sofort verpuffe. «Das Engagement soll nachhaltig sein», sagt er und meint dies für einmal nicht im Sinne von ökologisch.

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