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Sie suchen im Winter den Weg ins Tal – mit tödlichen Folgen: 15 Hirsche in einer Woche bei Bad Ragaz totgefahren

Es ist ein natürliches Phänomen und im Sarganserland und Werdenberg altvertraut: Hirsche sammeln sich im Winter zu Rudeln und lassen sich vermehrt im Tal blicken. In der Region Bad Ragaz mussten nun wegen vielen Unfällen Massnahmen getroffen werden.
Christa Kamm-Sager

Gegen 80 Hirsche sind es, die ein Unbekannter beim Überqueren der Strasse zwischen Gams und Grabs in den letzten Tagen gefilmt hat. Die Aufnahmen machen auf Whatsapp die Runde. Es scheint, als ob die Leitkuh genau weiss, wohin sie will und wo sie für ihr imposantes Rudel einen sicheren Platz finden wird. «Hirsche suchen die Ruhe im Tal im Winter und scharren unter den Bäumen, wo die Schneedecke nicht so dick ist, nach Futter», erklärt Dominik Thiel, Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen.

«Je strenger der Winter, desto grösser das Rudel.»

Viele Unfälle – Polizei erlässt Massnahmen

Nicht immer aber geht es gut aus, wenn Hirsche eine Hauptstrasse überqueren müssen: Die St.Galler Kantonspolizei meldete letzte Woche, dass in den Regionen mit starkem Wildwechsel Massnahmen ergriffen worden seien, um Mensch und Tier zu schützen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wurden örtlich angepasst und semistationäre Radaranlagen aufgestellt. Thiel bestätigt: «Allein in der letzten Woche wurden in der Region Bad Ragaz 15 Hirsche von Autos totgefahren. Weitere wurden gestreift und überlebten verletzt. Vier Autos erlitten dabei einen Totalschaden.» Bislang seien glücklicherweise keine Menschen verletzt worden, heisst es von Seiten der Polizei.

Besonders betroffen seien die Staatsstrassen in Bad Ragaz. Sowohl auf den Verbindungen nach Sargans wie auch nach Mastrils seien deshalb die Höchstgeschwindigkeiten von 80 km/h auf 60 km/h reduziert worden. Zudem habe man einige Warntafeln aufgestellt. Diese Massnahmen bleiben bis zur Besserung der Situation und vorerst maximal 60 Tage in Kraft, teilt die Kantonspolizei am Dienstag mit.

Perfekter Lebensraum für Hirsche

«Die Region Werdenberg, das Sarganserland und die Gegend rund um Bad Ragaz sind ein perfekter Lebensraum für Hirsche», so Thiel. Viele Wälder, Hügel und ruhige Flecken bieten dem Wild Schutz und genügend Nahrung. Aber wenn die Schneedecke geschlossen ist und Skifahrer sowie Schneeschuhläufer in den Bergen unterwegs sind, suchen die Hirsche die Ruhe und Futterquellen im Tal. «Der Hirsch ist ein Steppentier, das sich gerne im Offenland oder an einem Hangfuss aufhält», so Thiel.

Der Hirschbestand im Gebiet Werdenberg sei hoch. «Wir haben zu viele Hirschkühe und weniger männliche Tiere.» Vom Platz her sei ein hoher Wildbestand grundsätzlich kein Problem. Aber die Wälder und die Wiesen seien ja nicht nur für die Tiere da, sondern würden auch forst- und landwirtschaftlich genutzt. «Hirsche verbeissen Jungwald oder schälen die Rinde an Bäumen ab, die dann nur noch als Brennholz genutzt werden können», so Thiel.

«Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Störung des Wilds durch Sportler oder Fussgänger und vermehrten Wildschäden.»

Die Tiere bräuchten im Winter viel Ruhe, damit sie ihren auf dem Minimum laufenden Stoffwechsel nicht unnötig forderten. «Werden sie aufgescheucht, müssen sie mehr fressen», so Thiel.

Nicht wenige Hobbyfilmer- und fotografen sammeln sich jeweils an den bekannten Stellen, wo die imposanten Hirschrudel die Strasse überqueren. «Das ist so lange kein Problem, als dass die Zuschauer in der Nähe der Strasse bleiben. Die Tiere dürfen nicht verfolgt werden. Man muss sie unbedingt in Ruhe lassen», betont der Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei.

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