«Sie sind nicht so empfindlich»

Die Olma stand gestern nachmittag ganz im Zeichen des Schafes. Die ausgewachsenen Tiere bekamen ihre Herbstschur verpasst, die Lämmchen wurden von Kindern geschöppelt. Den Schafschur-Wettbewerb gewann ein Neuseeländer.

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OLMA Schafscheren und Lämmer schöppelen für Kinder bei der Arena (Bild: HANSPETER SCHIESS)

OLMA Schafscheren und Lämmer schöppelen für Kinder bei der Arena (Bild: HANSPETER SCHIESS)

Es ist der bisher kälteste Tag dieses Herbstes; winterlich trockene Luft liegt über der Stadt. Die Olma-Besucher haben sich dick eingepackt, am Tag der Schafe und Ziegen. Die Schafe jedoch müssen heute Wolle lassen: Es ist Zeit für die Herbstschur.

Andreas Fuchs aus Weinfelden ist professioneller Schafscherer, einer von gut zwei Dutzend in der Schweiz. Sein Handwerk hat er in Neuseeland gelernt, dem «sheep-country» des Südpazifiks.

Nein, wegen des kalten Wetters müsse man kein Mitleid mit den Schafen haben, sagt Fuchs. «Schafe sind längst nicht so kälteempfindlich wie wir Menschen.» Und das Scheren im Herbst mache Sinn: «Die Tiere sollen während des Winters im trockenen Stall nicht schwitzen.»

Neuseeländische Technik

In Neuseeland kommen auf einen Einwohner 10 433 Schafe, ein Schafscherer fertigt täglich etwa 200 Schafe ab. Kein Wunder, wurde dort die effektivste Schur-Technik entwickelt: die Bodenschur. Der Schauscherer Stefan Altherr demonstriert seinem gebannten Publikum, wie diese funktioniert. Das Schaf in Embryo-Stellung zwischen die Beine geklemmt, erreicht er mit wenig Aufwand jede Stelle des Schaf-Körpers. Mit heraushängender Zunge lässt das Tier die Prozedur stoisch über sich ergehen.

In der Box gegenüber herrscht dichtes Gedränge: «Lämmle-Schöppele». Der Tierpfleger Beat von Rickenbach füllt geduldig ein Milchfläschchen nach dem anderen, für jedes ungeduldig zappelnde Kind eines. «Jööö, schau mal, das Schwarze.» «Nein, das will ich schöppeln.» Bald sind mehr Kinder als Lämmchen in der Box und ein jedes versucht – mit entschlossenem Gesichtsausdruck, an eines der süssen Jungschäfchen heranzukommen.

Zweiter Platz für Schweizer

Einige tragen mit Schafswolle gefüllte Plastiksäcke mit sich herum – die Reste des eben zu Ende gegangenen internationalen Schafschur-Wettbewerbs. Andreas Fuchs, der für die Schweiz am Start war, ist mit seiner Leistung zufrieden: Zusammen mit einem französischen Konkurrenten landete er auf Platz zwei.

Mit Abstand am schnellsten war, wen wundert's, ein waschechter Neuseeländer. Schlappe dreieinhalb Minuten benötigte der krausköpfige Paul Hamer, um drei Schafe von ihrer dichten Wolle zu befreien.

OLMA Schafscheren und Lämmer schöppelen für Kinder bei der Arena (Bild: HANSPETER SCHIESS)

OLMA Schafscheren und Lämmer schöppelen für Kinder bei der Arena (Bild: HANSPETER SCHIESS)

Schauscherer Stefan Alther schert die Schafe langsam, aber gründlich. Am effektivsten funktioniert das, wenn das Schaf in Embryo-Stellung zwischen die Beine geklemmt wird. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Schauscherer Stefan Alther schert die Schafe langsam, aber gründlich. Am effektivsten funktioniert das, wenn das Schaf in Embryo-Stellung zwischen die Beine geklemmt wird. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Szenen aus dem Olma-Schafstall: Das Lamm entlockt dem Publikum ein kollektives Jööö, Kinder tragen die ergatterte Wolle in Säcken mit sich herum, ein Bub posiert beim «Schöppelen». (Bild: HANSPETER SCHIESS)

Szenen aus dem Olma-Schafstall: Das Lamm entlockt dem Publikum ein kollektives Jööö, Kinder tragen die ergatterte Wolle in Säcken mit sich herum, ein Bub posiert beim «Schöppelen». (Bild: HANSPETER SCHIESS)

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