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Sie schweigt und kandidiert: Warum die St.Galler SVP-Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder wieder nach Bern will

Barbara Keller-Inhelder findet die Debatten im Nationalrat «absurd». Dennoch tritt die Rapperswilerin wieder zur Wahl an – und fordert einen Systemwechsel. Dass Esther Friedli mit auf der SVP-Liste steht, macht ihr keine Sorgen.
Adrian Vögele
Barbara Keller-Inhelder ist im Nationalrat fast immer präsent, redet aber selten mit. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Barbara Keller-Inhelder ist im Nationalrat fast immer präsent, redet aber selten mit. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Wenn Politiker polarisieren, dann meistens mit mündlichen Aussagen. Je lauter, desto eher. Für Barbara Keller-Inhelder gilt das nicht. Die St.Galler SVP-Nationalrätin polarisiert mit ihrem Schweigen. Seit 2015 sitzt sie im Parlament, in der ganzen Legislatur stand sie dreimal am Rednerpult. Das ist selbst für Neugewählte und selbst in einer grossen Fraktion wie der SVP sehr wenig: Der Ausserrhoder David Zuberbühler, ebenfalls seit vier Jahren im Rat und nicht unbedingt als politischer Heisssporn bekannt, kommt auf 20 Voten.

Keller-Inhelders Zurückhaltung erstaunt gerade deshalb, weil sie mit einer eisernen Disziplin einhergeht: Die Rapperswilerin ist so gut wie immer im Ratssaal anwesend, hört sich fast alle Voten an, verpasst kaum eine Abstimmung. Mitreden will sie meist nicht, weil sie den Ratsbetrieb absurd findet, wie sie sagt. Alle Entscheidungen würden bereits im Vorfeld der Session getroffen, die «sogenannten Debatten» würden am Resultat in der Regel nichts mehr ändern. Diese Kritik hat Keller-Inhelder im Magazin «Schweizer Monat» detailliert dargelegt und eine grosse Reform verlangt. So schlägt sie vor, dass die Debatte und die Abstimmung über ein Thema getrennt stattfinden, in zwei aufeinander folgenden Sessionen. Auch der «gehässige Schaukampf mittels Zwischenfragen» im Rat gehöre abgeschafft.

«Seriös, fleissig, kein Schwergewicht»

Dass Keller-Inhelder trotz ihrer Vorbehalte wieder zur Wahl antritt, löst bei manchen Parlamentsmitgliedern Kopfschütteln aus. Wenn sie das System derart scharf kritisiere, müsse sie sich schon fragen, ob sie am richtigen Ort sei, lautet eine Reaktion von links. Bürgerliche Politiker in- und ausserhalb der SVP-Fraktion attestieren ihr Fleiss und Seriosität, auch wenn sie sicher nicht zu den Schwergewichten der Fraktion gehöre. Es sei legitim, dass es Parlamentarier «mit unterschiedlichen Temperamenten» gebe, sagt Roland Rino Büchel (SVP). Mit Keller-Inhelders Fundamentalkritik ist er nicht einverstanden. «Es gehört zu unseren Aufgaben, der Regierung unangenehme Fragen zu stellen.» Hingegen teile er die Ansicht, dass die mediale Selbstinszenierung mancher Politiker unnötig sei.

Keller-Inhelder, die 15 Jahre Kantonsrätin war und 2008 von der CVP zur SVP wechselte, sieht in ihrer «Parlamentskritik» und der erneuten Kandidatur für den Nationalrat keinen Widerspruch. Sie wolle einerseits das System verbessern und sei derzeit daran, eine Mehrheit für ihre Reformvorschläge zu gewinnen. Andererseits wolle sie «weiterhin inhaltlich arbeiten». Bekannt wurde Keller-Inhelder mit ihren Aktivitäten gegen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Das Thema hat viel dazu beigetragen, dass die Rapperswilerin vor vier Jahren den Sprung nach Bern schaffte – und sie will sich weiter dafür einsetzen. Die Volksinitiative, welche die Kompetenzen der Kesb einschränken will, ist allerdings noch nicht zustande gekommen.

Ein Programm mit klassischen SVP-Themen

Als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission ist Keller-Inhelder im vergangenen Jahr erstmals in Erscheinung getreten – als sie für die Aufstockung der Grenzwacht weibelte. Künftig will sie unter anderem eine Reihe von Vorschlägen für den Asylbereich vorantreiben: Das Asylbudget soll nicht hierzulande ausgegeben werden, sondern in den Herkunftsregionen der Flüchtlinge und in Drittstaaten sinnvoll eingesetzt werden. Auch in die EU-Debatte werde sie sich einbringen. Mit diesen Absichten ist die 50-Jährige in der SVP jedoch nicht allein. Mike Egger beispielsweise – 2015 nicht gewählt, weil ihm Keller-Inhelder um wenige Stimmen überlegen war –, ist inzwischen für Toni Brunner nach Bern nachgerückt und hat in seinen ersten zwei Sessionen schon diverse Vorstösse zum Asylwesen und zur EU eingereicht.

Keine Angst vor Esther Friedli

Dass es bei den Wahlen im Herbst knapp werden könnte, ist Keller-Inhelder bewusst. «Der SVP werden Sitzverluste prognostiziert, da muss man auch mit einer Nichtwahl rechnen», sagte sie vor kurzem gegenüber der «Linth-Zeitung». Gemunkelt wird, dass sich ihre Chancen verschlechtert haben, weil mit Esther Friedli eine bekannte SVP-Frau mit auf der Liste steht. Keller-Inhelder sieht das nicht so: «Wir haben völlig unterschiedliche Profile.» Und: Einen Wahlkampf im herkömmlichen Sinn wird Keller-Inhelder nicht führen. Sie wolle die Wähler durch die Inhalte ihrer politischen Arbeit gewinnen, etwa mit Referaten und Artikeln zu Sachthemen. «Andere sind seit Monaten damit beschäftigt, ihre Plakate, Inserate und Flyer zu gestalten und zu verteilen und sich auf Social Media anzupreisen – das liegt mir nicht.»

Sollte es mit der Wiederwahl nicht klappen, werde ihr die Arbeit nicht ausgehen, sagt Keller-Inhelder, die eine Beratungsfirma betreibt. Die Liste ihrer Engagements ist lang: Sie reicht vom Vizepräsidium der Aktion für eine unabhängige und neu­trale Schweiz (Auns) über Ämter im Bildungsbereich und die Begleitung von Jugendlichen in schwierigen Verhältnissen bis hin zum Retten und Vermitteln von Strassenhunden – solchen mit «Migrationshintergrund», wie es auf Keller-Inhelders Website heisst.

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