Neues St.Galler Zentrum für Freiwilligenarbeit: Sie machen die lästigen Vereinsjobs

Benevol St.Gallen will mit einem Servicezentrum gemeinnützige Organisationen von Routineaufgaben befreien.

Michael Genova
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Geschäftsführer Peter Künzle auf der Baustelle des neuen Benevolparks.

Geschäftsführer Peter Künzle auf der Baustelle des neuen Benevolparks.

Bild: Ralph Ribi

Der Turnverein sucht vergeblich nach einer neuen Kassierin, dem Quartierverein fehlt seit langem ein Verantwortlicher für die Mitgliederverwaltung, und die Kulturstiftung braucht eine neue Website. Freiwillige zu finden, wird immer schwieriger. Und immer weniger sind bereit, auch lästige Pflichtaufgaben zu übernehmen.

In genau diese Lücke springt die Stiftung Benevol St.Gallen mit der Gründung des Benevolparks, des schweizweit ersten Servicezentrums für Vereine und gemeinnützige Organisationen. Peter Künzle, Geschäftsführer von Benevol St.Gallen, sagt:

«Wir wollen Vereinsvorstände entlasten, damit sie sich auf den Kern ihrer Arbeit konzentrieren können.»

Vereine können ihre Administration auslagern

Ab dem 1. Juni bezieht Benevol St.Gallen die neuen Räume an der St.Leonhardstrasse 45, in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs St.Gallen. Auf 480 Quadratmetern entsteht zurzeit eine Bürogemeinschaft mit 30 Arbeitsplätzen, Sitzungszimmer, Begegnungsraum und einer gemeinsamen IT-Infrastruktur.

Im Benevolpark können Vereine und gemeinnützige Institutionen einerseits Räume und Arbeitsplätze mieten und andererseits gegen Bezahlung auf Dienstleistungspakete zurückgreifen. Unterstützung erhalten sie in den Bereichen Büromanagement, Marketing und Kommunikation, Buchhaltung, Fundraising, Mitgliederverwaltung sowie Veranstaltungsplanung. Ein Teil dieser Dienstleistungen will Benevol St.Gallen mit eigenen Mitarbeitern erbringen. Zusätzlich sollen externe Partner an Bord geholt werden. So sei man etwa in Gesprächen mit Treuhändern, die günstige Buchhaltungslösungen anbieten könnten, sagt Peter Künzle.

Das Angebot richtet sich an eher grössere Vereine oder Institutionen. Als Beispiele nennt Künzle einen Sportclub mit 400 Mitgliedern, der seine Buchhaltung und Mitgliederverwaltung auslagern möchte. Oder eine Stiftung, die viel Geld für ein eigenes Büro ausgibt und künftig einen günstigeren Arbeitsplatz im Benevolpark mieten könnte. Zurzeit läuft die Suche nach Mietern und Kunden. Es hätten sich bereits mehrere Interessenten gemeldet, sagt Peter Künzle. Die Kosten für den ­Aufbau des Benevolparks betragen rund 600 000 Franken. Daran beteiligt haben sich Stadt, Lotteriefonds und Private. Im laufenden Betrieb soll der Benevolpark künftig einen Gewinn abwerfen.

Bei der Ausarbeitung des neuen Angebots wird Benevol St.Gallen von einem Team der Fachhochschule St.Gallen unterstützt. Andreas Laib, Dozent für Soziale Arbeit an der Fachhochschule St.Gallen, sieht in der Vernetzung der gemeinnützigen Organisationen eine grosse Chance. «Wir müssen das Wissen der Freiwilligen möglichst breit nutzen», sagt er. In Zukunft würden Probleme noch stärker in Form von Netzwerken gelöst, ist er überzeugt. So könnten etwa bei der Planung eines Altersheims freiwillige Helfer bereits von Anfang an einbezogen werden.

Antwort auf Krise der Freiwilligenarbeit

Mit der Gründung des Benevolparks reagiert Benevol St.Gallen auch auf die Veränderungen in der klassischen Freiwilligenarbeit. Wer sich heute engagiere, wolle keine langfristigen Verpflichtungen eingehen, sondern eher Kurzeinsätze leisten, sagt Peter Künzle. Oft müssten Freiwillige Aufgaben übernehmen, die ausserhalb ihrer Kerntätigkeiten liegen. Künzle sagt:

«Das führt längerfristig zu Überforderung oder Ausbrennen.»

Der Benevolpark könne mit der Auslagerung zeitraubender Aufgaben helfen, Kapazitäten für das Kerngeschäft freizulegen.

Zu einem ähnliche Schluss kommt das Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI in einer Studie zur Zukunft der Freiwilligenarbeit: «Die neuen Freiwilligen wollen nicht mehr nur Gratisarbeiter sein, sondern mitdenken und mitbestimmen können». Die Studienautoren empfehlen deshalb administrative Aufgaben auszulagern. Denn: «Routine unterwandert das Gefühl der Sinnhaftigkeit.» Grosse Hoffnungen setzt das GDI zudem in die Digitalisierung. Wenn sich ein Grossteil der Routineaufgaben nämlich automatisieren liesse, bliebe Freiwilligen mehr Zeit für anspruchsvollere Aufgaben.

Benevol St. Gallen

Benevol St.Gallen ist eine regionale Fachststelle für Freiwilligenarbeit. Die Stiftung wurde im Jahr 2012 gegründet und unterstützt gemeinnützige Organisationen und Vereine beider Suche nach freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mit dem Prix benevol würdigt die Stiftung jedes Jahr das Engagement der Freiwilligen in der Region. (mge)

Weitere Informationen unter: www.benevolpark.ch