Sie kamen am helllichten Tag

ST. GALLEN. Ins Haus einer 43jährigen Frau aus der Stadt St. Gallen ist vor kurzem eingebrochen worden. «Seither ist mein Sicherheitsgefühl ein Stück weit dahin», sagt sie. Sie sei schreckhaft geworden.

Jeanette Herzog
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Die Spuren des Einbruchs sind am Fensterrahmen noch sichtbar. (Bild: jhe)

Die Spuren des Einbruchs sind am Fensterrahmen noch sichtbar. (Bild: jhe)

Sie habe zwar sofort alles aufgeräumt und geputzt, sagt die 43jährige St. Gallerin, ein mulmiges Gefühl habe sie aber immer noch. Deswegen möchte sie unerkannt bleiben. Die Angst, dass erneut in ihr Haus eingebrochen werden könnte, ist gross – zumal sie auch bald in die Ferien fährt.

Vor drei Wochen ist es passiert, am helllichten Tag. «Ich war im Büro, als meine Nachbarin anrief. Es war vier Uhr nachmittags. Sie sagte mir, dass zwei Personen seit längerer Zeit vor meiner Tür stünden. Die Situation kam ihr verdächtig vor. Sie wollte wissen, ob ich Besuch erwarte. Ich verneinte und bat sie, die Polizei anzurufen.» Noch während die aufmerksame Nachbarin mit der Polizei telefonierte, beobachtete sie, wie eine Person in der Küche stand und schaute, ob jemand kommt. Eine zweite Person durchsuchte das Haus.

Schmuck gestohlen

Viel Zeit blieb den Einbrechern nicht. Als sich die Polizei näherte, flohen sie über den Garten und rannten die Wiese hinab. «Die Polizei erwischte sie auf der Quartierstrasse.» Es waren zwei Mädchen, 14- und 16jährig, serbischer Herkunft. Mit einem Schraubenzieher war es ihnen gelungen, ein Terrassenfenster zu öffnen. «Mein Kleiderkasten war ausgeräumt und das Badezimmer durchwühlt», erzählt die 43-Jährige, die sich gleich nach dem Anruf der Nachbarin auf den Heimweg machte. «Sie stahlen wahllos Schmuck, wertvolles und wertloses. Darunter war ein besonders schöner und teurer Anhänger, den ich geschenkt bekommen hatte.» Insgesamt belief sich das Diebesgut auf mehrere tausend Franken. Ihre Wertgegenstände hat sie inzwischen wieder zurückerhalten – ihre Sicherheit aber nicht.

Spuren der Tat noch sichtbar

«Es ist schwer vorzustellen, dass es Kinder waren, die in mein Haus eingedrungen sind», sagt die 43jährige Hausbesitzerin. Das vereinfache die Situation aber nicht. «Ob es nun Mädchen oder Männer waren, die in meine Privatsphäre eingedrungen sind, spielt keine Rolle», sagt sie, «mein Sicherheitsgefühl ist ein Stück weit dahin.»

Kurz nach dem Einbruch sei sie sehr schreckhaft gewesen, wenn das Holz im Haus geknarrt habe oder eine Jacke von der Garderobe gefallen sei. Heute gehe es ihr schon besser. Jeden Morgen aber, wenn sie ihren Kleiderschrank öffne, müsse sie wieder daran denken. Auch ein Blick auf das Terrassenfenster lässt sie noch immer erschaudern. Das zerborstene Glas wurde in der Zwischenzeit ausgetauscht. Am Fensterrahmen aber sind die Spuren noch immer sichtbar. Die beiden Mädchen wurden inzwischen schuldig gesprochen, so viel hat die Staatsanwaltschaft der Hausbewohnerin mitgeteilt. Welche Strafen sie erhalten haben, weiss sie aber nicht.

Auf die Nachbarn ist Verlass

Die 43-Jährige bewohnt ihr ehemaliges Elternhaus in St. Gallen seit Jahren alleine. «Ich bin kein ängstlicher Typ», sagt sie. Ein Umzug komme auch jetzt nicht in Frage. Sie versuche, nicht daran zu denken, dass erneut Einbrecher einsteigen könnten. «Ich will mich ja nicht verrückt machen lassen.» Gedanken über Sicherheitsmassnahmen mache sie sich aber schon. Den Schmuck werde sie künftig sicher besser verstecken. Ein Hund sei kein Thema, eine Alarmanlage schon. Doch ein Überwachungssystem nütze wohl auch nur bedingt etwas. «Letztlich kommen die Einbrecher sowieso überall hinein, wenn sie wollen. Ich bin froh, dass ich nicht Zuhause war, als sie kamen. Das wäre noch viel schlimmer gewesen.»

Ansonsten bleibe sie bei ihren bisherigen Sicherheitsvorkehrungen. Eine Zeitschaltuhr sorgt am Abend für Licht im Haus. Und während ihrer Ferien bittet sie jemanden, den Briefkasten zu leeren und den Schnee zu räumen. Auch wenn sie sich nicht besonders nahe stehen würden, auf die Nachbarn sei Verlass.

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