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Sie hat 100 Kilo abgenommen und ist knapp dem Tod entkommen

186 Kilo brachte Magdalena Caduff einst auf die Waage. Nach einem langen Leidensweg und mehreren Operationen hat sie 100 Kilo verloren – und umso mehr gewonnen. Das ist ihre Geschichte.
Linda Müntener
Magdalena Caduff vor dem Kantonsspital St.Gallen. Dort habe sich ihr Leben verändert, sagt sie. (Bild: Urs Bucher)

Magdalena Caduff vor dem Kantonsspital St.Gallen. Dort habe sich ihr Leben verändert, sagt sie. (Bild: Urs Bucher)

Als Magdalena Caduff eines Morgens vor dem Spiegel steht, kommen ihr die Tränen. «Bin das wirklich ich?». Sie schaut sich an, von oben bis unten, wieder und wieder. Ihr gefällt, was sie sieht. Und dann wird ihr zum ersten Mal so richtig bewusst: «Ich habe 100 Kilogramm abgenommen.»

186 Kilogramm wog Magdalena Caduff vor zehn Jahren. Heute sind es 86 Kilogramm. Die Frau auf dem Bild, das sie in der Hand hält, sieht aus wie eine andere Person. Magdalena Caduff ist darauf nicht wiederzuerkennen. Die Frau aus Jona, gross, kurzes dunkles Haar, dunkelrosa geschminkte Lippen, sitzt an diesem Nachmittag in der Kantine des Kantonsspitals St.Gallen. Das Spital ist der Ort, an dem sich ihr Leben verändert hat. Sie hat ihn bewusst für das Gespräch ausgewählt. Denn mit ihrer Geschichte will die 57-Jährige anderen Übergewichtigen Mut machen. Jeder kann es schaffen, sagt Magdalena Caduff. «Es ist nie zu spät.»

Wegen eines Magenbands in Lebensgefahr

Mit ihrem Übergewicht hatte Magdalena Caduff seit ihrer Kindheit zu kämpfen. Sie litt unter dem Spott der Leute, unter ihren Blicken. Die Kilos schlugen ihr auf die Gelenke, sie hatte Kreislaufprobleme, Kniearthrose und konnte sich zuletzt nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Sie wollte etwas ändern. Doch eine Diät nach der anderen brachte keinen Erfolg. So entschied sie sich für eine Operation.

Magdalena Caduff vor zehn Jahren. (Bild: zVg)

Magdalena Caduff vor zehn Jahren. (Bild: zVg)

Im Jahr 1998 legten ihr die Ärzte ein Magenband, ein weiches Band um den oberen Teil ihres Magens. Durch den engen Durchgang werden Nahrung und Flüssigkeit nach der Mahlzeit von der kleineren oberen Magentasche in den Rest des Magens geleitet. Da der obere Teil schnell gefüllt ist, wird die Patientin schneller satt. Das Magenband wird heute immer weniger angewandt, weil es nur in ausgewählten Fällen gut verträglich ist. Auch Magdalena Caduff hatte Probleme damit. Ihr Magenband verrutschte. Sie konnte nichts mehr essen, ohne zu erbrechen. In einer Not-Operation musste das Band entfernt werden. «Es war Rettung in letzter Sekunde», sagt Magdalena Caduff. Danach nahm sie nicht mehr ab. Sie nahm wieder zu. Doch sie gab nicht auf.

Diagnose Krebs: «Es muss sich etwas ändern»

Aufstehen, kämpfen, nicht aufgeben. Dieses Credo begleitet Magdalena Caduff seit ihrer Geburt. Mit der Nabelschnur um den Hals, blau angelaufen, kam die Tochter ungarischer Eltern in Wattwil zur Welt. Als Säugling litt sie unter schwerem Keuchhusten. Die Ärzte gaben ihr keine Chance, doch sie überlebte. Nur drei Jahre später erkrankte sie an einer Lungenentzündung, lag Wochen im Spital, erholte sich wieder, zumindest körperlich. Magdalena Caduff hatte in ihrem Elternhaus eine schwierige Kindheit, die seelische Narben hinterlassen hat.

Ihr Weg hat sie gezeichnet. Er hat sie stärker gemacht. «Ich war immer selbständig und wollte immer alles alleine schaffen», sagt die 57-Jährige. Als sie im Rollstuhl sass, hätte sie Anspruch auf eine Betreuung durch die Spitex gehabt. Magdalena Caduff lehnte ab.

Diese Stärke sollte sie bald brauchen. Denn das Schicksal meinte es ein weiteres Mal nicht gut mit ihr. Vor zehn Jahren erhielt sie die Diagnose Schilddrüsenkrebs. Ihr körperlicher Zustand war damals derart kritisch, dass die Ärzte befürchteten, sie würde die nötige Operation nicht überstehen. Einmal mehr überstand sie einen riskanten Eingriff. Doch an diesem Punkt wurde ihr endgültig klar: «Es muss sich etwas ändern.»

Nach der zweiten Operation geht es bergauf

Trotz der schlechten Erfahrungen entschied sie sich für eine weitere Operation. Im Jahr 2010 entfernten ihr Ärzte im Kantonsspital St.Gallen den grössten Teil ihres Magens und bildeten den restlichen Teil zu einem Schlauch, einem sogenannten Schlauchmagen. Ihr Essverhalten musste sie von nun an komplett umstellen. «Ich musste lernen, zu verzichten und bewusst zu essen», sagt Magdalena Caduff. Süsses gehört seither nicht mehr auf ihren Speiseplan. Das gönnt sie sich nur noch ab und zu.

Magdalena Caduff bleibt hart, diszipliniert sich selber, bewegt sich regelmässig. Das zeigt Wirkung. Sie verliert Kilo um Kilo. Im Jahr 2017 erhielt sie auf der rechten Seite ein neues Kniegelenk, in diesem Jahr wurde auch das linke Kniegelenk durch eine Prothese ersetzt. Die beiden Operationen sind ihrem Arzt so gut gelungen, dass sie wieder normal aufrecht gehen kann. Noch vor ein paar Jahren hätte sie das nicht für möglich gehalten. Ihrem Arzt werde sie dafür ein Leben lang dankbar sein. «Er hat zu meiner psychischen Gesundheit ganz viel beigetragen und liegt mir sehr am Herzen.» Unterstützung bekommt sie auch durch ihren Glauben und die Gemeinschaft in der Kirche. Mit all dieser Kraft hat sie auch den Krebs besiegt.

Magdalena Caduff hat eine neue Lebensqualität, die sie einst verloren glaubte. Sie gefällt sich selber wieder, schminkt sich, achtet auf ihr Äusseres. Und sie geht wieder gerne unter die Leute. Seit kurzem besucht sie einen Italienisch-Kurs und nimmt Gesangsunterricht. Natürlich gebe es Auf und Abs, sagt Magdalena Caduff. Sie ist noch immer eingeschränkt. Für Strecken über einen Kilometer ist sie auf ihren Electro-Scooter angewiesen. Aber es gehe ihr gut. Und sie ist stolz auf sich. «Der Kampf hat sich gelohnt.»

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