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«Von der ersten Sekunde an angefressen»: 66-Jährige fährt am Bergrennen Hemberg mit

Lisbeth Buser aus Herisau gehört zu den erfahrensten Frauen im Schweizer Rennsport. Am Wochenende nimmt sie am Bergrennen Hemberg teil. Zum Unfall des «Top Gear»-Moderators Richard Hammond im vergangenen Jahr hat sie eine klare Meinung.
Katharina Brenner
Lisbeth Buser mit Köbi, ihrem Opel Kadett C aus dem Jahr 1976, mit dem sie am Bergrennen Hemberg teilnehmen wird. Bild: Hanspeter Schiess

Lisbeth Buser mit Köbi, ihrem Opel Kadett C aus dem Jahr 1976, mit dem sie am Bergrennen Hemberg teilnehmen wird. Bild: Hanspeter Schiess

In ihrer Garage steht ein altes Postauto. Lisbeth Buser und ihr Partner haben es vor über 20 Jahren zu einem Wohnmobil umgebaut – mit Herd, Dusche, Bett, WC. Damit fahren sie zu Rennen in ganz Europa. Hinten jedes Mal mit dabei: Köbi. Ein Opel Kadett C, zwei Liter, 200 PS, acht Ventile, Baujahr 1976. An der Innenseite der Fahrertür klebt ein Marienkäfer aus Plastik.

Lisbeth Buser hatte nicht immer Glück. Bei einem Rennen Mitte der 1990er Jahre auf dem Hockenheimring kam sie von der Fahrbahn ab. Ihr Wagen überschlug sich, die Scheibe zersprang, Busers linker Arm hing aus dem Fenster heraus. Er wurde eingeklemmt,
als das Auto auf dem Dach zum Liegen kam. Zwei Wochen verbrachte Buser in der Uniklinik Mannheim. Dachte sie damals ans Aufhören? «Ich wollte mir so viel Zeit nehmen, wie ich brauchte.» Keine vier Monate später besuchte sie eine Rennwagenausstellung. Da war klar: Sie fährt wieder.

Am Samstag nimmt Buser am Bergrennen Hemberg teil. «Mit 66 Jahren» – Buser stimmt den Schlager an. Fängt da das Leben an? Nein, ihr sei es schon vorher sehr gut gegangen. Buser wohnt mit ihrem Partner Rolf Ehrbar, Schweizer Meister im Tourenwagen-Rennsport 2006, und den beiden Katzen in Schachen bei Herisau. Sie ist eine der ältesten Frauen im Schweizer Motorsport mit einer nationalen Rennlizenz. Nur drei sind gemäss Auto Sport Schweiz älter: Zwei sind 71, eine ist sogar 80 Jahre alt.

Geschwindigkeiten bis zu 170 Kilometer pro Stunde

Am Bergrennen Hemberg reicht die Altersspanne bei den Männern von 20 bis 70. Buser ist die erfahrenste Teilnehmerin. Sie war auch eine der ersten Frauen, die in der Schweiz Rennen fuhr. Ob sie es nicht einmal ausprobieren wolle, habe ihr Partner gefragt. Das war vor 36 Jahren. «Ich war von der ersten Sekunde an angefressen», erinnert sich Buser. Sie fasziniert die Geschwindigkeit. Bei Rennen wie dem in Hemberg fährt sie Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometer pro Stunde.

«Als ich mit dem Rennsport anfing, waren Frauen Beigemüse am Fahrbahnrand.» Offene Anfeindungen oder sexistische Kommentare habe sie zwar nie gehört. Doch sie habe gespürt, dass nicht allen männlichen Kollegen passte, dass eine Frau Rennen fuhr. Heute sei das anders, die Kameradschaft gross und Frauen im Rennsport selbstverständlich. Viele sind es aber nicht: Gerade mal vier Frauen sind unter den 185 Anmeldungen für Hemberg.

Das Bergrennen feiert dieses Jahr ein Jubiläum: Das erste fand vor 50 Jahren statt. Seit der Neuauflage 2012 nimmt Buser daran teil. Die Strecke sei kurz und kurvenreich. Diese Woche ist Buser sie zu Fuss abgelaufen; wie vor jedem Rennen. Andere Trainingsmöglichkeiten als an den Rennwochenenden hat sie nicht. Das entgegnet die 66-Jährige auch auf die Kritik an der Umwelt- und Lärmverschmutzung ihres Sports: «Wir fahren jeweils ein paar Minuten an einigen Wochenenden.» Es gebe andere Sportarten oder Grossanlässe, bei denen die Umwelt um ein Mehrfaches belastet werde als an einem Bergrennen.

Streckensicherung nach Zieleinfahrt verstärkt

Busers Eltern konnten nicht Auto fahren, die Tochter arbeitete Jahre lang im Aussendienst. Kam sie jemals in Versuchung, auf der Strasse zu rasen? «Nie. Dafür mag ich den Motorsport zu sehr. Ich will ihm nicht schaden.» Ein Mann hat dem Sport und dem Bergrennen Hemberg im vergangenen Jahr geschadet: Richard Hammond. Der britische «Top Gear»-Moderator verunfallte auf der Strecke im Showblock zwischen zwei Trainingsfahrten. Er wurde am Knie verletzt. Sein zwei Millionen Franken teurer Sportwagen brannte aus. Hammond hatte nach der Ziellinie noch einmal Gas gegeben. Dazu hat Buser eine klare Meinung: «Das war idiotisch. So etwas darf nicht passieren.» Ziehen die Organisatoren Konsequenzen daraus? «Wir haben die Streckensicherung auch nach der Zieleinfahrt nochmals verstärkt», sagt OK-Mitglied Nadia Brülisauer. Mit Baumstämmen am Strassenrand und einer Fahrbahnverengung.

Früher ist Lisbeth Buser rund 15 Rennen pro Jahr gefahren. Ein kostspieliges Hobby: Pneus, Wartung, Hin- und Rückfahrt, Startgeld. «Auf Ferien oder einen schönen Rock musste ich verzichten. Aber wir haben das gerne getan.» Ihre grössten Erfolge feierte sie 2001 mit drei Siegen und einem zweiten Rang an Bergrennen, einem Sieg und zwei zweiten Rängen auf der Rundstrecke. Seit sie pensioniert ist, fährt Buser sieben oder acht Rennen pro Jahr. Denkt sie ans Aufhören? «Ich plane von Jahr zu Jahr. Dieses Jahr fahre ich auf jeden Fall noch.»

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